Krawatten
KrawattenQuelle: swisshippo / Fotolia
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Krawatten machen Manager - und die ändern sich!

Von Stefanie DillerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Heute Morgen saß ich wieder einmal im Frühstücksraum eines Hotels und was glauben Sie, wie viele von den vierzig Businessmännern da eine Krawatte trugen? EINER! Eine einzige Krawatte! Immer mehr Männer treten in der Öffentlichkeit ohne Binder auf. Ist das eine Laune der Mode oder steckt da noch mehr dahinter? Seit dem Industriezeitalter um 1860 gibt es die bis heute gleich gebliebene Krawattenform. Die Mächtigen aus Industrie, Politik und Wirtschaft schmückten sich alle mit diesem repräsentativen Sinnbild.  Angetrieben durch die Digitalisierung, die mit einem großen gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch einhergeht, sind Agilität und Innovationsfreude gefragt.
Dabei verliert die Präsentation von Förmlichkeit sichtbar an Gewicht. Seit einigen Jahren befreien sich immer mehr Unternehmen davon und lösen damit den altbewährten Dresscode auf. Wer die Welt aus den Angeln heben will, muss eben anpacken, braucht Mut und Kraft - aber keine Krawatte. Diese Erkenntnis ist mittlerweile in viele deutsche Traditionskonzerne geschwappt. Manager großer Konzerne wie Siemens-Boss Joe Kaeser oder der zukünftige Daimler-Chef Ola Källenius passen sich dem Zeitgeist an und lassen die Krawatte bei öffentlichen Auftritten immer öfter weg. Ein Anzug ohne Krawatte spiegelt die Aufgeschlossenheit für Neues wider und zeigt den kulturellen Wandel im Konzern. Versicherungsmakler Mark Fellman wird dabei noch persönlicher und sagt: „Ich bekomme einfach mehr Luft". Sogar der amerikanische Krawattenverband reagierte und löste sich schon 2008 auf, sechzig Jahre nach seiner Gründung. Bindungslosigkeit ist heute also keine ästhetische Rebellion mehr, sie zeigt viel mehr den Mainstream. Im Gegenzug beobachten die besten Hersteller von edlen Krawatten wie Drake's aus London keinerlei Einbrüche, im Gegenteil. Es wächst die Anzahl der Bestellungen für Maßkrawatten, es gibt eine große Nachfrage nach handgearbeiteten Modellen mit handrollierten Kanten. Die Liebe zum Detail wird hier teuer bezahlt, die Krawatte wird zum geschätzten Luxusartikel und ihre Tradition macht sie zum Prestigeobjekt, ähnlich wie das bei mechanischen Armbanduhren oder einem Füllfederhalter passiert.

Der Casual-Look symbolisiert Individualität, Teamfähigkeit und Kreativität

Typische Werte der Versicherungsbranche wie Bodenständigkeit, Kontinuität und Sicherheit werfen die Frage auf, ob es hier nicht doch zu weit geht, den Binder einfach wegzulassen. Es ist eine Frage von Normen, Werten und Positionierung. Viele ältere Menschen sind mit dem Bild der Hamburg-Mannheimer aufgewachsen, der freundliche Vertreter im grauen Anzug, natürlich mit Schlips: klassisch, zurückhaltend, unauffällig. Diese Personengruppe wird also eher an Traditionen festhalten, es seriös finden und das „vertraute“ Gefühl haben, wenn sie einen Versicherungsmanager mit Krawatte sieht. Jüngere Menschen haben eine ganz andere Empfindung, sie wachsen in einer extrem schnelllebigen digitalen Welt auf, die von Bildern geprägt ist. Sie sind daran gewöhnt, Menschen in verschiedensten Situationen und Momenten life auf dem Bildschirm zu sehen. Eine Krawatte trägt dort so gut wie keiner. Für sie wirkt es also fremd, fast wie eine Verkleidung, sie ordnen die Krawatte dem strikten old school Business zu. Aus meinen Seminaren weiß ich, dass viele Angestellte es unangenehm finden, sich einen Schlips umbinden zu müssen - fühlen sie sich doch verkleidet und eingeengt.

 

Natürlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass die Kleidung einen Einfluss darauf hat, wie wir auf andere wirken. Formell gekleidete Personen werden als kompetent, verlässlich und vertrauenswürdig, aber auch als selbstbewusst und erfolgreich wahrgenommen.  Leider ist das mit einem gut sitzenden Anzug, sauberen Schuhen und einem frischen Haarschnitt nicht getan. Das ist nur die Basis, es kommt auf die Details an. Das ganze Auftreten sollte auch Ausdruck des Unternehmens sein, für das die Person steht. Dazu kommt, dass sich ein Spitzenmanager heute kaum mehr hinter seinem Sprecher verstecken kann, er wird zunehmend stärker in der Öffentlichkeit stehen und dadurch sichtbar sein. Das heißt, Gesicht, Outfit und Erscheinungsbild werden noch wichtiger sein als ohnehin schon. Ein Casual -Look symbolisiert Individualität, Teamfähigkeit und Kreativität. Die Krawatte im Schrank zu lassen, ist das erste und einfachste Lösen dieser Formalität und Männer können sich glücklich schätzen, dass Sie es „so einfach“ haben. Sie zeigen mit Ihrer Entscheidung, wo und wie sie sich positionieren.

Es ist eine Frage, die man sich selbst beantworten muss. Je nach Image, Position, Tradition, Veranstaltung, Meeting oder Anlass:
 

  1. Wofür stehen Sie, welche Rolle haben Sie?
  2. Welche Werte leben Sie?
  3. Mögen Sie Krawatten überhaupt?
     

Dass die Krawatte langfristig aussterben wird, ist klar, aber Spitzenmanager können sich eine einzigartige Positionierung und Marke mit einem eigenen Look aufbauen. Das haben nicht nur Joachim Löw oder Karl Lagerfeld getan, das haben selbst Vorstandsvorsitzende geschafft. Dabei geht es um Passform, Materialien, Farben und vor allem die Accessoires im Look.  Auf Fotos und beim Skypen sieht man von Menschen meist nur den Oberkörper, daher gerät neben dem Jackett das Hemd ohne Binder stark in den Fokus.
Die Formalität ohne Krawatte muss daher unbedingt hergestellt werden - etwa mit einem hochwertigen, veredelten Stoff, dem perfekten Kragen zur Gesichtsform oder Umschlagmanschetten mit Manschettenknöpfen. Die Passform ist das A und O, ich sehe viel zu häufig zu weite Hemden, abgetragene Kragenecken über Revers oder auch Hemden, die im Sitzen am Bauch spannen.
 

Hemdfarbe: Weiß und Blau gehen immer. Ohne Krawatte kann es getrost auch dezent gemustert sein. Zum Beispiel mit sehr feinen Streifen, mini Karos oder einem Muster, das sich aus dem Gewebe ergibt.
 

Kragen: Die fehlende Förmlichkeit können steife, hohe Kent- oder Haifischkrägen ausgleichen. Diese haben die notwendige Dominanz, um die Leere aufzufüllen, die die Krawatte hinterlässt.
 

Offene Hemdknöpfe: Je nach Anlass sollte nur der oberste Hemdknopf geöffnet sein – oder höchstens der Zweite. Übrigens sollte niemals das T-Shirt darunter zu sehen sein.
 

Manschettenknöpfe: zeigen Persönlichkeit und individualisieren Ihren Stil.
 

Einstecktücher: sind nicht schnöselig, sondern ein modernes Stilmittel, um Individualität im Outfit zu zeigen. Wenn keine Krawatte getragen wird, ist es oftmals die einzige Möglichkeit, dem Outfit eine persönliche Note zu verleihen. Zeigen Sie dabei etwas Charme mit unterschiedlichen Farben und Mustern.
 

Accessoires: Uhren sind ein wunderbares Mittel, um Stil zu zeigen. Funktional, klassisch, opulent, sportlich, abenteuerlich oder elegant - all das spiegelt sich in einer Uhr wider. Gummiarmbänder mögen modisch sein, sind aber im Business-Umfeld nicht angebracht. Greifen Sie lieber zu klassischen Leder- oder Metallarmbändern.
 

Gürtel: Generell müssen Farbe und Material des Gürtels zum Schuh passen. Leichte Abweichungen sind in Ordnung, da man beide Stücke nie direkt nebeneinander sieht. Da die meisten Gürtel fünf Löcher haben, sitzt der Dorn im Idealfall im mittleren Loch. Es gibt viele Gürtelvarianten mit diversen Schließen, stilbewusste Männer stimmen die metallene Gürtelschnalle auf ihre Accessoires ab. Zu sportlicheren Hosen wie Chinos eignen sich auch Stoffgürtel. Diese dürfen gerne etwas breiter und auch dicker sein als die schmaleren Businessgürtel.
 

Schuhe: Nichts ruiniert ein Outfit schneller, als ein stilloser oder vernachlässigter Schuh. Altmodische Herrenschnürer mit eckiger Schuhspitze sind ungeeignet, mit den Klassikern (Oxfords und Brogues) liegen Sie immer richtig. Es lohnt sich, hier unbedingt auf gute Qualität zu achten. Ein Schuh zum Anzug hat übrigens immer eine Ledersohle, auch zu Baumwollhosen und Jeans können Sie solche klassischen Modelle tragen. Braune Schuhe funktionieren nicht zu schwarzen Anzughosen, aber zu blauen, grauen und zu Jeans. Sie sind wahre Evergreens und machen einen blauen Anzug mit weißem Hemd lebendig. Chelsey Boots sind im Winter eine hervorragende Alternative zu sportiven schmalen Anzughosen.

Unser Outfit in 20 Jahren

Trendexperten sagen, dass die Krawatte in spätestens zwanzig Jahren nicht mehr zu sehen sein dürfte. Der souveräne Kleiderschrank eines erfolgreichen Managers hat bis dahin also Kleidung für verschiedene Anlässe parat. Dieser schließt die Krawatte für besondere Events und die damit verbundene Wertschätzung ein - damit Vielfalt dazu gehört, aber der Stil nicht in Frage gestellt wird. Abgesehen davon wird es sicher ein Revival geben: Ach, wie schön war es damals, als man direkt wusste, was man anziehen soll: Anzug, Hemd und Krawatte … und vielleicht gibt es mal ein Frühstück im Businesshotel, in dem Sie mit einer Retrokrawatte richtig punkten. Ich würde mich freuen, Sie dort zu sehen. Also heben Sie ihre Schätze auf, wer weiß, was alles noch kommt.