Dr. Klaus Zehner, Vorstandsmitglied Sparkassenversicherung
Dr. Klaus Zehner, Vorstandsmitglied SparkassenversicherungQuelle: SV
Schlaglicht

SV-Vorstand Zehner über die Verlustzone Wohngebäude: Wieso die Preise auch in fünf Jahren steigen werden

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Wohngebäudeversicherung steht seit Jahren unter Druck. Nach Angaben des GDV ist sie im vergangenen Jahr erneut in die Verlustzone gerutscht. Klaus Zehner, Vorstandsmitglied der SV spricht im Interview über Probleme und Perspektiven für die Zukunft.

VWheute: Die Wohngebäudeversicherung ist im vergangenen Jahr nach Angaben des GDV erneut in die Verlustzone gerutscht. Vor allem Stürme und Feuerschäden schlugen dabei besonders ins Kontor. Worin sehen Sie aktuell die Gründe für diese Entwicklung und wie lässt sich diese Sparte aus Ihrer Sicht wieder „auf Kurs“ bringen?

Klaus Zehner: Die letzten 10 Jahre waren für die Wohngebäudeversicherung keine besonderen. 2017 und 2016 scheinen da mit einer CR von 98% bzw. 96% trotz Braunsbach und Simbach eher eine Ausnahme zu bilden. Zwei Bereiche treiben die Schadenquoten: die steigenden Elementarschäden und die Leitungswasserversicherung.

Der Klimawandel führt zu wärmerer Luft, die mehr Wasser aufnimmt; das führt zu steigenden Niederschlagsmengen und einer höheren Wahrscheinlichkeit von Gewittern und Hagelstürmen. Hierzu haben wir mit dem Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie verschiedene Studien zur Schadenabschätzung durch Starkniederschlägen, Hochwasser und Hagel durchgeführt, um die Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Bestand besser abschätzen zu können.

So eindrücklich die Bilder von Naturkatastrophen in Braunsbach, Simbach auch sind, darf nicht vergessen werden, dass von 2002 bis 2017 für 49 % des Schadenaufwands Leitungswasserschäden verantwortlich sind. Und die Tendenz ist steigend. Otto Bechert hat bereits 1966 geschrieben, dass die Leitungswasserversicherung eine Reparaturkostenversicherung und damit ein Problem für die deutsche Assekuranz ist.

Was also tun?

Schadenmanagement und Preisanpassungen.

Im vergangenen Jahr hat die SV ihre Beiträge für die Wohngebäudeversicherung um rund 13,5 Prozent erhöht. Begründet wurde dies vor allem mit dem Klimawandel und dem daraus resultierenden Anstieg der Schäden. Wie läuft es in ihrem Geschäftsgebiet in diesem Jahr in der Wohngebäudesparte?

Die SV ist zweitgrößter Gebäudeversicherer in Deutschland mit einer Risikokumulsituation in Baden-Württemberg und Hessen. Wenn dort etwas passiert, trifft es die SV verstärkt. Der Reutlinger Hagel 2013 führte bei uns in 15 Minuten zu 600 Mio. Euro Schadenaufwand. Deswegen mussten wir über Jahre unsere Preise erhöhen. Unsere Kunden verstehen das, denn wir bieten ihnen mit Dienstleisternetzwerken und Kooperationen mit Dachdeckerverbänden und Handwerkern einen schnellen und guten Service im Schadenfall. Bei einem offenen Dach helfen Ziegel, nicht aber Geldscheine. Solche Dienstleistungen gewinnen für unsere Kunden zunehmend an Bedeutung. Das Jahr 2019 ist bisher gut gestartet, auch wenn die Stürme Bennet und Eberhard mit rund 36 Mio. Euro Schadenaufwand zu Buche schlagen.

Trotz steigender Schäden durch Naturgefahren sind laut GDV nur 43 Prozent der Bundesbürger gegen eben jene versichert. Worin sehen Sie die Ursachen, dass entsprechende Policen bei den Versicherten nicht besser nachgefragt werden und wie lässt sich die Wohngebäudeversicherung attraktiver gestalten?

Bei den 43 % deutschlandweit muss berücksichtigt werden, dass in Baden-Württemberg rund 94 % der Gebäude gegen Naturgefahren versichert sind. Der Grund ist einfach: Die ehemalige Monopolversicherung beinhaltet immer den Schutz gegen Naturgefahren und die meisten Versicherten haben den Schutz nach dem Wegfall des Monopols auch bei anderen Versicherern beibehalten. In den anderen Teilen unseres Geschäftsgebiets liegen die Anteile jedoch zwischen 33 % und 47 %. Ich denke das zeigt, dass die Eigentümer in vielen Bereichen die Gefahren unterschätzen oder gar nicht um die Gefahren oder ihren Versicherungsschutz wissen.

Wir haben in den letzten Jahren einige unserer Kunden angeschrieben, von denen wir wissen, dass sie keine Naturgefahren versichert haben. Die Erfolgsquoten dieser Mailings lagen bei bis zu 13 %. Die vollständige Versicherung eines Einfamilienhauses kostes bei uns in der ZÜRS Gefährdungsklasse 4 etwa 1,40 Euro am Tag. Dies sollte ein Hauseigentümer erübrigen können. Der GDV bietet über die Naturgefahren- und Starkregenkampagne im Übrigen reichlich Material zur Aufklärung.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Wohngebäudeversicherung in den kommenden fünf Jahren und welche Faktoren sind dafür aus Ihrer Sicht ausschlaggebend?

Die angespannte Lage am Kapitalmarkt zwingt zu sauberer Versicherungstechnik. Die Folgen des Klimawandels und die unendliche Geschichte zu Leitungswasser tun ihr übriges. Das bedeutet: Die Preise werden steigen. Schadendienstleistungen werden weiter an Bedeutung gewinnen.