Vorstand der Arag bei der Bilanzpressekonferenz
Vorstand der Arag bei der BilanzpressekonferenzQuelle: MonikaLier
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Arag: Faßbender-Nachfolger steht fest

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Renko Dirksen wird ab 4. Juli 2020 die Geschicke des Arag-Konzerns lenken. Er soll die "moderierende Funktion des Vorstandssprechers" übernehmen und so die "erfolgreiche Weiterentwicklung der Arag mit ihrem langjährig eingespielten Vorstandsteam" weiterführen, sagte Vorstandsvorsitzender Paul-Otto Faßbender in der Bilanzpressekonferenz. Der gebürtige Hannoveraner arbeitet seit 2005 im Unternehmen in verschiedenen Funktionen und Mandaten und gehört dem Vorstand der Arag SE seit 2015 an.

Faßbender (73) wird seinen zum 3. Juli 2020 auslaufenden Vertrag als Vorstandschef nicht verlängern. Er bleibe aber als Mehrheitsaktionär und Vorstandsvorsitzender der Konzernobergesellschaft Arag Holding SE "im Unternehmen präsent und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eng verbunden", sagte Faßbender. "Der Aufsichtsrat Faßbender ist aber kein Supervorstand", entgegnete er auf kritische Fragen, ob er nach 20 Jahren Arag-Chef seinen Nachfolger wirklich agieren lassen könne. "Das deutsche Gesetz sieht vor, dass der Vorstand die Geschäfte führt und nicht der Aufsichtsrat. Die Aufgabe des Aufsichtsrats ist eine andere: Er hat nicht die operativen Geschäfte zu führen, sondern er ist Ratgeber und hat vielfältige Kontrollpflichten."

 

Faßbender hatte bereits auf der letztjährigen Bilanzpressekonferenz angekündigt, nun seinen Nachfolger zu benennen. "Mit der Neuordnung des Vorstandes setzen wir ein weiteres wichtiges Signal zur Zukunftsfähigkeit des gesamten Konzerns als erfolgreiches Familienunternehmen." Die Arag bleibe ein Familienunternehmen, betonte er. Die bewusst frühe Entscheidung soll die Voraussetzungen für "einen ruhigen geordneten und unaufgeregten Führungswechsel" schaffen. Er habe sich in seiner Amtszeit "sehr bemüht, dass wir als Team stets um die besten Lösungen ringen. Ich habe keine Lösungen vorgegeben. Es war immer ein lebhafter Prozess", so Faßbender. "Ich gehe davon aus, dass sich daran nichts ändern wird."

 

Die im Dezember vorgestellten vorläufigen Zahlen für 2018 wurden im Wesentlichen bestätigt. 2018 stiegen die Konzernbeiträge um 4,3 Prozent auf 1,65 Mrd. Euro; davon entfielen rund eine Milliarde Euro auf den Rechtsschutz, der damit um sieben Prozent zulegte. Der Krankenversicherer wuchs um 2,4 Prozent auf 373,7 Mio. Euro, wozu nicht nur die Ergänzungsversicherung, sondern auch die Vollversicherung beitrug. Letztere stand in der Vergangenheit nicht im Fokus. 2018 erhöhte sich hier jedoch die Zahl der Vollversicherten um 1,6 Prozent auf rund 45.500 Personen. Für den Herbst wurde ein neuer Tarif mit Hausarztprinzip angekündigt.

 

Die Combined Ratio verbesserte sich 2018 auf 88,6 (89,9) Prozent. Das versicherungstechnische Ergebnis legte um mehr als ein Drittel auf 97,4 Mio. Euro zu. Alle Sparten trugen positiv zu Ergebnissituation bei. Als Folge starker Kursrückgänge in Spezialfonds und damit entsprechender Abschreibungen sanken die Kapitalanlagen auf 81,2 (136,1) Mio. Euro. Dies drückte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 70,2 (81,2) Mio. Euro. Infolge geringerer Steuern stieg der Konzernüberschuss doch noch um ein Viertel auf 34,7 Millionen Euro. "Die Eigenkapitalrendite nach Steuern stieg von zuletzt 6,2 Prozent auf 7,5 Prozent -  trotz einer Anhebung des Eigenkapitals. Die Arag-Anteile sind unverändert die erfolgreichsten Aktien in meinem persönlichen Versicherungsportfolio", behauptet Faßbender. Für den Konzern geht er von einer SCR-Bedeckungsquote von 260 Prozent aus. Übergangsmaßnahmen wie Zins- und Rückstellungstransitional wurden nicht in Anspruch genommen.

 

Der Wachstumsschub setzte sich seinen Angaben zufolge im ersten Quartal 2019 mit einem Plus von 5,8 Prozent auf 502 Mio. Euro Beitrag fort. Im heimischen Rechtsschutz wurden sieben Prozent Mehreinnahmen verbucht. "Unsere Erwartungen für 2019 sind gut. Wir erwarten, dass der Konzern seinen spürbaren Wachstumskurs fortsetzen und auch ertragsstark bleiben wird."

 

Die Digitalisierung läuft bei der Arag als "Smart Insurer Programm" und soll in den nächsten drei Jahren rund 80 Mio. Euro kosten. In diesem Zusammenhang wurden bereits alle Mitarbeiter mit neuen Rechnern ausgestattet. Sie durften frei zwischen drei Laptop- bzw. Tablet-Typen wählen. Jeder vierte Arag-Kunde kommt bereits über einen online-Kanal. Im Bestand machen diese Kunden zwölf Prozent aus. Gleichwohl versteht man sich nicht als Direktversicherer, sondern investiert auch in die Digitalisierung des Stammvertriebs. Seit Anfang des Jahres sind die rund 1.200 Ausschließlichkeitsvertreter auf einen vollständig digitalen Verkaufsprozess umgestellt. Sie können nun vor Ort von der Erfassung der Risikosituation bis zum Abschluss alle ohne Medienbruch online beraten.

ARAG · Paul-Otto Faßbender · Renko Dirksen
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