Harry Weinstein bei der Eröffnung der Berlinale 2003
Harry Weinstein bei der Eröffnung der Berlinale 2003Quelle: DPA
Schlaglicht

Nach #MeToo: Versicherer zahlen für Weinsteins vermeintliche sexuelle Eskapaden

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kommt Harvey Weinstein zivilgerichtlich mit einem blauen Auge davon? Der ehemalige Film-Produzent soll Frauen über Jahre sexuell genötigt und in mindestens zwei Fällen vergewaltigt haben, jetzt hat er sich mit den mutmaßlichen Opfern auf einen Vergleich geeinigt. Die Opfer sollen 44 Millionen US-Dollar erhalten, bezahlt von Versicherern.

Weinstein wird sexuelle Gewalt gegen zwei Frauen vorgeworfen, über 80 haben ihn wegen "wrongdoing" angezeigt, oft in Verbindung mit "sexual harassment", was mit sexueller Belästigung oder Nötigung übersetzt werden kann. Der Deal ist noch nicht finalisiert. Zwei der mutmaßlichen Opfer, Wedil David und Alexandra Canosa, wollen den Deal nach Informationen der New York Times (NYT) nicht verifizieren. Zudem bleibt die strafrechtliche Verfolgung von dieser zivilrechtlichen Einigung unberührt. Weinstein bestreitet die Vorwürfe gegen seine Person.

 

Die Standhaftigkeit der beiden Damen könnte für Weinstein erhebliche Probleme nach sich ziehen. Laut NYT würden die Versicherer die 44 Millionen US-Dollar an Ausgleich bezahlen, wenn der beschriebene Deal finalisiert werden wird. Das bedeutet, dass bei einem Scheitern neu verhandelt werden muss.

 

Einige Geschädigte und deren Anwälte bezeichnen den Deal als "abstoßend" und "viel zu gering". Das Unternehmen Weinsteins und er als Person würden damit zu günstig wegkommen.

 

Ein Bündel von Deals – gut für die Opfer?

 

Laut Informationen mehrerer amerikanischer Medien war zuvor ein Vorschlag einer Entschädigung in Höhe von 90 Millionen US-Dollar "in letzter Minute" geplatzt. Angeblich deswegen, weil die Anklage mittlerweile "nur" noch zwei Fälle sexueller Gewalt umfasst.

 

Von den 44 Millionen gehen 30 an die Geschädigten, deren Anwälte, ehemalige Angestellte und Gläubiger des inzwischen bankrotten Filmstudios Weinstein Company, das unter anderem viele Quentin Tarantino Filme produzierte, wie beispielsweise "Kill Bill". Wer wie viel Entschädigung bekommt, wird ein " special master" festlegen. Als Faustregel gilt, je schwerer das Vergehen, desto höher die Auszahlungssumme.

 

Die übrigen 14 Millionen der Strafe decken die Anwaltsgebühren von Geschäftspartnern Weinbergs, inklusive des Company Members Boards, zu denen unter anderem der Geschäftsmann und Milliardär James Dolan gehört, Besitzer des Basketballklub New York Knicks.

 

Die Board-Member, inklusive Bob Weinstein, Bruder und Geschäftspartner des Angeklagten, müssen laut einem Insider lediglich 30 Prozent ihrer Anwaltsgebühren selbst bezahlen. Das ist sogar ein Entgegenkommen der Geschäftsleute. Indem sie sich dazu bereit erklärten, wuchs das für die vermeintlichen Opfer vorgesehene Entschädigungsgeld im Fonds an.

 

Die Anwälte der vermeintlichen Opfer wüten, dass der Deal den ultrareichen Board-Member Millionen an Gerichtskosten erspare, zu denen neben Dolan auch mehrere große Anwaltsunternehmen gehören. Die Anwälte Weinsteins argumentieren, dass mit der Einigung allen Beteiligten lange, unsichere und kostenintensive Prozesse erspart bleiben.

 

Versicherer als Schweigegeldzahler?

 

Bleibt noch die Frage, warum die Versicherer die 44 Millionen US-Dollar bezahlen. Der Grund ist banal. Weinstein hat gegen seine Versicherer Klage eingereicht, weil diese keinen Schutz für seine Verteidigung stellen wollten. Kommt der beschriebene 44 Millionen Dollar Deal zustande und zahlen die Versicherer diese Summer, lässt Weinstein die Klage fallen.

 

Die Versicherer müssen also glauben, dass sie in einem Prozess gegen Weinstein wegen der Übernahme der Verteidigungskosten verlieren würden und sie mit den 44 Millionen US-Dollar besser fahren. Das verwundert doch sehr, schließlich sind sexuelle Übergriffe in keiner D&O-Versicherung eingeschlossen. Die Versicherer, die nicht genannt werden, haben sich freigekauft, deren Geld nutzt Weinmann, um sich selbst zivilrechtlich freizukaufen.

 

Ein solcher Handel klingt nicht gerade nach Fairness und Gerechtigkeit, aber bisher ist auch noch nichts entschieden. Solange Ms. David und Ms. Canosa ihre Zustimmung zum Deal verweigern, ist alles in der Schwebe.  Zudem gibt es daneben noch eine Klage der Schauspielerin und Musikerin Ashley Judd, die nicht in die Vereinbarung des Opferfonds inkludiert ist. Und am Ende steht der Strafgerichtsprozess.