Sascha Straub
Sascha StraubQuelle: Martin Winkel
Köpfe & Positionen

KI: Verbraucherschützer im Clinch mit der Versicherungsbranche

Von Martin WinkelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern fordert von den Versicherern mehr Anstrengungen im Datenschutz beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Straub bemängelt insbesondere das unzureichende Sicherheitsniveau der elektronischen Gesundheitsakten. "Kunden sollten grundsätzlich immer das letzte Wort zur Verwendung ihrer Daten haben", fordert Straub. Den Vorwurf einer Blockadehaltung für digitale Innovationen in der Versicherungsbranche wies Straub auf der SZ-Fachkonferenz zum Thema KI und Data Analytics in München zurück.

Während die deutschen Versicherer in den Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz schwelgen, kommen sie bei der Umsetzung nur schleppend voran. In der Kfz-Versicherung wurde das augenfällig bei Telematiktarifen, die von einigen Versicherern wieder vom Markt genommen wurden.

 

Mark Klein, Chief Digital Officer der Ergo Group AG, findet, digitale Technik sei eine optimale Ergänzung der menschlichen Fähigkeiten. Diese könne genau das besser, wofür der Mensch nicht geeignet sei. Ergo setze KI in Form eines Scoring-Modells bei Anspruchsprüfungen in der Krankentagegeld-Versicherung sowie zur inhaltlichen Auswertung von eingehenden Emails ein. Klein empfiehlt anderen Versicherern zwecks echten Lernens Künstliche Intelligenz in praktischen Use Cases auszuprobieren statt nur in theoretischen Proofs of Concept. Notwendig seien außerdem Ethikrichtlinien für den Gebrauch von Daten. Klein ist überzeugt, dass sprachgesteuerte Dienstleistungen zur Serviceverbesserung und beschleunigten Beantwortung vieler Anfragen bei Ergo in Zukunft noch stärker zum Einsatz kommen werde. "Data Analytics und KI sind keine Jobkiller, verändern aber unsere Arbeitswelt. Statt im Back Office werden mehr Menschen vorne beim Kunden arbeiten“, zeigt sich Klein überzeugt. "Außerdem werden unsere Mitarbeiter in Zukunft verstärkt damit beschäftigt sein, Prozesse zu optimieren statt sie zu bedienen".

 

Tobias Büttner, Head of Claims der Münchener Rück, setzt beim weltgrößten Rückversicherer ebenfalls auf digitale Technologie, warnt aber vor überzogenen Erwartungen: "Der Einsatz von KI erfordert eine erhebliche menschliche Vorarbeit"- Im Großschadenmanagement könne künstliche Intelligenz beispielsweise bei der Auswertung von Luftbildern assistieren. So könne beispielsweise nach Naturkatastrophen versicherte Objekte schnell erkannt werden und mit Hilfe von Algorithmen nach dem Schadenausmaß sortiert werden. „Der Mehrwert von digitaler Datenanalyse liegt in Vereinfachung und Automatisierung manueller Prozessschritte,“ meint Büttner. Dieser sieht als Haupthindernis für den Einsatz künstlicher Intelligenz eine mangelhafte Datenbasis: lokal fragmentierte Datensammlungen in manuellen Formaten oder in Altsystemen, unzureichende interne Prozesse stünden einer effizienten Datennutzung leider häufig noch im Wege.

künstliche Intelligenz
Auch interessant
Zurück
05.06.2019VWheute
Predic­tive Data Analysis an der Kunden­schnitt­stelle – zu welchem Preis Daten gelten als das Öl des 21. Jahrhundert. Mittlerweile zahlen Versicherer…
Predic­tive Data Analysis an der Kunden­schnitt­stelle – zu welchem Preis
Daten gelten als das Öl des 21. Jahrhundert. Mittlerweile zahlen Versicherer dafür immer häufiger einen ähnlich hohen Preis. Jörg Hipp, Vorstandsmitglied und Leiter Automotive der Allianz Versicherungs-AG …
04.04.2019VWheute
US-Rück­ver­si­cherer Trans Re von Stürmen und Wald­bränden hart getroffen Die anhaltend hohe kombinierte Schaden-Kosten-Quote von 105,4 Prozent …
US-Rück­ver­si­cherer Trans Re von Stürmen und Wald­bränden hart getroffen
Die anhaltend hohe kombinierte Schaden-Kosten-Quote von 105,4 Prozent (2018) und 106,9 Prozent (2017) der Transatlantic Reinsurance Company ist vor allem der Sachsparte geschuldet, die 2018 mit 123,4 …
01.04.2019VWheute
Der lange Arm der Versi­cher­er­lobby Vermittler nach §34d und §34f der Gewerbeordnung könnten möglicherweise bald von der BaFin reguliert werden. …
Der lange Arm der Versi­cher­er­lobby
Vermittler nach §34d und §34f der Gewerbeordnung könnten möglicherweise bald von der BaFin reguliert werden. Norman Wirth von der Kanzlei  Wirth–Rechtsanwälte in Partnerschaft mbB und Vorstandsmitglied im Bundesverband …
15.03.2019VWheute
Gene­rali-Gruppe stei­gert opera­tiven Gewinn 2018 um drei Prozent auf fast fünf Mrd. Euro Während der operative Gewinn bei 4,9 Mrd. Euro lag, beträgt…
Gene­rali-Gruppe stei­gert opera­tiven Gewinn 2018 um drei Prozent auf fast fünf Mrd. Euro
Während der operative Gewinn bei 4,9 Mrd. Euro lag, beträgt der Nettogewinn nur 2,9 Mrd. Euro. Neben Steuern waren dafür vor allem Verluste bei Kapitalanlagen in Aktien verantwortlich. …
Weiter