Die "Colombo Express" auf der Elbe.
Die "Colombo Express" auf der Elbe.Quelle: Hapag-Lloyd
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AGCS: Totalverluste in der Schifffahrt auf Rekordtief

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Touristenschiff sinkt in sieben Sekunden", "Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot", "500 Millionen Euro auf Grund - Kriegsschiff kollidiert mit Tanker". Das ist nur eine kleine Auswahl von Schlagzeilen aus der jüngeren Vergangenheit die schlaglichtartig die Risiken der Seefahrt beleuchten. Doch aus Versicherer-Sicht handelt es sich hierbei nicht um einen Trend, denn die Totalverluste in der Schifffahrt sind auf einen absolut historischwen Tiefstand angelangt. Das geht aus den Zahlen des Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS) hervor, die das Unternehmen jetzt veröffentlicht hat.

Im vergangenen Jahr kam es laut Bericht des "Safety And Shipping Review 2019" weltweit auf den Weltmeeren zu insgesamt 46 Totalverlusten in der Klasse der Schiffe über 100 Bruttoregistertonnen. 2017 gingen noch 98 Schiffe dieser Größe verloren. Zu diesem Rückgang beigetragen haben, laut Studie, besonders niedrigere Verluste im weltweiten Unfall-Hotspot Südostasien, sowie eine Halbierung der durch Unwetter (Hurrikane und Taifune) hervorgerufenen Verluste.


Allerdings ist dies, gesamt betrachtet, nur die halbe Wahrheit, denn mit weltweit 2698 Vorfällen auf See sind die gemeldeten Schäden mit weniger als einem Prozentpunkt nur unwesentlich zurückgegangen. Dabei machen Maschinenschäden mehr als ein Drittel aller Schiffsunfälle (1079) aus. Kollisionen untereinander (319), Strandungen (315) und Fremdkontakte (208) rangieren auf den Plätzen dahinter. Erst auf Rang fünf erscheint die Unglücksursache Feuer/Explosionen mit 174 Vorfällen. Laut Volker Diercks, bei der AGCS als Head of Marine Underwriting zuständig für die Region Zentral- und Osteuropa, geht die niedrige Zahl von Schiffsverlusten auch auf die "Verbesserungen im Schiffsdesign, technische Vorkehrungen, strengere Vorschriften und robustere Systeme für das Sicherheitsmanagement an Bord" zurück.

Quelle: AGCS

"Herausforderungen ergeben sich allerdings aus dem ausgebliebenen Rückgang der Gesamtzahl der Schäden in der Schifffahrtsbranche, der gestiegenen Gefährdung der Schiffssicherheit durch politische Risiken, der Einhaltung von Emissionsvorgaben für 2020 und der steigenden Zahl von Bränden an Bord." Ein weiteres, bislang aber noch nicht spürbares Risiko sieht das Management beim Thema Cyber. Hier wird intensiv an einer Cyberdeckung im Rahmen einer zusätzlichen Vereinbarung durch z.B. einer Kaskopolice gearbeitet, wie Justus Heinrich, Chief Underwriting Marine Hull bei der AGCS, erläutert. Ohnehin präsentiert sich der Markt für Schiffsversicherung seit zehn bis fünfzehn Jahren weich, was in dem Bonmont zum Ausdruck kommt: "Alles wird teurer, nur die Schiffsversicherung nicht". Der Markt ist über kapitalisiert, wie das Management bestätigt, auch wenn Lloyd's of London erst kürzlich Kapazitäten in der Höhe von 100 Mio. Euro reduziert hat.

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