Plenum der Fachkonferenz
Plenum der FachkonferenzQuelle: Martin Winkel
Unternehmen & Management

Predictive Data Analysis an der Kundenschnittstelle – zu welchem Preis

Von Martin WinkelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Daten gelten als das Öl des 21. Jahrhundert. Mittlerweile zahlen Versicherer dafür immer häufiger einen ähnlich hohen Preis. Jörg Hipp, Vorstandsmitglied und Leiter Automotive der Allianz Versicherungs-AG bestätigte auf der SZ-Fachkonferenz zu Künstlicher Intelligenz und Data Analytics in der Versicherungsbranche in München, dass Kooperationspartner aus der Automobilbranche für Telematikdaten ihrer Fahrzeuge mittlerweile eine Vergütung von Versicherern verlangten.

Schon bisher mussten Kfz-Versicherer Geld in die Hand nehmen, um Daten zum Fahrverhalten ihrer Kunden zu erhalten. Denn für deren Erhebung ist recht teure Hard- und Software notwendig. Neben Steckern am Wartungsanschluss des Fahrzeugs oder, einfacher, am Zigarettenanzünder haben sich reine App-Lösungen etabliert, die anhand der Bewegungen des Smartphones im Fahrzeug Daten zum Fahrstil des Versicherungsnehmers erheben. Smartphone-Apps gelten als günstige Lösung mit relativ niedriger Datenqualität. Optimale Daten liefert das Fahrzeug selbst, teuer ist aber die Anbindung der Telematiktechnik.

 

Kostenträchtig sind auch Features, um insbesondere Händler zum Verkauf der eher ungeliebten Kfz-Versicherung zu bewegen und Kunden zur Nutzung der Technik zu veranlassen. Letzeres sei gut erreichbar mit Features, die dröge Technik mit Nutzererlebnissen verbänden („Gamification“), meint Hipp. Der Absatz von Kfz-Versicherungspolicen über die Händlerorganisation der Automobilhersteller ist seit Jahren rückläufig.

 

Der eigentliche Kundennutzen der Telematik, vorsichtige Fahrweise mit niedrigeren Versicherungsprämien zu belohnen, sieht Hipp indes bestätigt: "Bei den meist jungen, technikaffinen Fahrern mit Telematikpolicen stellen wir einen besseren Fahrstil als unter traditioneller Deckung fest." Lisa Ziegltrum der ThinxNet GmbH aus München, Softwareentwickler für Telematik, hält es für möglich auch ältere Fahrer noch stärker für Telematik zu interessieren, wenn zum Beispiel altersgerechte xCall-Angebote für zusätzliche Dienste, Informationen oder Notfälle angebunden würden.

 

Jörg Rheinländer, Vorstand der HUK-Coburg, gibt sich optimistisch für die Zukunft: "Kunden wünschen sich aktiv Telematiktarife. Ich halte eine Marktdurchdringung von 25 Prozent in sieben bis acht Jahren für möglich." Es sei aber unbedingt notwendig, dass Versicherer die notwendigen Daten selbst sammelten und auswerteten, um die Tarifierungshoheit zu behalten, so Rheinländer. Ein Risiko, das auch Bastian Knutzen von Emil Deutschland AG, Assekuradeur der Gothaer Versicherung, sieht: "Versicherer und Autoindustrie laufen andernfalls Gefahr, nur noch Zulieferer der großen Tech-Konzerne zu werden." Entscheidend für eine erfolgreiche Verwertung von Telematikdaten sei außerdem die Kontextualisierung, d.h. Verknüpfen mit Informationen zur Verkehrssituation, Wetterbedingungen und Informationen zur befahrenen Straße.

Data Analysis
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