Quelle: Allianz Deutschland
Märkte & Vertrieb

Schweizer Krankenkassen prellten ihre Kunden um Millionen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein Krankenhausaufenthalt kostetet einen Schweizer 15 Franken pro Nacht. Die Krankenkassen rechneten jahrelang jedoch 16,5 Franken ab. Wegen der mickrigen Differenz von 1,5 Franken verlor einer der größten der Versicherer des Landes, die Assura mit Sitz im Waadtland, vor Gericht. In der Summe kommen auf die Krankenkassen Millionenforderung zu.

Nur zwei Tage war ein Rentner im Kantonsspital Winterthur untergebracht und klagte gegen eine zu hohe Rechnung. Grundsätzlich bezahlt ein Erwachsener in der Schweiz so viel von der Rechnung, bis die selbstgewählte Franchise ausgeschöpft ist. Plus einen Selbstbehalt von 10 Prozent der Kosten, die über die Franchise hinausgehen. Dazu kommt ein Spitalkostenbeitrag von 15 Franken pro Nacht.

 

Manche Kassen verrechneten jedoch 16,5 Franken. Die Differenz von 1 Franken 50 pro Tag ergibt sich daraus, dass die Versicherer die 10 Prozent Selbstbehalt auf die gesamte Spitalrechnung erheben, also auch auf den Spitalkostenbeitrag. Das Bundesgericht hält das für eine "doppelte Beteiligung" des Patienten. Die Lausanner Richter verlangen deshalb, dass die Kassen den Spitalkostenbeitrag bei ihren Kunden separat in Rechnung stellen. 

 

Für das gesamte Gesundheitssystem können sich beträchtliche Summen ergeben bei den Rückforderungen ergeben. Im Jahr 2017 nahmen alle Schweizerinnen und Schweizer zusammen 11,7 Millionen Pflegetage im Krankenhaus in Anspruch. Jedoch ist unklar, wieviel Versicherer wie die Assura vorgingen. Fraglich ist auch, ob jeder einzelne Patient wegen kleiner Beträge klagen würde. Theoretisch könnten die geprellten Patienten das Geld für Spitalaufenthalte in den vergangenen fünf Jahren zurückverlangen.