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Politik & Regulierung

DIW: Sinkendes Rentenniveau erhöht Armutsrisiko deutlich

Von Manfred BrüssTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in verschiedenen Szenarien untersucht, welche Auswirkungen ein sinkendes Rentenniveau auf die Gefahr einer wachsenden Altersarmut hat. Wenn das Rentenniveau wie erwartet von heute 48 Prozent auf etwa 43 Prozent im Jahr 2045 absinke, dann würde die Armutsrisikoquote bei Älteren bei unveränderten Rahmenbedingungen um 20 Prozent zunehmen, schreiben die vier Autoren der Studie.

Die Wissenschaftler empfehlen möglichst früh dieser Entwicklung entgegenzusteuern indem etwa die private und betriebliche Altersversorgung ausgebaut wird. So könnten künftig verstärkte Anreize und Möglichkeiten für private Vorsorge für Bezieher niedriger Einkommen geschaffen werden Derzeit sei die private Vorsorge in der Gruppe der Geringverdiener noch recht gering. Eine weitere Lösung wäre, wenn man zu einer breiteren (obligatorischen) Absicherung der Bevölkerung in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) oder in anderen verpflichtenden, kapitalgedeckten Vorsorgeformen kommen würde. Die Ergebnisse der Studie würden deutlich machen, dass es einen starken Zusammenhang von Rentenniveau und Armutsrisiko gebe.

 

Antworten auf eine langfristige Stabilisierung der Altersvorsorge erwartet sich die Bundesregierung von der von ihr eingesetzten Rentenkommission "Verlässlicher Generationenvertrag". Die Kommission soll im Frühjahr 2020 ihre Lösungsansätze für die Zeit nach 2025 vorlegen. Für den rentenpolitischen Sprecher der Linksfraktion Matthias W. Birkwald belegt die DIW-Studie, dass eine Anhebung des Rentenniveaus überproportional armutsmindert wirken würde. Ein um zehn Prozent höheres Rentenniveau führe zu 13 Prozent weniger Armut und 21 Prozent weniger Grundsicherung. Die wäre Birkwald zufolge mit einer "moderaten Anhebung des Beitragssatzes um 1,6 Prozentpunkte locker finanzierbar". Als Maßnahme zur Bekämpfung steigender Altersarmut diskutiert die Koalitionsregierung derzeit die Einführung einer Grundrente für Menschen, die 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt oder Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben. Über die Modalitäten und die Finanzierung ist die Koalition von CDU/CSU und SPD allerdings derzeit heillos zerstritten.

Wirkliche Antworten findet die DIW-Studie nicht

"Wir haben keine Prognose gemacht, sondern eine Szenarienrechnung", sagte Ko-Autor Johannes Geyer in dem jüngsten DIW-Wochenbericht. Man erwarte aber ein starkes Zurückbleiben der Renten hinter den Löhnen ab Mitte bis Ende der zwanziger Jahre und dann bis 2040. Dann werde sich das Rentenniveau im Vergleich zu heute um etwa zehn Prozent niedriger stabilisieren. Die Autoren haben ihre Studie auf vier Szenarien abgestellt. Zum einen wurde eine moderate und einer stärkeren Inflationsentwicklung unterstellt. Zum anderen wurden die mögliche Entwicklung der Unterkunftskosten betrachtet. Nach diesen Berechnungen steigt die Armutsrisikoquote in jedem der vier Szenarien um 2,1 bis zu 3,5 Prozentpunkte, wobei von einer Armutsrisikoquote von 17,5 Prozent im Jahr 2015 für die über 65-Jährigen ausgegangen wurde. "Welches Szenario eintreten wird, ist hochgradig unsicher", heißt es in der Studie auch unter Hinweis darauf, dass die weitere Entwicklung von politischen Entscheidungen abhängen werde
DIW · Altersarmut
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