MLP-Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg auf der Jahreshauptversammlung in Wiesloch
MLP-Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg auf der Jahreshauptversammlung in WieslochQuelle: mv
Unternehmen & Management

MLP-Aktionäre setzen auf Harmonie - und leise Kritik am Aufsichtsrat

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die (Groß)-Aktionäre gehen in Deutschland auf die Barrikaden. Bayer und Deutsche Bank können davon ein Lied singen: doch Wiesloch ist nicht Frankfurt, sodass die Stimmung auf der Hauptversammlung von MLP bis auf wenige skurrile Wortmeldungen entspannt blieb. Die Ergebnisse stimmen, allerdings sorgte der geplante Einstieg des Unternehmens in die Immobilienentwicklung für hochgezogene Augenbrauen bei einigen Großaktionären.

Der Vorstandsvorsitzende Uwe Schroeder-Wildberg betonte in seiner fachlichen Rede die Erfolge des letzten Jahres, unter anderem Zugewinne bei Gesamterlös, Konzernüberschuss und Anzahl der Berater - VWheute berichtete. Sein Unternehmen sieht er als "Marktgewinner der letzten und schwierigen Jahre". Lob hatte der Vorstandsvorsitzende ausdrücklich für die Assekuradeur-Tochter Domcura, die Berater und die eigenen Mitarbeiter.

 

Um weiteren Erfolg zu gewährleisten, soll das Hochschulgeschäft ausgebaut werden, dadurch sollen sowohl Kunden wie auch Berater gewonnen werden. Die Bewerbungen zum MLP Berater hätten sich auch dank sieben Millionen Euro Investitionen in den Hochschulbereich im Vergleich zum Vorjahr "mehr als verdoppelt". Vielleicht liegt die beschriebene Bewerbungslust junger Menschen aber auch am Verdienst, ein Berater bei MLP verdient im Durchschnitt "89.000 Euro im Jahr". Wie dem auch sei, die Investitionen in den Bereich Hochschule sollen dieses Jahr um eine weitere Million gesteigert werden. Trotz weiterer "umfangreicher Zukunftsinvestitionen" soll das EBIT 2019 gegenüber dem Vorjahr "leicht gesteigert" werden.

MLP ist in Kauflust

Sehr offen zeigte sich der Vorstandsvorsitzende gegenüber der Idee weiterer Zukäufe. MLP hatte zuletzt den Marktplatz Deutschland Immobilien gekauft, weitere Akquisitionen im Bereich "der Gewerbeversicherung oder im Marktsegment der Tochter Feri" werden angestrebt. Den Provisionsdeckel bezeichnete der Vorstand erneut als "ordnungspolitisch absurden Eingriff". Sollte er kommen, dann nicht vor 2020, daher werde er "keine Auswirkungen auf das laufende Jahr haben". Das Immobiliengeschäft des Unternehmens rief die heftigsten Reaktionen der Aktionäre hervor. Der Vorstand musste sich wiederholt mit Fragen zur Sicherheit des Geschäftes und dem ausreichenden Knowhow in diesem Bereich auseinandersetzen. Die Wieslocher sind mittlerweile nicht nur Vermittler, sondern wollen auch Projektentwickler sein.

 

 Die Kritiker warnten, dass man sich mit diesem Schritt aus dem Feld der "erweiterten Finanzdienstleistungen entferne". Der Vorstand versuchte die Bedenken von zwei institutionellen Investoren zu zerstreuen und berief sich auf die Kompetenz der entsprechenden Gremien in den Tochtergesellschaften und Beschränkungen des Risikos. Am Ende hatten die Aktionäre das letzte Wort, für die Erweiterung des Geschäftsmodells im Bereich Immobilien war eine Änderung der Satzung erforderlich. Die Aktionäre stimmten fast geschlossen für die Änderung.

Kritik an der Aufsichtsrätin

Tina Müller, CEO der Douglas GmbH und seit Juni 2015 im Aufsichtsrat von MLP, wurde unter dem Applaus des Plenums von zwei Aktionärsvertretern ihre mangelnde Teilnahme an Aufsichtsratssitzungen im letzten Jahr vorgehalten. "So könne man keine Aufsicht führen" warfen ihr die Kritiker vor. Sie werde "in diesem Jahr noch einmal entlastet" bei Wiederholung der Abwesenheit im nächsten Jahr allerdings nicht mehr erfolgen. Die Gescholtene zeigte sich reumütig, verwies auf ihre beruflichen Pflichten und lobte Besserung. Die Aktionäre entlasteten den Aufsichtsrat deutlich.

 

Ein anderer Streitpunkt waren die Gehälter des Vorstandes. Dabei ging es nicht um deren Höhe, sondern um den Anteil von fixen und variablen Bestandteilen. Ein Aktionärsvertreter bemängelte, dass die fixen Komponenten zu hoch seien, ein anderer sah das genau andersherum. Am Ende betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Lütke-Bornefeld, dass bei der Konzeption der Gehaltsstruktur viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssen, inklusive die der Bafin. Er halte das Konzept für "ausgewogen und transparent", die Mehrheit der Aktionäre stimme dieser Einschätzung zu.

 

Das gute Ergebnis des Unternehmens ließ im Vorfeld wenig Raum für intensive Streitereien auf der Hauptversammlung, die dann auch ausblieben. Das Unternehmen ist als Ganzes solide aufgestellt und wird den eingeschlagenen Weg weitergehen, die Beibehaltung der Dividende in Vorjahreshöhe ist Ausdruck dieser Konstanz. Die Hinwendung zu mehr Immobiliengeschäft ist in Zeiten niedriger Zinsen ebenfalls nur schwer zu kritisieren. Ob MLP auch ein guter Projektentwickler sein kann, wird die Bilanz im nächsten Jahr zeigen.

MLP SE · Uwe Schroeder- Wildberg
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