Umweltschutz tut not, doch ist es Aufgabe der Finanzindustrie?
Umweltschutz tut not, doch ist es Aufgabe der Finanzindustrie?Quelle: Nadine Schmitz / www.pixelio.de / PIXELIO
Köpfe & Positionen

Sind die Versicherer der Umweltsündenbock der Politik?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die politische Klasse will die Verantwortung für Umweltschutz auf die Finanzbranche abschieben. Das glaubt Henry Schäfer, Professor der Betriebswirtschaftslehre an der Uni Stuttgart. Die Politik wolle die Finanzbranche bei diesem Thema "vor den Karren" spannen, um von den Wählern nicht mehr für "Versäumnisse bei Umweltthemen angegriffen zu werden", erklärte er in einem Interview.

Das die europäischen Behörden auch von der Finanzbranche mehr ökologisches Bewusstsein fordern, ist bekannt. Das die Unternehmen unsicher sind, welcher Kelch ihnen an dieser Stelle gereicht werden wird, ist für Schäfer offensichtlich. Die Vertreter der Finanzbranche würden "versuchen zu verstehen", was an neuen Regeln auf sie zukomme, erklärte er gegenüber dem Handelsblatt.

 

Der Professor spricht an, dass, Umwelt- und Wirtschaftsministerium entgegengesetzte Ziele haben. Ökologisch bedingte Entscheidungen wie der Ausstieg aus der Kohle und die Förderung von Elektroautos würden Arbeitsplätze kosten. Deutschland wäre davon besonders betroffen, denn ein Viertel unserer Wirtschaft ist "produzierendes Gewerbe". In England oder Frankreich wäre es nur ein Zehntel.

 

Schäfer ist der Meinung, dass es beim Thema Nachhaltigkeit nicht immer um ein besseres Morgen gehe, das sei oft nur ein "Deckmantel". Viele Personen und Institutionen würden in diesem Bereich eigene Interessen verfolgen, er nennt die Deutsche Umwelthilfe und Politiker. Dasselbe gelte auch für Teile der Finanzwirtschaft wie Wirtschaftsprüfer, die dringend "höhere Margen brauchen" und deshalb neue Anforderungen auf diesem Gebiet begrüßen.

 

Guter Punkt des Professors

 

Die Politik würde es vermeiden, dem Bürger im Bereich Umweltschutz Druck zu machen und führt als Beispiele das Shoppen bei Amazon, große Autos oder zu viele Urlaubsreisen an. Aus Angst vor Wählerschwund würden die Politiker den Souverän aber nicht zu mehr ökologischem Bewusstsein mahnen, sondern stattdessen mehr Engagement bei den "nicht wählenden" Unternehmen einfordern.

Insbesondere die Finanzbranche stehe im Fokus, denn die sei der Finanzkrise "sehr schwach" und es gäbe "weit weniger Lobbyisten und schwächere Gewerkschaften als im produzierenden Gewerbe".

 

Die Finanzbranche soll es laut Schäfer "richten", dabei werde die Verantwortung gewollt von den Politikern weggelenkt. Diese könnten dann von den Wählenden nicht für die "Versäumnisse bei Umweltthemen" angegriffen werden.