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JustitiaQuelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Versicherungsagent verspekuliert sich - und setzt vier Mio. Euro in den Sand

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier", sagte einst der indische Bürgerrechtler Mahatma Gandhi. Hätte sich ein Versicherungsagent aus Österreich einmal dieser Worte erinnert - ihm wäre so manches erspart geblieben. Der 57-Jährige war anfangs als Mitarbeiter und später als selbstständiger Agent eines Versicherers tätig. Mit Aktienspekulationen wollte sich der Mann noch etwas dazu verdienen und "vermögende Kunden" an diesen Gewinnen beteiligen. Allerdings hatte er sich ziemlich verspekuliert und musste sich schließlich vor Gericht verantworten.

Um diese "mitverdienen" zu lassen soll der frühere Versicherungsagent von März 1995 bis 2015 Bares angenommen haben, das angeblich sicher und hochverzinst in einem für "besondere Kunden" bestimmten Vermögensdepot des Versicherers verwaltet würde - natürlich von entsprechenden Spezialisten. Die Haftung dafür würde der Versicherungskonzern übernehmen. Dafür erhielten die gutgläubigen Kunden gar (gefälschte) Bestätigungen auf Briefpapier des Versicherers - einschließlich einer Fantasieunterschrift. Insgesamt 4,1 Mio. Euro hatte er über 20 Jahre hinweg auf diese Weise eingenommen. 

 

Allerdings ging der Schuss am Ende nach hinten los: Bald überwogen die Verluste die Gewinne. Wenn Anleger auf Auszahlungen bestanden, gab er ihnen das Geld, das andere Anleger einzahlten, berichtet die Kleine Zeitung. Um nicht weiter aufzufliegen, zahlte er die Kunden mit den Einzahlungen anderer Kundengelder aus. Zudem butterte er den Erlös aus dem Verkauf seines Hauses und auch einen Lottogewinn von über einer Million Euro sowie Preisgelder aus der Teilnahme an Poker-Turnieren hinein. So konnte er zwar rund 1,5 Mio. Euro wieder an die geprellten Anleger zurückzahlen. Im Jahr 2016 zog er allerdings mit einer Selbstanzeige einen Schlussstrich unter sein Treiben.

 

Das Landesgericht Linz verurteilte ihn nun zu drei Jahren Haft. Trotz Geständnis wirkten sich der lange Tatzeitraum - knapp 20 Jahre - der hohe Schaden und der Missbrauch des Vertrauens seiner Kunden letztlich erschwerend für den ehemaligen Versicherungsagenten aus. Aber: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Spekulation · Versicherungsagent