Rainer Langner auf dem AON-Forum in HH 2019
Rainer Langner auf dem AON-Forum in HH 2019Quelle: GSK
Unternehmen & Management

Aon Marktforum: Knoll (DFV) prognostiziert Branche 60 und 80 Prozent Mitarbeiterschwund wegen Digitalisierung

Von Susanne Görsdorf-KegelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wie man es schaffen kann, erfolgreich in einer Marktnische zu bestehen, beleuchtete das diesjährige Aon Marktforum in Hamburg. Im Zuge von globalen Veränderungen ergeben sich für Spezialisten Chancen und Risiken – Chancen deshalb, weil sie mit ihrem speziellen Know-how flexibler punkten können, Risiken, weil sie massiver von Phänomenen wie dem Klimawandel betroffen sind.

 Dabei genügt es nicht, sich einmal einen guten Ruf als Spezialversicherer erarbeitet zu haben, machte Burkhard Keese, Chief Financial Officer von Lloyd‘s of London, deutlich – man muss sich immer wieder wandeln und beispielsweise den Schritt von der Einzelrisikobewertung hin zur Gesamtmarktbetrachtung vollziehen. Nach wie vor sei die Spezialversicherung das Kerngeschäft von Lloyd’s, aber das Unternehmen müsse auch zunehmend Risiken übernehmen, die für die Kommunen nicht versicherbar oder die Folge der sharing economy sind.

 

Keese verzichtete zwar darauf, den Brexit und den aktuellen Stand der Entwicklung zu kommentieren, aber er wies eindringlich darauf hin, wie wichtig der europäische und insbesondere der deutsche Markt für Lloyd‘s sei und dass sich auch nach einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nichts ändern werde, weil das Unternehmen längst mit einem Sitz in Brüssel etabliert sei. Lloyd’s Brüssel habe als Schadenversicherer Zugang zu Spezialpolicen führender Versicherungsunternehmen mit mehr als 60 Sparten.

 

Herausforderung und Chance

 

Wie sich globale Entwicklungen auf einen relativ kleinen Spezialversicherer auswirken können, zeigte Rainer Langner, Vorsitzender des Vorstands der Vereinigten Hagelversicherung, auf. Sein Unternehmen ist europaweit auf den Bereich Pflanzenversicherung spezialisiert. Ursprünglich ein reiner Hagelversicherer liegt jetzt der Schwerpunkt auf der Ernteversicherung generell. Schon seit mehreren Jahren gibt es dabei höhere Spätfrostrisiken. Durch die milden Winter blühen Apfel und Winterraps im Frühjahr immer früher und sind dann besonders betroffen, wenn es im April noch einmal Frostnächte gibt. Auch die lange Trockenperiode in Nordeuropa im vergangenen Sommer wirkt sich bis heute auf die Schadenentwicklung aus, ebenso das Phänomen der zunehmenden Starkregen. "Der Klimawandel ist ein Thema, das sehr gut erforscht ist", schrieb Langner allen Klimawandel-Skeptikern ins Stammbuch, "in der Summe trifft es uns alle."  Er werde Folgen für die gesamte Volkswirtschaft haben, aber besonders die Landwirtschaft treffen.

 

Diese verlange auch von den Versicherern neue Lösungen und Angebote, wobei eine Ableitung der Risikobewertung von klassischen Versicherungen, wie der Gebäudeversicherung, nicht greife. Zugleich schreite der Strukturwandel in der Landwirtschaft voran, die Betriebe würden immer größer und die Vielfalt an Kulturen nehme zu. Dies erhöhe auch die Anforderungen an die Versicherungsprodukte und das Schadenmanagement.

 

Das Thema Cyber

 

Zu den meistzitierten globalen Tendenzen, die sich auch auf die Versicherungswirtschaft auswirken, gehören sicher die Digitalisierung und die damit einhergehenden Cyberrisiken. Aus der Sicht eines Unternehmens, das sich bereits als erster digitaler Versicherer auf dem deutschen Markt sieht, beschrieb Stefan M. Knoll, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Familienversicherung, den Weg seines Unternehmens dahin, der allerdings auch viele Arbeitsplätze gekostet hat, bei gleichzeitiger Steigerung des Neugeschäfts. Das sei unausweichlich, so Knoll, und werde auch andere Unternehmen erfassen – insbesondere dann, wenn sie die Digitalisierung noch vor sich haben. Ihnen prognostizierte er, dass sie zwischen 60 und 80 Prozent ihres Personals verlieren werden.

 

Veränderungen schaffen aber auch Chancen, zeigte Matthias Maslaton, Vorstandsmitglied der Arag, am Beispiel von Private Cyber als neuer Versicherungssparte auf. So entstehen durch smarte Geräte neue Risiken im Privatbereich oder völlig neue Themen wie der Umgang mit einem digitalen Nachlass erfordern neue Rechtsschutzangebote. "Eigentlich ist Digitalisierung nicht anderes, als wieder unternehmerisch tätig zu werden" resümierte er – man dürfe sich nur nicht , wie weiland die Dinosaurier, zu sehr darauf verlassen, dass man schon immer da war und deshalb immer da sein werde.

Aon Holding Deutschland · Stefan M. Knoll · Digitalisierung · Rainer Langner
Auch interessant
Zurück
14.06.2019VWheute
Versi­che­rungs­pro­dukte der Woche – KW 24 Der Sommer ist noch ein wenig wackelig auf den sommerlichen Beinen. Stabiler sind die Versicherer, die …
Versi­che­rungs­pro­dukte der Woche – KW 24
Der Sommer ist noch ein wenig wackelig auf den sommerlichen Beinen. Stabiler sind die Versicherer, die auch in der 24. Kalenderwoche wieder fleißig Produkte auf den Markt bringen. Diesmal mit einer komplett neuen Absicherung für …
24.05.2019VWheute
DFV wächst über­durch­schnitt­lich - und schreibt Verluste Die Deutsche Familienversicherung AG (DFV) ist im Dezember 2018 als erstes Insurtech …
DFV wächst über­durch­schnitt­lich - und schreibt Verluste
Die Deutsche Familienversicherung AG (DFV) ist im Dezember 2018 als erstes Insurtech Unternehmen Europas an die Börse gegangen und hat damit die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Wie der Vorstandsvorsitzende Stefan …
16.05.2019VWheute
Deut­sche Fami­li­en­ver­si­che­rung will über ProSieben Lassie versi­chern Ok, nicht nur Lassie, Haustiere allgemein stehen im Fokus der Frankfurter.…
Deut­sche Fami­li­en­ver­si­che­rung will über ProSieben Lassie versi­chern
Ok, nicht nur Lassie, Haustiere allgemein stehen im Fokus der Frankfurter. Dafür wird die bestehende Kooperation mit ProSiebenSat.1 Digital genutzt und ausgebaut. Den Markt für Tierversicherungen b…
09.05.2019VWheute
Munich Re startet mit Gewinn­ein­bruch - OVB mit deut­li­chem Umsatz­plus Die Munich Re ist mit einem satten Gewinneinbruch in das Geschäftsjahr 2019 …
Munich Re startet mit Gewinn­ein­bruch - OVB mit deut­li­chem Umsatz­plus
Die Munich Re ist mit einem satten Gewinneinbruch in das Geschäftsjahr 2019 gestartet. So lag der Konzerngewinn mit 633 Mio. Euro fast ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres (2018: …
Weiter