Berlin, Ort der Digital Finance Conference
Berlin, Ort der Digital Finance ConferenceQuelle: Uwe Wattenberg / www.pixelio.de / PIXELIO
Märkte & Vertrieb

Digital Finance Conference: Deutschland ist bei Insurtechs nicht "schnell genug"

Von Martin ThalerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Brauchen wir mehr oder weniger Europa? Um diese Frage geht es in wenigen Tagen bei der nahenden Europawahl. Fragt man die Teilnehmer der "Digital Finance Conference", die der Digitalverband Bitkom in dieser Woche in Berlin abhielt, fällt die Antwort wohl eindeutig aus.

"Es ist eine Fehleinschätzung zu glauben, dass wir in der Europäischen Union für sämtliche Güter einen vollständig harmonisierten Markt haben", machte Jörg Kukies, Staatsminister im Bundesministerium für Finanzen, das Problem deutlich. "Im Bereich der finanziellen Dienstleistungen ist der Markt immer noch stark segmentiert." Statt einem großen Markt gibt es viele kleine – und das hat Auswirkungen auf die Startups aus dem Fin- sowie Insurtech-Bereich.

 

"Die großen Unternehmen kommen hier aus den USA oder China, nicht aber aus Europa“, stellte Achim Berg, Präsident von Bitkom, fest. Dabei würde der europäische Markt, bestehend aus 500 Millionen potenziellen Kunden, ja bestehen und zunehmend auf digitale Finanzservices zurückgreifen wollen. Damit hatte Berg elegant den Bogen gespannt zu einer jüngst von seinem Verband vorgelegten Studie. Laut dieser betreiben bereits 70 Prozent aller Deutschen ihre Bankgeschäfte online, 31 Prozent der Befragten gaben sogar an, gar keine Bankfilialen mehr zu benötigen.

 

Die Versicherer folgen

 

Und auch das Geschäft mit Versicherungen verlagert sich immer mehr ins Internet. So erklärte jeder Zweite (51 Prozent), bereits eine Versicherung online abgeschlossen zu haben, 16 weitere Prozent ziehen es zumindest in Erwägung. Bei den jüngeren Generationen fällt das Verhältnis noch eindeutiger pro-Internet aus. "Wir erleben hier einen grundlegenden Umschwung", befand Berg.

 

Das Potenzial für Insurtechs scheint also vorhanden – doch die uneinheitliche Gesetzeslage erlaubt keine schnelle Skalierung der Geschäftsmodelle. "Europa muss hier handeln", gab sich Staatssekretär Kukies überzeugt und versprach, dass dieses Thema Priorität haben werde, wenn Deutschland im Jahr 2020 die europäische Ratspräsidentschaft übernehme.

"Wir werden den Fintech-Action-Plan der EU weiter vorantreiben", so Kukies. Der von der Europäische Union im vergangenen Jahr vorgestellte Aktionsplan sieht neben der Förderung neuer Technologien im Finanzsektor und der Stärkung der Cybersicherheit des Finanzsystems auch die Ermöglichung einer binnenmarktweiten Expansion für innovative Geschäftsmodelle vor.

 

Doch reicht regulatorische Anpassungen, um die europäische Fintech-Szene auf ein Level wie im Silicon Valley zu heben? "Globale Champions entstammen aus großen Ideen und nicht regulatorischen Rahmenbedingungen", erklärte Nazim Cetin, CEO der Allianz-Investmenttochter Allianz X. Vielmehr sei in Deutschland ein "change of attitude" notwendig.

 

Einen Punkt, der auch von Dominik Hennen, Vorstandsmitglied der PB Versicherungen (Talanx), unterstrichen wurde. Man brauche eine andere Kultur in Deutschland, in der beispielsweise das Scheitern bestimmter Geschäftsmodelle und -ideen größere Akzeptanz erfahre. "Wer einmal gescheitert ist, bekommt kein Kapital mehr", so Hennen.

 

Das Thema Kapital sei ebenso ein Problem. "Wir haben mehr japanische Investoren als deutsche. Was sagt uns das", fragte Ramin Niroumand, Gründer des Company-Builders Finleap. Hennen sekundierte: "Wir brauchen mehr institutionelle Investoren, aber auch die Universitäten könnten hier tätig werden." So stünden beispielsweise der US-Elitenuniversität Harvard 13 Milliarden Dollar zur Verfügung, die diese regelmäßig in junge Unternehmen investiere.

 

Grundlegend – und das ist gute Nachricht – sei man aber auch hierzulande auf dem richtigen Weg. "Wir sind nur nicht schnell genug", brachte es Hennen auf den Punkt.

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