Heiner Feldhaus
Heiner FeldhausQuelle: Concordia
Unternehmen & Management

Feldhaus: "Unsere Mitarbeiter werden seit Jahren am Geschäftserfolg des Unternehmens beteiligt"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kürzlich veröffentlichte die Concordia ihre Zahlen. Es sieht gut aus beim Versicherungsverein, aber es blieben Fragen. Diesen hat sich jetzt der Vorstandsvorsitzende Heiner Feldhaus nun gewidmet. Ein Gespräch über nackte Zahlen, Lohn für Mitarbeiter und die Zukunft.

VWheute: Der Jahresüberschuss sank konzernweit um fast 30 Prozent, in der Concordia Versicherungs-Gesellschaft stieg er dagegen stark. Können Sie die Zahlen für unsere Leser bitte einordnen?

 

Heiner Feldhaus: Der um circa 9 Mio. Euro gesunkene Konzernjahresüberschuss ist im Wesentlichen durch die Veräußerung der polnischen Tochtergesellschaften beeinflusst, da diese aus dem Konsolidierungskreis ausgeschieden sind. Durch die Entkonsolidierung sind die angeführten Zahlen des Vorjahres nur eingeschränkt mit den Angaben des Geschäftsjahres zu vergleichen.

 

Das inländische Konzernergebnis verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung. Haupttreiber ist dabei die Concordia Versicherungs-Gesellschaft a.G.

 

VWheute: Für das Geschäftsjahr 2019 rechnet Concordia mit einem Beitragswachstum von etwa 3,3 Prozent. Wie soll dieses Wachstum erreicht werden?

 

Heiner Feldhaus Unsere Prognosen basieren auf den Erfahrungen der Vergangenheit und der Einschätzung zur aktuellen und künftigen Entwicklung des Marktes. Die Fortsetzung der positiven Entwicklung der letzten Jahre lässt sich nur durch das Zusammenspiel von qualitativ hochwertigen Produkten und einem guten Service gewährleisten. Beides muss sich an den Anforderungen und Bedürfnissen der Kunden orientieren. Mit unserer Ausrichtung sehen wir uns auf dem richtigen Weg. Die Geschäftsergebnisse der ersten Monate bestätigen zudem die getroffene Prognose für das Gesamtjahr.

 

VWheute: Sie haben sich von ihren polnischen Gesellschaften gelöst, warum und war der Verkauf für das Haus lukrativ?

 

Heiner Feldhaus Die Concordia hat seit Ende des Jahres 2017 im Hinblick auf beide polnischen Tochtergesellschaften mit dem Kaufinteressenten (Generali-Gruppe) Verhandlungen geführt. Während sich die Concordia mit der Veräußerung auf ihre inländischen Kerngeschäftsfelder konzentrierte, wollte die Generali durch den Kauf ihr Produktportfolio und ihre Präsenz in Polen ausbauen und stärken. Mit dem Ergebnis der Verhandlungen sind wir zufrieden.

 

VWheute: Das LV-Geschäft ist für alle hart: Sie mussten Beitragsrücknahmen hinnehmen, gleichzeitig stieg die Kosten in Verwaltung und Abschluss leicht, dennoch wollen Sie die Verzinsung stabil halten. Wie lange kann das funktionieren und wo sehen Sie die Zukunft des LV-Geschäftes für ihr Unternehmen?

 

Heiner Feldhaus: Die Geschäftsentwicklung der Concordia Leben war im Geschäftsjahr analog zur Marktentwicklung von einem rückläufigen Neuzugang geprägt, verlief aber insgesamt zufriedenstellend. So fiel wie in den Vorjahren das Risikoergebnis auch im Geschäftsjahr 2018 wieder sehr gut aus.

 

Für die aufsichtsrechtlichen Solvenzkapitalanforderungen ergab sich zum Stichtag 31. Dezember 2018 erneut eine deutliche Übererfüllung. Während sich die Eigenmittel leicht erhöhten, sind die Solvenzkapitalanforderungen deutlich zurückgegangen. Ein Hauptgrund hierfür waren die in 2018 geänderten gesetzlichen Vorgaben zur Bewertung der Zinszusatzreserve.

 

Insgesamt erhöhte sich die Solvabilitätsquote auf 464 Prozent. Durch die regelmäßig durchgeführte unternehmenseigene Risiko- und Solvenzbeurteilung (ORSA) haben wir die Risiken stets im Blick und prognostizieren diese über viele Jahre in die Zukunft.

 

Das Geschäftsmodell der Lebens- und Rentenversicherungen wird auch in Zukunft attraktiv bleiben. Die Leistungsversprechen, die wir unseren Kunden gegeben haben, haben oberste Priorität. Das Thema „Run-off“ ist für uns kein Thema.

 

Für weitere Details verweisen wir auf unseren SFCR Bericht. Dieser ist auf unserer Homepage veröffentlicht.

 

VWheute: Sie zahlen ihren Mitarbeitern einen Bonus aus, weil diese dabei halfen, die unternehmensinternen Konzernziele bei Wachstum, Ertrag und Kosten zu erreichen – sehr löblich! Was waren die Ziele, was sind die für 2019?

 

Heiner Feldhaus: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden seit Jahren an dem Geschäftserfolg des Unternehmens beteiligt. Die Ziele orientieren sich dabei an den Prognosen des Geschäftsjahres und werden jährlich vom Vorstand festgelegt.

 

Auch für 2019 wurden Ziele für Wachstum, Ertrag und Kosten vereinbart. Die Bewertung der Zielerfüllung und die damit einhergehende Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgt im Frühjahr 2020.

 

Wir bitten um Verständnis, dass konkrete Ziele nicht veröffentlicht werden.

 

VWheute: Trotz vieler Schäden konnten sie die Combined Ratio verringern, auf 96,3 Prozent (Vj. 96,6). Wie ist das gelungen und was streben sie für dieses Jahr an, die Hälfte des Jahres ist ja bereits geschafft.

 

Heiner Feldhaus: Die Schadenbelastung brutto fiel 2018 höher aus als im Vorjahr. Die Verbesserung zeigt sich in der Netto-Betrachtung, also nach Berücksichtigung der Rückversicherung.

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Schadenverlauf unterjährig naturgemäß von vielen Einflussfaktoren abhängig ist und starken Schwankungen unterliegt. Prognosen sind somit mit großer Unsicherheit behaftet. Da große Stürme wie „Burglind“ und „Friederike“ (beide Januar 2018) bisher ausgeblieben sind, gehen wir in unserer aktuellen Prognose davon aus, dass die Schadenbelastung brutto unter der des Geschäftsjahres 2018 ausfällt.

 

VWheute: Sie wollen die „Service Exzellenz“ noch weiter in den Mittelpunkt des Handelns stellen. Wie soll das gelingen und ist Service der Schutzschild gegen Insurtechs und Check24?

 

Heiner Feldhaus: Das Geschäftsmodell der Concordia basiert auf der persönlichen und exzellenten Beratung unserer Kunden. Ein besonderer Schwerpunkt bei der Umsetzung der Service-Exzellenz ist dabei weiterhin die Stärkung unseres personengebundenen Vertriebs in der Ausschließlichkeit und der Maklerorganisation. Gerade diese persönliche und hochwertige Beratung unserer Kunden ist und bleibt ein Wert, den wir gerade in der zunehmend digitalen Welt wahren werden. Dabei setzen wir die Instrumente der Digitalisierung an der Schnittstelle zu den Kunden ein. Insurtechs und Makler wie check24 sehen wir nicht als Bedrohung, sondern als mittlerweile fest etablierte Marktteilnehmer.

 

VWheute: Was erwarten Sie in der zweiten Hälfte von 2019 für ihr Haus und den Markt insgesamt?

 

Für die zweite Jahreshälfte wird die Versicherungsbranche weiter geprägt werden von den Herausforderungen wie Digitalisierung, Regulierung, Demografie und steigenden Schadenaufwendungen. Daneben ist derzeit nicht absehbar, dass sich das Zinsumfeld erholt.

 

Wir werden uns permanent und flexibel an neue Rahmenbedingungen anpassen und dabei die hohe Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen auch in Zukunft erhalten. Für die zweite Jahreshälfte sehen wir uns daher gut aufgestellt.

Concordia · Heiner Feldhaus · Interview · Vorstände
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