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Drews: Der Vermittler entwickelt sich zum "Personal Coach" in Finanzfragen

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wieviel Digitalisierung verträgt eine Gesellschaft? Und welche Auswirkungen hat diese für die Zukunft des Vermittler-Standes? Blickt man in das kleine Estland, scheint der digitale Bürger längst eine Realität zu sein. Doch wie sieht es in Deutschland aus? Eine aktuelle Yougov-Studie unter rund 4.300 Befragten in Deutschland, Irland, den USA und Kanada im Auftrag der Canada Life soll die entsprechenden Antworten geben.

Ein Ergebnis: Rund 40 Prozent der Deutschen sieht darin weder Chancen noch Risiken. Mit Blick auf die Auswirkungen des digitalen Wandels halten 64 Prozent der rund 1.000 Befragten den Wegfall von Arbeitsplätzen als realistisches Szenario. Nur die wenigsten sehen indes direkte Auswirkungen auf den eigenen Arbeitsplatz. Aber:  "Digitalisierung bringt Effizienzgewinne", glaubt Florian Elert von der HSBA Hamburg School of Business Administration bei der Vorstellung der Studienergebnisse im 30. Stock des Swiss Hotels in der estnischen Hauptstadt Tallinn.

 

Keine klare Meinung gibt es indes beim Thema "Gesundheits-Apps". Lediglich 20 Prozent der befragten Deutschen würden es gut finden, sich darüber besser zu informieren. Immerhin 28 Prozent würden entsprechende Anwendungen zur Prävention verwenden. 23 Prozent sehen diese hingegen kritisch, wenn gesundheitsrelevante Daten dafür gespeichert würden.

 

Erwartungsgemäß wenig Vertrauen haben die Bundesbürger bei der Frage, ob sie von Alexa, Google und Co. Ratschläge in Finanzfragen annehmen würden. Lediglich zehn Prozent können sich dies vorstellen. Die überwiegende Mehrheit von 56 Prozent geht indes kein Vertrauen in die digitalen Empfehlungen. Wenig verwunderlich auch, dass die Vermittler bei der persönlichen Beratung im Vergleich zu digitalen Sprachassistenten weiterhin die Nase vorne haben. Wichtig ist laut Elert immer noch die Frage: "Wie hoch ist der Mehrwert beim Datenaustausch?"

 

Dabei haben die Vermittler trotz allen digitalen Herausforderungen immer noch ihre Bedeutung: 47 Prozent der befragten Deutschen erwarten daher, dass der Vermittler künftig eher als "Problemlöser" fungiert. 44 Prozent erwarten, dass die Beratung stärker auf die persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet wird. Omnichannel-Lösungen kommen indes nur bei 17 Prozent der Bundesbürger gut an. "Vermittler scheinen in Deutschland eine hohe Stellung zu haben", glaubt Elert.

 

Und was bedeutet dies für die Versicherer insbesondere im deutschen Lebensversicherungsmarkt bis 2028? Mehr Vorsorgepotenzial und Beratungsbedarf, aber auch mehr Regulierung, glaubt Markus Drews, Hauptbevollmächtigter bei Canada Life für Deutschland. Weniger erfreulich scheinen die digitalen Veränderungen für die Vermittler zu haben. Mehr Produktivität und Effizienz, aber weniger Vermittler, lautet Drews Perspektive für die kommenden Jahre.

 

So "wird sich die Rolle des Vermittlers deutlich wandeln müssen", glaubt Drews. Vielmehr entwickle sich der Vermittler eher "zum Personal Coach" in Finanzfragen und weniger als "reiner Produktverkäufer". Wenig verwunderlich, dass Drews am geplanten Provisionsdeckel kein gutes Haar lässt: "Das ist pure Ideologie".

 

Mehr zum Thema lesen Sie auch in der Juli-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Canada Life · Digitalisierung · Beratung
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