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Amazon "Prime Air": Wie Versicherer vom Milliardengeschäft mit Drohnen profitieren

Von VW-Redaktion und Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Unbemannte Flugobjekte (UFO) kennt man eigentlich nur einschlägiger Science-Fiction-Literatur. Allerdings sind diese heute mehr denn je Realität - und zwar in Form der Drohne. Die kleinen unbemannten Flugobjekte gewinnen immer an Attraktivität, vor allem bei den Online-Händlern. So hat Amazon nun eine Lieferdrohne vorgestellt, die in einigen Monaten Pakete zustellen soll. Die Versicherer wollen von dem möglichen Milliardengeschäft profitieren.

Geht es nach den Plänen des Online-Händlers, soll das neue Fluggerät mit dem Namen "Prime Air" soll zunächst testweise kleine Haushaltswaren wie Zahnpasta oder Rasierer liefern. Dabei soll das Gerät rund 24 Kilometer weit fliegen und bis zu 2,3 Kilogramm schwere Pakete innerhalb von 30 Minuten zustellen können. Dabei verfügt die Drohne über sechs statt der standardmäßigen vier Rotoren, was für mehr Stabilität auch bei Windverhältnissen sorgen soll. Das Fluggerät kann dabei sowohl vertikal wie ein Hubschrauber für Start und Landung fliegen als auch sich wie ein Flugzeug aerodynamisch fortbewegen und bruchlos zwischen den beiden Modi wechseln, berichtet das Handelsblatt. Klimafreundlich wären die Geräte jedenfalls - nicht nur, weil sie entsprechend Sprit und Kraftstoff sparen. Auch die CO2-Emissionen können damit deutlich reduziert werden. Wo das neue Fluggerät an den Start gehen soll, ließ Amazon aber noch offen.

 

Dass Drohnen ein entscheidender Faktor für die Mobilität der Zukunft sein können, zeigen auch die jüngsten Pläne der Deutschen Telekom und der Deutschen Flugsicherung (DFS). Beide gründen nun ein Gemeinschaftsunternehmen, welches die bundesweite Ortung und Steuerung von Drohnen ermöglichen soll. Bislang dürfen die Fluggeräte nur auf Sicht geflogen werden. Nun soll ein Mobilfunkmodem in die Drohnen eingebaut werden, das Steuerungsbefehle entgegennehmen soll. "So wird es endlich möglich, das volle Potenzial professionell genutzter Drohnen ausschöpfen zu können", wird Telekom-Chef Tim Höttges bei RP Online zitiert. Und: "Wir wollen Drohnenflüge sicher in den Luftraum integrieren", ergänzt Klaus-Dieter Scheurle, Leiter der DFS. 

 

Dabei könnten Passagierdrohnen schon in naher Zukunft als eine Art Lufttaxi zum Einsatz kommen. So rechnet die Unternehmensberatung Roland Berger vor, dass bis 2025 rund 3.000 Drohnen weltweit fliegen. Doch in den Folgejahren wird er exponentiell wachsen, denn sowohl bei den die Anschaffungs- als auch bei den Betriebskosten sind Drohnen deutlich günstiger als beispielsweise Hubschrauber, heißt es weiter. "Wir gehen davon aus, dass Passagierdrohnen für innerstädtische und regionale Strecken in fünf bis zehn Jahren realistisch sein werden. Fortschritte in der Batterietechnologie und bei autonomen Systemen werden hier einen wichtigen Impuls geben", glaubt Manfred Hader, Partner von Roland Berger. Dabei gehen die Experten davon aus, dass die neue Flugzeuggeneration zu Beginn vor allem in Form von Shuttles (von und zum Flughafen) sowie für den Verkehr innerhalb und zwischen Städten eingesetzt werden könnte. "Passagierdrohnen können den innerstädtischen Mobilitätsmix neu gestalten. Mit den geeigneten Rahmenbedingungen könnten sie die oft überfüllten Verkehrsnetze entlasten", prognostiziert Roland Berger-Partner Tobias Schönberg. Wie erste Drohne im städtischen Verkehr allerdings tatsächlich aussehen könnte, ist bislang noch offen.

 

Die badische Firma Volocopter ist da anscheinend schon einen Schritt weiter. So plant das Unternehmen bereits, einen Start- und Landeplatz in Singapur zu eröffnen, um entsprechende Testflüge seiner Multicopter durchführen zu können. Für Volocopter-Chef Florian Reuter scheint es jedenfalls nur noch "eine Frage der Zeit" zu sein, bis sein Unternehmen in Europa eine kommerzielle Zulassung erhalte. Entsprechende Pilotprojekt sind inklusive Hamburg, Ingolstadt und des Forschungsflugplatzes Aachen-Merzbrück bereits fünf Pilotprojekte vorgesehen. Auch der Frankfurter Airport prüft derzeit ein solches Vorhaben mit  Volocopter.

 

Neben den kommerziellen Drohnen sind die privaten Drohnen allerdings längst im deutschen Flugverkehr angekommen - und das nicht immer zur Freude der DFS und der Versicherungsunternehmen. So hat die Deutsche Flugsicherung allein 2018 insgesamt 158 Behinderungen des regulären Luftverkehrs durch Drohnen registriert, etwa 80 Prozent mehr als noch 2017. Im Großraum von Flughäfen seien 125 Fälle gemeldet worden, erklärte das bundeseigene Unternehmen, das für die Flugverkehrskontrolle in Deutschland zuständig ist. Die meisten Störungen gab es am Flughafen Frankfurt/Main (31), gefolgt von Berlin-Tegel (17), München (14) und Hamburg (12). 2017 waren insgesamt 88 Fälle gemeldet worden. Dabei seien Flugzeugkollisionen/Crashs die zweithäufigste Ursache für versicherte Schäden weltweit hinter Brand- und Explosionsfällen. Das ergab die Analyse von mehr als 470.000 Schadensfällen in der Versicherungswirtschaft in den letzten fünf Jahren. Auch die AGCS war bereits an einem Schadensfall im Zusammenhang mit einer Drohnenkollision mit einem Flugzeug beteiligt.

 

So wird geschätzt, dass fast eine halbe Million Drohnen im deutschen Luftraum unterwegs sind, etwa drei Viertel davon nicht-kommerziell genutzt. Und genau die sind es, die die meisten Unfälle verursachen, weil sie vielfach unsachgemäß benutzt und elementare Regeln außer Acht gelassen werden. Dabei gilt: Jede Drohne, auch wenn sie nur wenige Gramm wiegt, gilt als Luftfahrzeug und braucht eine Haftpflichtversicherung. Und das nicht erst seit kurzem, sondern bereits seit 2005. Allerdings wirft die zunehmende Zahl der Kopter ein ganz neues Licht darauf. Ohne Versicherung drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Vor allem Karambolagen mit Flugzeugen können katastrophale Auswirkungen haben.

 

Versicherungsschutz für Privatnutzer

 

Manch Versicherer bieten daher bereits entsprechende Drohnenversicherungen für den privaten Gebrauch an. Bei der Allianz ist demnach der Betrieb von Drohnen zur privaten Sport- oder Freizeitgestaltung in der Produktlinie SicherheitBest der Privathaftpflichtversicherung versichert, wenn ein Startgewicht von fünf Kilogramm nicht überschritten wird. Die Kosten betragen für eine Familienversicherung mit 60 Mio. Euro Deckung für einen 40-Jährigen rund 145 Euro pro Jahr bei 150 Euro Selbstbeteiligung und jährlicher Zahlweise. Ein gleichaltriger Single bezahlt für die gleiche Versicherung gut 103 Euro. 

 

Ebenfalls eine private Haftpflichtversicherung mit inkludiertem Drohnen-Schutz bietet die Degenia seit kurzem an. Der Tarif "Degenia Kopter-Profi T18" wurde von der Degenia zusammen mit der Kopter-Profi GmbH und der Condor Versicherung entwickelt. Damit werde der hochwertige Schutz einer unentbehrlichen Privathaftpflichtversicherung mit einer echten Kopter-Versicherung verknüpft und durch die notwendige behördliche Versicherungsbestätigung in deutscher und englischer Sprache ergänzt, wie Degenia-Maklerbetreuer Christoph Meese betont. Der Tarif versichert Drohnen bis zu einem Gewicht von fünf Kilogramm mit. Er ist weitgehend standardisiert und kostet für eine Deckungssumme von 20 Mio. Euro ohne Selbstbeteiligung rund 66 Euro pro Jahr. Laut Degenia könnten bis zu 85 Prozent der privat genutzten Drohnen nicht so versichert sein, wie es gesetzlich verlangt ist.

 

Die DMO Deutsche Modellsportorganisation bietet ebenfalls spezielle Modellhalter-Haftpflichtversicherungen an - sowohl für Privatpersonen als auch für Gewerbetreibende. Die DMO ist Versicherungsvermittler und hat Rahmenverträge mit der Allianz Global Corporate & Specialty SE. Versichert sind Kopter bis zu einem Abfluggewicht von 25 Kilogramm. Im privaten Tarif sind privat genutzte Foto- und Filmaufnahmen sowie Wettbewerbe und Indoor-Flüge mitversichert. Unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen fallen auch Flüge außerhalb von genehmigten Modellfluggeländen darunter. In allen Tarifen werden drei bzw. alternativ sechs Mio. Euro Deckungssumme angeboten. Dafür werden günstige 39,96 Euro jährlich bei drei bzw. 51,96 Euro bei sechs Mio. Euro Deckungssumme fällig. Die Jahresprämien enthalten bereits alle Steuern. Grundsätzlich ist der Versicherungsnehmer als Person versichert, sodass Art und Anzahl der Modelle, die er betreibt, keine Rolle spielen und demzufolge nicht gemeldet werden müssen.

 

Die kommerzielle Nutzung von Drohnen ist in Deutschland zwar rechtlich noch nicht möglich. Laut einer Studie arbeiten aktuell bereits über 400 Start-Up-Unternehmen an der Entwicklung von Flugtaxis. Auch Automobilhersteller wie Audi und Daimler sind im Bereich Flugauto aktiv unterwegs. Laut Airbus sind allerdings bereits im kommenden Jahrzehnt feste Flugrouten für entsprechende Lufttaxis durchaus denkbar. Studien gehen jedenfalls davon aus, das Flugtaxen bereits ab 2050 zum öffentlichen Personennahverkehr dazugehören und in nahezu jeder größeren Metropole der Erde Passagiere auf festgelegten Routen von A nach B transportieren werden. Für die Versicherer könnte dies am Ende ein Milliardengeschäft werden.

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