Kassel, Ort des BVK-Jahrestreffen. (Löwenburg im Schloßpark Kassel-Wilhelmshöhe)
Kassel, Ort des BVK-Jahrestreffen. (Löwenburg im Schloßpark Kassel-Wilhelmshöhe)Quelle: Rosel Eckstein  / www.pixelio.de / PIXELIO
Märkte & Vertrieb

BVK fordert Verschnaufpause bei Regulierungen und verklagte 72 Tochterunternehmen von Check24

Von Hermann-Josef BergTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) müssten weitere Regulierungen in der Vermittlerbranche unterblieben. Eine Verschnaufpause sei dringend geboten. Dafür sollten gleiche Wettbewerbsbedingungen für den Online- und Offline-Bereich geschaffen werden. Diese Forderungen sind Bestandteil eines Leitantrages des BVK-Präsidiums, der gestern auf der Jahreshauptversammlung in Kassel beschlossen wurde.

In einer Pressekonferenz heute kritisierte Präsident Michael H. Heinz insbesondere die geplante Einführung eines Provisionsdeckels. "Dies ist ein schwerer ordnungspolitischer Eingriff in die Vergütung der Vermittler", sagte er zu dem vorliegenden Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums. Heinz sprach von einer "Phantomdebatte", deren Ende nicht in Sicht sei, und von einem "Koalitionsgeschacher auf unsere Kosten".  Seiner Meinung nach werde es aber bis März 2020 keine Novellierung erfolgen. Der BVK wolle sich allerdings mit juristischen Mitteln gegen diesen "Mumpitz" wehren. Heinz verwies in diesem Zusammenhang auf die Einschätzung des ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, der den Provisionsdeckel für verfassungswidrig hält – VWheute berichtete. Ob das Thema auch auf andere Versicherungssparten (außer der Lebensversicherung zur Altersvorsorge) ausgedehnt werde, dafür sah Heinz keine Anzeichen.

 

Klage gegen Check24.de: Noch kein Verhandlungstermin

 

Keine Prognose wagte Heinz auch in Sachen Klage gegen Check24 vor dem Münchener Landgericht: "Wir erwarten keinen kurzfristigen Termin!" Der BVK bezichtigt das Vergleichsportal der Verletzung des gesetzlichen Provisionsabgabeverbotes; es verbietet Provisionsversprechen jeglicher Art. Langwierig sei das Verfahren schon deshalb, weil der BVK alle 72 Tochterunternehmen von Check24.de verklagt habe. "Die Verbraucher werden von Check24 letztlich nicht profitieren", prognostizierte Heinz und ergänzte: "Wir sind jedenfalls keine Dealer, sondern ehrbare Kaufleute, die einen gesetzlichen Auftrag haben, mit einer Verantwortung für die rechtlich-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen."

 

Um die dem BVK angeschlossenen derzeit fast 53.000 Versicherungsmakler unternehmerisch zu unterstützen, wurde jetzt ein "Quick-Check" entwickelt. Für Vizepräsident Gerald Archangeli stellt dies eine "Arbeitshilfe" zum Umsetzen notwendiger kaufmännischer Veränderungen dar.

 

Mehr Sachkundeprüfungen, mehr Weiterbildung

 

Die aktuelle Anzahl an Versicherungsmaklern in Deutschland bezifferte der BVK auf etwas unter 190.000. Vor wenigen Jahren waren es noch etwas über 230.000. Gerald Archangeli hält diese Entwicklung für "nicht dramatisch". Trotz des generellen Nachwuchsmangelns stimme es den BVK positiv, dass 2018 zirka 6.000 Sachkundeprüfungen für eine Maklertätigkeit abgelegt wurden, mit einem bemerkenswerten Plus an Teilnehmern aus anderen Berufsgruppen.

 

Auch die Weiterbildungsanstrengungen der Versicherungsmakler im BVK hätten im Vorjahr zugenommen. Mit 30 (bislang 15) Stunden pro Person jährlich seien die Vorgaben des Gesetzgebers deutlich übertroffen. Die professionellen Anstrengungen würden sich auch in den angeblich rapide abgenommenen Beschwerden beim Versicherungsombudsmann in Berlin dokumentieren.