Welle der Insurtechs am brechen?
Welle der Insurtechs am brechen?Quelle: Janusz Klosowski / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

Insurtech-Boom: Wann bricht die Welle?

Von Martin ThalerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Diese Zahl ist eine Ansage: 1,42 Milliarden Dollar sammelten Insurtech-Unternehmen weltweit in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 ein. Im dritten Jahr nacheinander lagen die Investitionen damit über einer Milliarde Euro, befand das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson jüngst in seinem aktuellen Insurtech-Briefing. Die Zahl der Transaktionen stieg dabei auf 85 – ein Rekordwert. Mit Wefox (125 Millionen Dollar) und Friday (84,25 Millionen Dollar) lagen auch zwei deutsche Insurtech-Unternehmen bei den Investorengeldern ganz vorne und illustrieren die Bedeutung, die der deutsche Markt mittlerweile bei Investoren eingenommen hat.

Der Boom der "jungen Wilden", die sich einst der Disruption der Versicherungsbranche verschrieben hatten, scheint sich ungebremst fortzusetzen.

 

Doch ganz so eindeutig ist die Lage nicht. Denn bislang sind es vor allem die Hoffnungen der Investoren, die den Boom der Startups aus Berlin, Köln oder München beflügeln. Hoffnungen darauf, dass die Insurtechs die angestaubte Versicherungsindustrie grundlegend umkrempeln.

 

Dass ihnen das gelingen kann, müssen die Insurtechs jedoch erst einmal unter Beweis stellen. Bisherige Umsatz- und Vertriebszahlen nötigen wohl ab und an zu einem anerkennenden Nicken, bereiten wohl aber nur den wenigsten CEOs der etablierten Versicherern Sorgenfalten auf der Stirn. Der zur Wefox-Gruppe gehörende Versicherer One kommt im ersten Jahr auf gut 70.000 Kunden, Friday zählte zuletzt 45.000, der Online-Krankenversicherer Ottonova schweigt komplett zur Kundenanzahl.

 

Zudem ist der Insurtech-Boom für die jungen Unternehmen ein zweischneidiges Schwert. Denn mittlerweile haben auch die alteingesessenen Versicherer die Notwendigkeit der Digitalisierung erkannt und investieren tüchtig in ihre eigenen Insurtech-Abteilungen. Die Millionen-Investition der Baloise in ihre Kfz-Tochter Friday, aber auch die Gründung von Unternehmen wie Nexible (Ergo), Adam Riese (W&W) oder Emil (Gothaer) können hier als Beispiel angeführt werden. Frisst die Revolution also am Ende womöglich ihre Kinder?

 

Neue Ausrichtung der Insurtechs?

 

Viele Startups haben mittlerweile zumindest den Anspruch begraben, die Platzhirsche der Branche zu beerben. Stattdessen geht es darum, eine noch unbesetzte Nische in der Wertschöpfungskette zu finden und zum Kooperationspartner der Versicherer zu werden. „Spezialist statt Full-Stack-Carrier“ umschrieben die Versicherungsforen Leipzig diesen Trend in ihrem jüngst veröffentlichten Insurtech-Überblick und verwiesen auf die 92 bestehenden Kooperationen zwischen Insurtechs und Versicherern.

Auch sonst scheint der Markt in Deutschland gesättigt zu sein. Während einige Unternehmen hohe Investorensummen einsammelten, gingen an anderer Stelle die Lichter aus. Der Markt konsolidiere sich, heißt es von Seiten der Versicherungsforen Leipzig. Insgesamt 15 Insurtechs seien in den letzten beiden Jahren wieder vom Markt verschwunden, auch die Zahl der Neugründungen ging zuletzt zurück.

 

Eine Nachricht ließ allerdings zuletzt aufhorchen: So verkündete der Assekuradeur Getsafe jüngst, dass sich zehn Prozent aller Versicherungs-Erstkunden zwischen 24 und 29 Jahren für das Heidelberger Startup entschieden hätten und somit mehr als für etablierte Player wie Ergo, Axa oder R+V. Sollten sich diese Zahlen als richtig erweisen, wäre dies nicht nur eine starke Ansage an die Branche, sondern auch ein deutliches Indiz, dass der Boom der Insurtechs womöglich doch noch lange nicht vorbei ist.

Insurtechs · Getsafe · Investition
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