Schüler in den 50er Jahren
Schüler in den 50er JahrenQuelle: Thomas Max Müller / www.pixelio.de / PIXELIO
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Streit um Schülerzusatzversicherung: Einschätzung des BdV "tendenziös und schwach recherchiert"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Produktblatt der Schülerzusatzversicherung dient in der Zentrale des Bund der Versicherten (BdV) als Dartscheibe. Ok, das ist eine Vermutung. Eine Tatsache ist jedoch, dass die Kritik am Produkt aus Sichte des BdV dringend regelmäßig wiederholt werden muss. Die Neuauflage der Versicherung bietet dazu Gelegenheit.

Im April 2018 zeichnete der BdV die Schülerversicherung der Württembergische Gemeinde-Versicherung und der BGV Badische Versicherung mit dem Versicherungskäse des Jahres aus. Das Land Baden-Württemberg hat den Gruppenversicherungsvertrag im Anschluss gekündigt, ob ein Zusammenhang besteht, ist unklar. Die Anbieter haben daraufhin das Produkt überarbeitet und erneut der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

BdV weiter sauer

 

Der BdV ist nicht begeistert vom Ergebnis. Auch die neue Schülerversicherung sei "Versicherungskäse" und gehöre nicht in die Schultüte und auf die Schulhöfe.

 

"Dass die Versicherer Einsicht zeigten und das Produkt vom Markt nahmen, ist lobenswert“, sagt BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. "Dass sie es nur marginal verändert wieder auf den Markt bringen, ist eine Frechheit. Noch erschreckender ist jedoch, dass sich das Land Baden-Württemberg aus der Verantwortung zieht, und weiterhin zulässt, dass dieses schlechte Produkt direkt zum Beispiel über die Schulen oder Gemeinden an die Schülerinnen und Schüler gebracht werden kann."

 Der Vertrieb über öffentlichen Institutionen würde eine ausreichende Absicherung suggerieren, die das Produkt jedoch nicht biete. Eltern sollten ihre Kinder "besser privat absichern".

 

BGV antwortet

 

Der letzte Satz bringt die BGV in Aufruhr, der Versicherer habe immer darauf hingewiesen, dass die 1 Euro-Police eine Ergänzung ist. "Zu keiner Zeit haben wir in irgendeiner Weise suggeriert, dass es sich um eine "gleichwertige Absicherung" handelt, schreibt der BGV und führt aus:

"Wir haben nach dem Ende der Schülerzusatzversicherung zahlreiche Rückmeldungen von Schulen und Schulträgern erhalten. Tenor war, dass die Schüler-Zusatzversicherung eine sinnvolle Einrichtung war und nun fehlt."

 

So hätte es beispielsweise immer wieder Unfälle im Umfeld des Schulbesuches oder einer Schulveranstaltung gegeben, bei denen die gesetzliche Unfallversicherung nicht eintrittspflichtig war. Das gleiche galt auch für Haftpflichtfälle im Zusammenhang mit Praktika oder Ausflügen, wenn die betroffenen Schüler keine private Haftpflichtversicherung hatten oder diese nicht leistete.

Daraufhin habe die BGV in Abstimmung mit der WGV ein neues Angebot für eine Schülerversicherung erstellt. "Die Leistungen haben wir sogar etwas ausgebaut, der Preis blieb jedoch derselbe: 1 Euro pro Schüler und Jahr" - natürlich freiwillig.  

 

Ein wesentlicher Unterschied sei, dass dieser Euro "nicht von den Schülern bezahlt werden muss". Vielmehr können z.B. auch die Schulträger oder Fördervereine den Versicherungsbeitrag für die Schülerschaft insgesamt übernehmen. Entsprechende Informationsschreiben an alle Schulen und Schulträger sowie an den Landesverband der Schulfördervereine Baden-Württemberg e.V. wurden verschickt.

 

Jetzt spricht die BGV über den BdV

 

 "Zu keiner Zeit haben wir in irgendeiner Weise suggeriert, dass es sich um eine "gleichwertige Absicherung" handelt. Im Gegenteil: Auch wir halten den privaten Versicherungsschutz, der durch die Eltern abgeschlossen wird, für unabdingbar. Dieser kann durch die Schülerversicherung nicht ersetzt werden", schreiben die Karlsruher.

 

Der Versicherungsumfang der Schülerversicherung sei transparent und eindeutig. Aber natürlich wäre es sinnvoller, wenn die Eltern ihre Kinder vollumfänglich privat absichern. "Das ist allerdings auch jedem klar."

 

"Aus den letzten 50 Jahren ist uns kein Fall bekannt, bei dem Lehrer oder Eltern sich über "eine suggerierte ausreichende Absicherung" – wie der Bund der Versicherten schreibt - beklagt haben. Diese Problematik ist schlichtweg erfunden."

 

Anmerken möchte die BGV zudem, dass der adäquate, sinnvolle Versicherungsschutz, den der BdV beschreibt, "mindestens 200 Mal teurer ist", als die Leistungen der Schülerversicherung.

"Wir halten die erneute Kritik des BdV mit Blick auf den artikulierten Bedarf der Schulen und Schulträger für falsch. Vielmehr wünschten wir uns eine objektivere Sicht auf diesen Sachverhalt. Leider müssen wir die Einschätzung des BdV weiterhin als tendenziös und schwach recherchiert zurückweisen".

BGV · Bund der Versicherten · Schülerversicherung
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