Mario Greco
Mario GrecoQuelle: Zurich
Unternehmen & Management

Greco: "Man benötigt kein Outsourcing, um Kosten zu sparen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Zurich-Chef Mario Greco hat sich beim Schweizer Versicherer in den vergangenen Jahren einen Namen als harter Sanierer gemacht. Stolze 1,5 Mrd. US-Dollar wollte der gebürtige Italiener bis 2019 einsparen - auch auf Kosten des Personals. Nun sprach der Konzernlenker öffentlich über die Motive seines Sanierungsprogrammes: "Wir standen vor einer fundamentalen Transformation des Versicherungsmarktes, darum mussten wir 2016 eine neue Strategie festlegen. Zudem mussten wir die Reputation und Bewertung unseres Unternehmens wiederherstellen."

Danei sieht sich Greco weiterhin auf Kurs: "Ende 2019 werden wir alle Ziele erreicht oder übertroffen haben. Das ist wichtig für die Reputation und Bewertung unseres Unternehmens. Wir sind ein Führungsteam, das in den letzten drei Jahren das geliefert hat, was es versprochen hat", so Greco im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Das Rezept dafür scheint jedenfalls denkbar einfach wie revolutionär: "Wir behandeln unsere Kunden als Individuen und wollen uns mit unseren Dienstleistungen klar abheben. Wir transformieren eine globale Organisation in ein kundenorientiertes Unternehmen mit Kontaktpunkten auf der ganzen Welt. Wir bieten Dienstleistungen an, die wir zuvor nie hatten, wie etwa Reiseversicherungen. Wir kauften einige Unternehmen hinzu und sind jetzt in diesem Geschäft der zweitgrößte Dienstleistungsanbieter der Welt".

 

Wie sich diese Entwicklung auf die Mitarbeiter auswirkt, wollte der Zurich-Chef indes "nicht voraussagen. Sicher werden künftig Technologien wie die künstliche Intelligenz mehr Aufgaben übernehmen. Andererseits haben wir vor zwei Jahren das Outsourcing gestoppt und viele administrative Arbeiten wieder zurück in unsere weltweiten Firmensitze gebracht". Und dies vor allem aus zwei Gründen: "Es ist sehr zweifelhaft, ob wir von den Auslagerungen wirklich profitiert haben. Unsere Mitarbeitenden müssen mehr reisen, man hat weniger Kontrolle, und zudem ist die Personalfluktuation bei solchen Outsourcing-Unternehmen hoch. Outsourcing ist zudem sozial nicht nachhaltig. Zuerst geht man von der Schweiz nach Osteuropa, dann von Osteuropa nach Asien und immer weiter. Damit destabilisiert man ganze Regionen, während man bei uns Jobs vernichtet. Das Ganze ist schlicht eine schlechte Idee." Das Ergebnis: "Wir haben unsere Kosten gesenkt, unsere Profitabilität gestärkt, das Geschäft ausgebaut. Man benötigt kein Outsourcing, um Kosten einzusparen", betont Greco.

 

Selbst die hauseigenen Drucker fielen dem Sanierungsprogramm zum Opfer - und dies alles zugunsten eines guten Klimas: "Der Klimawandel ist ein viel wichtigeres Thema, als die meisten Leute heute denken. Sie sehen dessen Auswirkungen in der Form von Katastrophen. Doch es gibt noch viel mehr, worüber wir uns Sorgen machen müssen, wie etwa die Verwendung von Plastik. Wir haben 2018 beschlossen, Einweg-Plastik aus unserem Unternehmen zu verbannen. Auch Papier haben wir aus unserer Organisation so weit wie möglich eliminiert. Ich nutze zum Beispiel ein digitales Tablet statt Papier. Wir haben praktisch alle Drucker aus unseren Büros entfernt. [...] Wenn Sie die Verwendung von Papier reduzieren wollen, müssen Sie die Drucker aus dem Haus schaffen. Dann nutzen die Leute die digitalen Geräte wirklich. Den Planeten zu retten, ist eine kollektive Verantwortung. Niemand kann das allein schaffen. Wir wirken dort, wo wir Einfluss haben. Wir haben uns weitgehend aus Versicherungen zur Förderung von Kohle zurückgezogen und sind sehr achtsam, was im Bereich der anderen fossilen Energieträger passiert."

 

Freuen dürften sich jedenfalls auch die Anteilseigner: "Wir planen, die Dividende nicht nur zu halten, sondern erhöhen zu können. Wir haben unsere Dividendenstrategie vor drei Jahren festgelegt und unsere Aktionäre darüber informiert: Wir wollen 75 Prozent unseres Gewinns auszahlen, sofern der Gewinn nachhaltig ist. Seither haben wir die Dividende bereits zweimal erhöht. Wir haben einen Plan, wie wir die Gewinne weiter erhöhen können. Wenn wir weiterhin 75 Prozent des Profits ausschütten, steigen somit auch die Dividenden."

Zurich · Mario Greco
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