Unternehmen & Management

DFV wächst überdurchschnittlich - und schreibt Verluste

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Deutsche Familienversicherung AG (DFV) ist im Dezember 2018 als erstes Insurtech Unternehmen Europas an die Börse gegangen und hat damit die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Wie der Vorstandsvorsitzende Stefan M. Knoll zur diesjährigen Hauptversammlung mitteilte, verzeichnete die 2007 gegründete, bis dato inhabergeführte Gesellschaft bereits eine überdurchschnittliche Zunahme im Neugeschäft in Höhe von 90 Prozent – von 9,9 Mio. Euro in 2017 auf 17,6 Mio. Euro in 2018.

Die Stückzahlen erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 29 Prozent. Der Branchendurchschnitt liege demgegenüber bei 1,7 Prozent. Leicht zurück um 2,02 Prozent ging die Zahl der Bestandskunden auf 454.967 bei einer gleichzeitigen Zunahme der Bestandsbeiträge um 3,84 Prozent auf 75,7 Mio. Euro. Für 2019 peilt die DFV 100.000 neue Verträge an. 2018 waren es noch 55.000.

 

Der eingeschlagene Wachstumskurs hat allerdings auch seinen Preis. Während das Unternehmen 2017 noch 1,2 Mio. Euro verdiente, musste Knoll für 2018 einen Verlust von 3,3 Mio. Euro melden. Ursächlich dafür seien vor allem Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Börsengang, eine durch die Situation am Kapitalmarkt unvermeidliche Abschreibung auf Kapitalanlagen sowie erhöhte Kosten für den Vertrieb gewesen. Der Verlust sei aber keineswegs überraschend. Das Verhältnis von Bestands- zu Neugeschäftsverträgen liege zurzeit bei 2:1. Hohes Wachstum ginge aber naturgemäß mit hohen Vertriebskosten speziell in den ersten 12 Monaten eines Neuvertrages einher. Der CEO sprach trotz des aktuellen Minus von einem "phänomenal guten Jahr". Die Gewinnzone werde man voraussichtlich ab 2021 wieder erreichen. Für das laufende Jahr werde der Verlust mit 9 bis 12 Mio. Euro vermutlich noch um einiges höher ausfallen als im Jahr 2018.

 

 

Die DFV sieht den steilen Wachstumskurs indes als große Chance für das Unternehmen. Mit ihren modernen IT-Konzepten sei die digitale Versicherung der gesamten Konkurrenz momentan nahezu uneinholbar weit voraus. Viele marktbedeutende Wettbewerber arbeiteten noch mit veralteten IT-Systemen. Dieser Vorteil müsse genutzt werden, so Knoll. Aus den durch den Börsengang zugeflossenen Mitteln in Höhe von knapp 50 Mio. Euro werde daher neben anderen Gebieten auch konsequent in den weiteren Ausbau der IT-Infrastruktur investiert, um den Vorsprung zu halten. Ferner soll der Vertrieb erneut gesteigert, zugleich aber der Rückversicherungsumfang angepasst werden. Außerdem prüft die DFV erstmals eine Auslandsinvestition in einem der Euro-Staaten. Die zuletzt gesunkene Zahl der Mitarbeiter solle bis Jahresende von derzeit 111 auf 135 erhöht werden. Zusätzliche Impulse erwartet man von der Premium-Partnerschaft mit Eintracht Frankfurt.

 

Im Bereich der Kranken-Zusatzversicherungen will die DFV zu den fünf führenden Unternehmen der Branche aufschließen. Wachsen will man aber auch bei den Sachversicherungen. Deren Anteil von 3,5 Prozent in 2018 soll sich bis Jahresende auf 10 Prozent erhöhen und dem Geschäftsfeld der Kranken- und Pflegeversicherungen schrittweise ebenbürtig werden. Die ambitionierten Geschäftsziele der Deutschen Familienversicherung spiegeln sich zurzeit allerdings noch nicht angemessen im Aktienkurs nieder, wie Knoll einräumte. Gegenüber Dezember 2018 verlor die Aktie im Wert über 17 Prozent, was nach Worten des CEO vor allem an einem zu geringen Freefloat liege.                                                                                                             
Stefan M. Knoll · Deutsche Familienversicherung · Deutsche Börse · Aktien
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