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Digitalisierung: Versicherer rufen nach eingängiger IT

Von Jakob FreundTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Sechs von zehn Versicherer in Deutschland wünschen sich, dass sich ihre IT-Systeme künftig besser verstehen lassen. 54 Prozent erwarten zudem, regelmäßig anfallende Aufgaben stärker automatisiert zu erledigen. Vieles spricht dafür, bei den wichtigsten Anwendungen im Unternehmen einen neuen Weg einzuschlagen. Das zeigt eine Umfrage zur Versicherungs-IT unter 104 Führungskräften und Projektleitern. Ein Gastbeitrag von Jakob Freund, CEO von Camunda.

Mario Greco sieht einen perfekten Sturm aufziehen. Der CEO der Zurich Insurance Group kreidet seiner Branche an, sich viel zu sehr auf Makler und Vertreter verlassen zu haben, um den Kontakt zum Kunden zu halten. Richtige Nähe zum Anbieter sei daher nie entstanden. Das rächt sich jetzt in einer Welt, in der die Kunden erwarten, möglichst digital und schnell bedient zu werden. Sich vor dem Urlaub zu versichern oder einen Umzug zu melden, wollen die meisten Verbraucher am liebsten selbst machen und dabei keine Zeit verlieren.

 

IT soll flexibler werden

 

Nahezu die gesamte Branche dürfte das inzwischen erkannt haben. Dennoch geht die Angst um, dass Versicherungen für digitale Angreifer das nächste große Ziel nach den Banken seien. Das liegt auch daran, dass digitale Angebote einen besonders leichten Zugang bieten, zumal sich kaum ein Kunde an seinen Anbieter gebunden fühlt. Von zu niedrigen Zinsen abgesehen, führen laut Umfrage

wohl vor allem deshalb direkt online oder sogar per App abgeschlossene Versicherungen die Liste an mit den größten Bedrohungen für das eigene Geschäft.

 

Neue Anbieter wie Coya drängen in den Markt und ermöglichen Kunden heute schon, von einen Tag auf den anderen ihren Hausrat zu versichern oder eine private Haftpflicht-Police zu kaufen – papierlos, online und mit einer Kündigungsfrist von einem Tag. Darauf zu reagieren, wenn bereits ein großer Kundenstamm zu verwalten ist, erfordert eine flexible IT. 57 Prozent der Befragten spüren diesen Druck und wollen, dass sich individuellere Anforderungen noch besser IT-seitig umsetzen lassen. 55 Prozent erwarten, dass Updates nicht nur in fest geplanten Releasezyklen eingespielt werden können. Und mehr als die Hälfte will leichter an Teilprogrammen arbeiten können, ohne damit gleich das Gesamtsystem lahmzulegen.

Was sich Führungskräfte und Projektleiter von der Versicherungs-IT wünschen.
Was sich Führungskräfte und Projektleiter von der Versicherungs-IT wünschen.Quelle: Camunda

Monolithen ausrangieren

 

Versicherer sollten sich vor diesem Hintergrund überlegen, auf eine modernere IT-Architektur zu wechseln, die diesen Anforderungen entspricht. Eine aktuelle EY-Umfrage legt offen, dass jedoch nur ein Viertel der Anbieter zu radikalen Schritten bereit ist. Mehr als 60 Prozent konzentrieren sich dagegen darauf, mit digitalen Hilfsmitteln das bestehende Geschäft zu optimieren. Das Problem: Bei einem Großteil der Versicherer sind mindestens die Hälfte der eingesetzten Bestands- oder Kernsysteme schon zu lange im Einsatz. Fast jeder kennt inzwischen die Anekdote, dass einige Unternehmen immer noch die in den 1980er-Jahren beliebten AS400-Systeme von IBM betreiben.

 

Inzwischen hat sich logischerweise nicht nur die Performance der IT-Systeme weiterentwickelt, sondern auch die grundlegende Architektur. Monolithische Großsysteme werden zunehmend von Workflow-Systemen abgelöst, die für jeden während eines Vorgangs abzuarbeitenden Schritt einen eigenständigen Microservice starten. Beispiel: Ein Kunde meldet einen Schaden. Microservices lassen sich dafür einsetzen, vollkommen automatisch zu prüfen, ob die Versicherungsprämie gezahlt worden ist, ob eine Deckungszusage im aktuellen Vertragswerk besteht und ob der gemeldete Schaden plausibel ist. Einige Versicherer setzen im KFZ-Bereich schon auf künstliche Intelligenz, um mögliche Schummeleien aufzudecken.

 

Microservices einführen

 

Solche Funktionen lassen sich in einer Microservice-Architektur sehr leicht nachträglich einbauen, indem einer dieser Dienste programmiert und in den Schadenprozess eingehängt wird. Technisch erledigen das Workflow-Engines, die zu einem bestimmten Zeitpunkt darauf programmiert werden, bei einem bestimmten Ereignis wie einem Schaden statt des bisherigen Prüfvorgangs beispielsweise einen Microservice zu starten, der das nötige KI-Wissen an Bord hat. Mit BPMN (Business Model and Notation) grafisch dargestellte Ablaufpläne tragen dazu bei, auch ohne viel technisches Wissen solche Prozesse zu modellieren und gleichzeitig den Überblick zu behalten, was im Unternehmen passiert (vgl. Abb. 2).

Ein BPMN-Schema für einen einfachen Prozess.
Ein BPMN-Schema für einen einfachen Prozess.Quelle: Camunda

BPMN macht mit bloßem Auge verständlich, was sich bis dahin oft in schriftlichen Anweisungen oder im Quellcode versteckt hat. Workflow-Systeme bieten zudem den Vorteil, dass sich mit BPMN gebaute Prozesse sofort ausführen lassen. Damit verkürzt sich die Zeit, bis etwa die für ein neues Produkt benötigten Abläufe zur Verfügung stehen und einsatzbereit sind. Darüber hinaus erleichtert BPMN sowohl den Fachbereichen wie auch der IT-Abteilung, sich gegenseitig besser zu verstehen.

 

Über die Umfrage

 

Im Mai 2019 hat Camunda 104 Führungskräfte und Projektleiter in Versicherungen über die digitale Transformation befragt. Die Antworten wurden online gegeben. Die Ergebnisse können in Kürze HIER angefordert werden.

Jakob Freund · IT-Projekte · Camunda
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