Heinrich Bockholt
Heinrich BockholtQuelle: Campus Institut
Köpfe & Positionen

"Beratungssoftware hat das Fachwissen keineswegs überflüssig gemacht"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Lebensversicherung hat Probleme. Eine Alternative ist die betriebliche Altersversorgung, doch das Feld ist komplex, weswegen Experten benötigt werden. Prof. Heinrich Bockholt, Fachbereichs Betriebswirtschaft an der Hochschule Koblenz, erklärt, warum das Studium Betriebswirt/-in für betriebliche Altersversorgung (FH), der richtige Weg zur Expertise ist.

Das Angebot, startete erstmals zum Wintersemester 2003. Sie sind einer der Hauptinitiatoren des Studienkonzepts. Können Sie sich noch erinnern, wie die Idee zu dem berufsbegleitenden Studium geboren wurde?

Heinrich Bockholt: Der Gründer des Campus Institut, Matthias Piskatschek-Wahl, erzählte mir bereits 2001 von der Idee, einen Studiengang speziell zur betrieblichen Altersversorgung zu konzipieren. Ich war sofort begeistert. Als Dekan des Fachbereichs Betriebswirtschaft an der Hochschule Koblenz hatte ich auch die institutionellen Möglichkeiten, ein solches Projekt vorwärts zu treiben.

 

Welche Hürden waren zu überwinden?

Heinrich Bockholt: Die Hürden waren sehr hoch, weil es einen solchen Weiterbildungsstudiengang bisher an der Hochschule nicht gab. Mit dem bAV-Studium waren wir ja absolute Pioniere und das Konzept einer Hochschulweiterbildung mit FH-Zertifikat war für alle Beteiligten Neuland. Durch meine guten Verbindungen zu den Hochschulgremien und zum Wissenschaftsministerium in Mainz konnte eine Studien- und Prüfungsordnung abgestimmt werden und ein Vertrag zwischen der Fachhochschule Koblenz und dem Campus Institut geschlossen werden.

 

Haben Sie vor 15 Jahren damit gerechnet, dass das Studium eine so erfolgreiche Entwicklung nehmen würde?

Heinrich Bockholt: Nein damit habe ich absolut nicht gerechnet. Natürlich hat die bAV-Reform im Jahr 2005 mit der Einführung des Alterseinkünftegesetzes die Bedeutung der Betriebsrente enorm gestärkt und dem ganzen Bereich einen ersten wichtigen Schub gegeben. Gleichzeitig wurden die fünf Durchführungswege durch arbeits- und steuerrechtliche Urteile immer komplexer. Die Nachfrage nach bAV-Experten nahm also stark zu, sodass das Studium sich zu der festen Größe entwickeln konnte, die es heute ist. 

 

Viele Teilnehmer aus den ersten Jahrgängen des Studiums erinnern sich noch an Ihre Vorlesungen. Was denken Sie ist der wichtigste Mehrwert, den Sie Ihren Studierenden mitgegeben haben?

Heinrich Bockholt: Es war mir immer in großes Anliegen, dass die Studierenden die fachlichen Themen aus meinen Vorlesungen auch in ihre Unternehmen und in die Praxis übertragen können. Einmal kam ein Student zu mir und teilte mir mit, dass das Produktinformationsblatt seines Hauses meinen Vorlesungen gemäß falsch berechnet sei. Dann haben wir das zusammen durchgerechnet und tatsächlich Fehler gefunden. Daraufhin wurde das Produktinformationsblatt von dem Unternehmen korrigiert und der versicherungs- und finanzmathematische Vorstand hat sich bedankt!

 

Sie sind ja nach wie vor sehr engagiert beim Studium und haben als Dozent für die Fächer Finanzmathematik und Jahresabschluss und -analyse einen regelmäßigen Einblick. Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Heinrich Bockholt: Vor allem die Digitalisierung hat die Bearbeitung von bAV-Fällen stark verändert. Der zunehmende Einsatz von Beratungssoftware hat das Fachwissen aber keineswegs überflüssig gemacht: Im Gegenteil, rechtliche, steuerrechtliche, betriebswirtschaftliche und finanzmathematische Grundkenntnisse sind unumgänglich, um die Beratungsprogramme aber auch Produktinformationen und Verträge prüfen zu können. Hinzu kommt, dass durch staatliche Eingriffe die bAV immer komplexer geworden ist – für die Bearbeitung anspruchsvoller bAV-Fälle sind die fachlichen Anforderungen also deutlich gestiegen. 

 

Nicht zuletzt durch Ihre langjährige Verbandsarbeit sind Sie ein Kenner der Finanz- und Versicherungsbranche. Warum würden Sie jemanden heute empfehlen, das bAV-Studium zu absolvieren?

Heinrich Bockholt: Jedem, der an der bAV-Thematik Spaß hat und in diesem Bereich zu den Besten der Besten gehören möchte, empfehle ich das Studium. Die Absolventen sind Spezialisten in einem zukunftsträchtigen Fachgebiet, werden branchenübergreifend gesucht und genießen hervorragende Perspektiven.

 

Was ist Ihrer Meinung nach der Wichtigste Mehrwert, den die Teilnehmer durch das Studium erhalten?

Heinrich Bockholt: Die Teilnehmer des Studiums sind der beste Beweis, dass sich lebenslanges Lernen auszahlt. Betriebswirte bAV (FH) sind wertvoll – sie sind so gut ausgebildet, dass ihre Leistungen z.B. weit über die Vermittlung von Verträgen hinausgehen. So entsteht für jeden Absolventen zusätzlich die Perspektive der Beratung auf Honorarbasis.

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