Judith Kerschbaumer
Judith KerschbaumerQuelle: lie
Politik & Regulierung

Gewerkschaften tun sich mit der Zielrente schwer

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das erste Sozialpartnermodell (SPM) lässt weiter auf sich warten. Vor den Bundeskongressen von IG Metall und Verdi im Herbst wird es nach Einschätzung von Judith Kerschbaumer keine Einigung der Sozialpartner geben. "Das will keiner auf dem Kongress als Thema haben", sagte die Leiterin Sozialpolitik in der ver.di Bundesverwaltung  auf dem 12. bAV-Forum der HDI.

Zurzeit verhandele verdi sieben Anbietern. Dabei gehe es oftmals auch um Auslegungsfragen, die man mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht klären müsse. "Jetzt, wo es in die Praxis geht, tauchen die Fragen auf", so Kerschbaumer. Für die Gewerkschaften bedeute das SPM eine große Herausforderung an die Kommunikation und für die eigene Reputation. "Wir haben keine Freischüsse. Das erste Modell muss passen. Wenn das erste in die Hose geht, dann schließt sich diese Tür für längere Zeit." Kerschbaum kritisiert, dass sich es vielen Arbeitgebern nur darum gehe, alte, nachteilige bAV-Systeme abzulösen. Es dürfe auch nicht sein, dass dem Arbeitnehmer alle Risiken aufgebürdet würden und die bAV den Arbeitgeber nichts koste.

 

Kerschbaum, aber auch Christine Harder-Buschner, Regierungsdirektorin im Bundesfinanzministerium, beobachten "missbräuchliche"Mitnahmeeffekte in der bAV. Die bAV von Geringverdienern mit einem Monatseinkommen bis maximal 2.200 Euro können Arbeitgeber seit 2018 mit 240 bis 480 Euro jährlich bezuschussen. Dafür können sie 30 Prozent bzw. maximal 144 Euro bei der nächsten Lohnsteuer-Anmeldung verrechnen. Es gibt aber offensichtlich Chefs, die Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgelder oder vermögenswirksame Leistungen nun als bAV-Zuschuss umwidmen, "nur um die Fördergelder abgreifen zu wollen. So etwas muss unterbunden werden, das nützt niemanden",  Kerschbaum. Harder-Buschner stellt klar, dass die 144 Euro dem Arbeitgebern zustehen, sofern sie 480 Euro für die bAV des Mitarbeiters echt leisten und nicht andere Leistungen umwidmen.

 

Fabian von Löbbecke, Vorstandschef der HDI Pensionsmanagement und im Vorstand der HDI Lebensversicherung AG für bAV zuständig, stellte auf dem Forum die verbesserten Tarife "Trust Selekt" und "Two Trust Kompakt" vor. Diese sind jetzt im Rahmen der Entgeltumwandlung sowohl nach § 10 a ESTG als auch nach § 3 N. 63 ESTG in einem Vertrag förderfähig. "Wir haben das so gebaut, dass dies in einem Vertrag parallel abgebildet wird. Der Kunde kann je nach Lebenssituation, hin und her hoppen, ohne dass das Versorgungsverhältnis oder der Vertrag geändert werden muss. Dafür haben wir einen siebenstelligen Betrag investiert. Wir sind die einzigen am Markt, die das so etwas anbieten können", so von Löbbecke. Er kündigt zudem an, dass sich der HDI künftig auch mit der gesetzlichen Rente auseinandersetzen wolle. Vier Mitarbeiter hätten sich zu Rentenberatern ausbilden lassen. "Es gibt viele Entgeltpunkte, die nicht abgerufen werden, weil die Menschen nicht wissen, wie man es macht", so von Löbbecke, der über einen neuen Service nachdenkt.

bAV · Sozialpartnermodell
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