Politik & Regulierung

Prämienvolumen von tragfähigem Niveau weit entfernt: Luftfahrtversicherer kommen an ihre Grenzen

Von Lorenz Hanelt und Martin GaryTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Luftfahrtversicherer stehen unter Druck. Die Herausforderungen zeigen sich in einer steigenden Grundschadenbelastung, die vor allem aus den deutlich gestiegenen Werten des versicherten Equipments und den damit verbundenen höheren Reparaturkosten im Schadenfall resultiert. Es ist z.B. keine Seltenheit, dass der Wert eines Triebwerks bei einem modernen Großraumflugzeug den Betrag von 40 Mio. USD überschreitet.

Auch die steigenden Entschädigungsleistungen im Haftpflichtbereich – insbesondere bei den Fällen, in denen Ansprüche auf Basis des US-amerikanischen Rechtssystems verhandelt werden – erschweren verlässliche Prämienkalkulationen auf Versichererseite.

 

Gleichzeitig schaffte die im Markt verfügbare Überkapazität ein nachfragefreundliches Umfeld, was zu weiterem Prämiendruck geführt hat. Vor diesem Hintergrund könnte man sich fragen, warum Versicherer nicht schon früher die Reißleine gezogen und sich vom Luftfahrtversicherungsgeschäft getrennt haben.

 

Die Gründe sind vielfältig, im Folgenden seien einige Wesentliche genannt: Das Luftfahrtgeschäft korreliert nicht oder nur in geringem Umfang mit anderen Sparten wie z.B. NatCat und bildet daher vor dem Gesichtspunkt der Risikostreuung ein ausgleichendes Element im Bestand eines Versicherers; auch vor dem Hintergrund von Solvency-Anforderungen. Innerhalb der Luftfahrtversicherung liefen über lange Zeit nicht alle der drei oben genannten Segmente schlecht.

 

Preisgekrönt: Im Mai wurde die "neue" Versicherungswirtschaft von der Deutschen Fachpresse als Top-3-Fachmedium ausgezeichnet.
Preisgekrönt: Im Mai wurde die "neue" Versicherungswirtschaft von der Deutschen Fachpresse als Top-3-Fachmedium ausgezeichnet.Quelle: VVW

Ausgleich gesucht

 

Für die Versicherer ergab sich daher häufig die Möglichkeit, das negative Ergebnis in einem der Segmente mit positiven Resultaten aus einem anderen Luftfahrtsegment zu kompensieren. Das gestaltete sich in den letzten Jahren jedoch schwierig, da häufig in mehreren Marktsegmenten wie z.B. der Versicherung von Flugzeug- oder Triebwerksherstellern größere Schadenereignisse zu verzeichnen waren. Obgleich sich einige Versicherer in den letzten beiden Jahren aus dem Luftfahrtmarkt zurückgezogen haben und größere M&A´s im Markt dazu führen, dass Kapazität restriktiver zur Verfügung gestellt wird, sind insgesamt weiterhin Überkapazitäten im Markt vorhanden. Gleichzeitig kämpfen Versicherer mit einer schwindenden Kundenbasis. Insolvenzen wie die der Air Berlin, Niki oder Germania wirken sich auch auf das Versicherungsumfeld aus.

 

Zwar werden in der Regel die durch die Insolvenzen frei werdenden Streckenrechte und Flugzeugflotten durch andere Gesellschaften aufgenommen, sie verteilen sich jedoch auf eine geringere Kundenbasis. Das verstärkt den Wettbewerb unter den Versicherern. Angesichts eines weiterhin harten Wettbewerbes in der Luftfahrtindustrie, globalen Konflikten, Handelsstreits und steigenden Treibstoffkosten ist nicht zu erwarten, dass bereits das Ende der Konsolidierungswelle erreicht ist.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Juni-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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