Frank Hering (links) und Mathias Pahl (rechts)
Frank Hering (links) und Mathias Pahl (rechts)Quelle: mvb
Märkte & Vertrieb

Willis Towers Watson Summit: Wachsende Cyber-Gefahren für Staaten und Unternehmen

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Traditionelle Risiken für Unternehmen, etwa Betriebsunterbrechungen durch Feuer, Naturkatastrophen oder Computerausfälle, stehen derzeit noch oben in der Prioritätenskala. Doch immer komplexere und unberechenbarere Risikoszenarien stellen Versicherer und Geschäftsleitungen vor neue Herausforderungen. Experten verzeichnen eine rapide Zunahme von Cyberattacken und eine wachsende globale Cyberkriminalität.

"Die heutigen geopolitischen Risiken wirken wie eine Art Brandbeschleuniger", warnte Mathias Pahl, Managing Director, Head of Corporate Risk & Broking, beim Risk Summit von Willis Towers Watson und forderte ein "Umparken im Kopf". Als Beispiele für unruhiger gewordene Zeiten nannte er den Handelskonflikt zwischen USA und China, Sanktionen gegen Russland oder Iran sowie vermehrt auch Umweltrisiken wie den Klimawandel. Die Versicherungswirtschaft müsse sich dem Tempo der Veränderung anpassen und neue maßgeschneiderte Produkte im Bereich Risk Management entwickeln.

 

Es gelte vor allem drei wesentliche Aspekte zu berücksichtigen: Beim Risikomanagement reichen die bisherigen Ansätze nicht mehr aus, modernere Methoden sind gefragt. Ferner müssten Unternehmen eine bessere Risikotransparenz schaffen und schließlich auch den Faktor Mensch in ein ganzheitliches Konzept einbeziehen. Angesichts aktueller „geopolitischer Verwerfungen“ müsse man dabei die Risiken aus allen denkbaren unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten, so Pahls Kollege beim Corporate Risk, Frank Hering, der die etwa 100 Teilnehmer durch die Veranstaltung führte. Die wachsenden Cyber-Gefahren würden längst nicht mehr nur die Unternehmen in den Industrieländern, sondern ganze Staaten und Gesellschaften bedrohen.

 

Ist Deutschland für die Schattenseiten des digitalen Zeitalters gerüstet? Zweifel daran weckte Martin Kreuzer, Cyber Risk Consultant bei Munich Re. Seine nüchterne Analyse verortete das Land im Vergleich zu anderen Staaten Europas auf dem Gebiet der Digitalisierung eher im hinteren Drittel. "Den 5G-Standard werden wir voraussichtlich auch noch nicht in drei Jahren flächendeckend haben", prognostizierte der Experte. Etwas besser sähe es beim Cyber Risk Management aus. Hier sei zumindest die Wirtschaft im Bereich "Defense" überwiegend gut aufgestellt.

 

Auch bei der Politik sei die Botschaft angekommen, aber die neu entwickelten Cyberstrategien hätten ein Umsetzungsproblem, was auch an mangelnder Manpower läge. Andere Länder, speziell die Großmächte, seien hier um Jahre voraus und längst zu eigenen Cyberattacken in der Lage. So gelang es dem in den USA entwickelten "Stuxnet ViruS", Atomanlagen im Iran lahmzulegen. Ein krasses Beispiel für einen beinahe erfolgreichen, kriminellen Cyberangriff kommt aus Nordkorea. Man versuchte, aus einer Bank in Bangladesh eine Milliarde Dollar in Kims Land zu transferieren. Vom US-amerikanischen Großinvestor Warren Buffet wird die Aussage kolportiert, er habe vor einem Cyber-War mehr Angst, als vor einem Atomkrieg.

 

Risiken für Unternehmen kommen allerdings auch aus einem ganz anderen Bereich der Digitalisierung: Beim Einsatz künstlicher Intelligenz stellt sich die Frage nach der Produkthaftung, wie Philipp Reusch, Gründer der reuschlaw Legal Consultants und Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen, in seinem Referat betonte. Die Haftung sei gegeben, denn der alte Paragraf 823 BGB aus dem Jahr 1900 gelte grundsätzlich auch für Fehler und Schäden durch Produkte mit künstlicher Intelligenz. Unverändert hafte dafür der Hersteller oder Betreiber. Sie sind, so Reusch, "auch für überraschende Ergebnisse beim Einsatz künstlicher Intelligenz", verantwortlich und dazu verpflichtet, die Produkte regelmäßig zu erproben und Updates durchzuführen. Für die Versicherungsunternehmen könnte aus der KI eine spürbare Zunahme im Bereich Betriebshaftpflichtversicherung resultieren.

Cyberkriminalität · Willis Towers Watson
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