Die Reihen dicht gefüllt - das Interesse an KI und Data Analytics war groß auf der Fachkonferenz KI und Data Analytics in der Versicherungsbranche.
Die Reihen dicht gefüllt - das Interesse an KI und Data Analytics war groß auf der Fachkonferenz KI und Data Analytics in der Versicherungsbranche.Quelle: ak
Märkte & Vertrieb

Künstliche Intelligenz und Data Analytics in der Versicherungswirtschaft

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Große Hoffnungen, enttäuschte Erwartungen und eine spannende Zukunft. In diesem Spannungfeld agiert die Versicherungswirtschaft seit dem das "Buzzword" Digitalisierung die Branche aufgeschreckt hat. Wohin die Reise gehen wird und welche Opfer gebrachte werden müssen ist bislang nur den Experten bewusst, daher bewegen sich die meisten Beteiligten aus der Welt der Versicherer eher tastend denn euphorisch in die Zukunft. Ist die Branche bereit für die anstehenden Veränderungen und hat sie die richtigen Leute am Start? So lauteten die Grundsatzfragen auf der Fachkonferenz "KI und Data Analytics in der Versicherungsbranche". Die Antworten sollten jedoch nicht allzu lange auf sich warten lassen, denn die Big Techs á la Google, Amazon & Co. stehen schon in den Startlöchern.

Zum Beispiel Telematik: 80 Prozent der deutschen Versicherer haben keine dem Fahrstil angepassten Tarife in ihrem Produktprogramm. Dabei rechnen Experten für die nächsten sieben bis acht Jahre mit einer Marktdurchdringung von mindestens 25 Prozent, konservativ geschätzt. Derzeit halten die anderen 20 Prozent bereits rund 100.000 Policen in ihren Beständen, Tendenz steigend. Gleichzeitig sind die Ansätze, den Datenströmen aus Kfz und Verkehr Herr zu werden höchst unterschiedlich. Marktführer Huk Coburg versucht es mit eigenen Onboard-Boxen, die Allianz hat ebenfalls ihr eigenes System welches über den Zigarettenanzünder mit dem Kfz verbunden ist und Start-up-Unternehmen wie Emil oder Thinxnet zapfen direkt die OBD-Schnittstelle im Motorraum an, die sonst zur Diagnostik in den Werkstätten verwendet wird an. Der Kampf um die Rohdaten ist voll entbrannt und erste Versicherer bezahlen den Autoherstellern bis zu acht Cent pro Datenabfrage und Kfz. Hier bahnt sich, solange die Frage wem welche Daten gehören, in Zukunft wohl ein eher symbiotisches denn konkurrierendes Verhältnis zwischen diesen beiden Branchen ab, wie bei der Podiumsdiskussion zwischen Jörg Hipp von der Allianz, Bastian Knutzen von Emil, Jörg Rheinländer von der Huk und schließlich Lisa Ziegltrum von Thinxnet deutlich wurde. 

 

Zuvor hatte Tobias Büttner von der Munich Re den Blick über den deutschen Tellerrand gelenkt und über die Fortschritte der Data Analytics im Management von Großschäden berichtet. Büttner hat für die nächsten Jahre eine Transformation von Claims hin zu "Digital Claims" identifiziert. Doch nicht nur die bloße Kostenoptimierung steht dabei für den weltgrößten Rückversicherer im digitalen Lastenheft, sondern ein qualitatives Plus im Schadenmanagement. Als besondere Herausforderung gilt hier die Verwaltung unstrukturierter Daten wie sie von Texten, Fotos oder Videos generiert werden. Am Beispiel von Hurrican Michael zeigte Büttner, wie bereits drei Tage nach der Naturkatastrophe mittels Überflug hochauflösende Bilder gewonnen werden, danach ein Algorithmus die relevanten Schäden quantifiziert und schließlich mittels Textmining die Massenkorrespondenz in den Griff gebracht wird. Als "fruchtbar" für Data Analytics bezeichnete Büttner Großschäden und was im Großen gelingen sollte auch im Kleinen funktionieren.

 

"Wie Data Analytics und Künstliche Intelligenz unsere Industrie verändern wird" lautete das Thema, zu dem Mark Klein, seit September 2016 Chief Digital Officer bei der Ergo Group, referierte. "Es gibt Dinge", sagte Klein mit Blick auf die Chancen der Künstlichen Intelligenz, "die Maschinen besser können als Menschen, und andersherum gibt es Vorgänge, die Menschen, als emotionale Wesen, besser könne als Maschinen". Versicherer sollten sich jedoch nicht als KI Forscher betätigen, sondern sich auf die Anwendungen konzentrieren. Wer täglich bis zu 60.000 Emails, Dokumente und Kundenkontakte zu verwalten habe und für seine Kunde dennoch persönlich erfahrbar bleiben will, muss sich mit Data Analytics und KI auseinandersetzen. In diversen Use Cases hat sich Ergo zum Beispiel das Thema Krankentagegeld vorgenommen und mittels intelligenter Verarbeitung Ersparnisse in Millionenhöhe generiert. Welche Potenziale die Ergo mit Mark Klein an der digitalen Spitze in Sachen KI, Data Analytics und Data Mining erkannt hat, welche konkreten Umsetzungen Erfolg hatten, welche Rolle beim Thema Digitalisierung die Ethik spielt und ob KI ein Jobkiller ist erklärt der Manager hier im exklusiven Interview mit VWheuteTV.

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