911 Speedster von Porsche
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Illegales Autorennen oder Flucht vor drängelndem Hintermann – Generali muss hohen Kasko-Schaden bezahlen

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Tragische Geschichten sind in den Medien beliebt, ein zuverlässiger Lieferant sind illegale Autorennen. Ohne Tote aber mit zwei Schwerverletzten und hohem fünfstelligen Schaden endete ein vermeintlicher Wettstreit zwischen Audi und Porsche auf der Landstraße. Die Generali muss für den Kaskoschaden aufkommen, obwohl vieles auf ein illegales Rennen hindeutet.

Das Tempolimit betrug 70 Stundenkilometer, als der Porsche-Enthusiast Dirk V. mit doppelt so hoher Geschwindigkeit von physikalischen Kräften auf die Gegenfahrbahn getragen wurde und ein Auto rammte. Beide Fahrer wurden bei dem Unfall im Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen) schwer verletzt, der Porsche mit " Vollkasko-Premium-Versicherung" war nur noch ein Klumpen verbogenes Metall, meldet Auto-Bild.

 

Die Haftung entschied sich an der Frage, ob sich V. ein "über mehrere Kilometer" langes Rennen mit dem Audi-Fahrer lieferte, wie die Generali-Anwältin argumentierte oder ob Audi und Porsche zufällig aufeinandergetroffen waren, wie der Anwalt der Gegenseite erklärte. Ein Rennen würde als Vorsatz gelten, der Versicherer bliebe in der Kasko haftungsfrei.

 

Gericht mit eigenwilliger Argumentation

 

Der Richter entschied pro V., die Generali muss den Schaden in Höhe von 82.000 Euro bezahlen, behält sich aber eine Berufung vor dem BGH vor. Die Argumentation des Richters klingt alles andere als sattelfest.

 

Der Klagende V. hätte laut Gericht Gas gegeben, weil der Audi-Fahrer "hinter ihm zu dicht aufgefahren sei" und er sich von diesem habe "absetzen wollen". Zwischen beide Autos hätte "kein Blatt mehr gepasst". Es hätte demnach eine Nötigung des Audi-Fahrers vorgelegen, V. hätte so schnell fahren müssen, um eine Beschädigung an seinem Auto "nicht billigend in Kauf zu nehmen".

 

Vor dem Hintergrund des dann folgenden Unfalls ist diese Begründung mindestens abenteuerlich. Warum V. den Hintermann nicht überholen ließ, bleibt ebenso ungeklärt wie die Frage, ob der drängelnde Audi Fahrer zur Rechenschaft gezogen wurde.

 

Härtere Haftung für Raser?

 

Das Urteil ist brisant, Meldungen über illegale Autorennen füllen regelmäßig die Titelseiten. Medien und Politiker fordern nach jedem Vorfall zuverlässig höhere Strafen für Street Racer. An Beispielen für tragische Geschehnisse mangelt es nicht, die "Ku'damm Raser, die wegen Mordes angezeigt wurden, oder der 22-Jährige, der bei einem nicht erlaubten PS-Kräftemessen seinen Bruder tötete.

Für die Versicherer ist neben den menschlichen Tragödien die Haftungsfrage von entscheidender Bedeutung. Die Argumentation, dass zwei Raser zufällig aufeinandertrafen, ist als Ausschlussgrund für ein Rennen absurd. Viele illegale Taten in allen Bereichen zeichnen sich durch Spontanität aus, schriftliche Einladungen sind bei solchen Ereignissen eher die Ausnahme. Das gilt auch für illegale Autorennen.

 

Wenn Fahrer über Kilometer mit überhöhter Geschwindigkeit hintereinander herfahren und "kein Papier" dazwischen passt, sind die Bestandteile eines Rennens erfüllt. Die Argumentation der Generali wirkt vor diesem Hintergrund schlüssig, ein Einspruch keineswegs aussichtslos.

Die Zukunft wird zeigen, ob der Gesetzgeber tätig wird und den Sachverhalt der illegalen Rennen näher spezifiziert.

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