Oliver Ehrentraut,  Prognos-Chefökonom und Direktor
Oliver Ehrentraut,  Prognos-Chefökonom und DirektorQuelle: Brüss, Manfred
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Weiler bezeichnet Ergebnis der Prognos-Studie zu Rente als "nicht erfreulich"

Von Manfred BrüssTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wie schlecht steht es um die Rente? Im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die Prognos AG einmal untersucht, wie hoch die Rentenlücke anhand der Kriterien Rentenniveau, Lebenserwartung und Zinsumfeld für einen 1960, 1975 und 1990 geborenen ausfallen könnte.

 Das Ergebnis verwundert nicht, die jüngeren Jahrgänge haben eine höhere Rentenlücke auf das vor der Riester-Reform herrschende Rentenniveau von 55 Prozent als die älteren. GDV-Präsident Wolfgang Weiler mahnte dringend Riester-Reformen an. Auch die Altersgrenze von 67 Jahren dürfe man nicht tabuisieren.

 

Für die im Jahr 1960 geborenen errechnete die Prognos AG bei einem durchschnittlichen Rentenniveau von 48,3 Prozent eine Rentenlücke von 5,6 Prozent. Der Einstieg in die Rente mit 67 schlägt hier mit 1,1 Prozent positiv zu Buche, wie Oliver Ehrentraut, Prognos-Chefökonom und Direktor, vor der Presse in Berlin erläuterte. Bei dem Jahrgang 1975 wird nur noch ein Rentenniveau von 43,2 Prozent unterstellt. Die längere Lebensarbeitszeit schlägt mit 1,9 Prozent positiv durch. Die Sicherungslücke steigt bereits auf 9,9 Prozent. Und für 1990 geborene, die im Jahr 2057 in Rente gehen können, wird entsprechend ein Rentenniveau von durchschnittlich noch 41,9 Prozent unterstellt. Die Sicherungslücke steigt auf 11,3 Prozent. Für den Jahrgang 1960 wird eine Rentenbezugsdauer von 21 Jahren erwartet, für den Jahrgang 1975 dürfte die Rentenbezugszeit bereits 22 Jahre und für den Jahrgang 1990 dann schon 24 Jahre betragen.

 

Altersvorsorgebedarf steigt mit längerer Rentenbezugszeit

 

Durch den längeren Rentenbezug erhöht sich der Altersvorsorgebedarf. Nominal liegt das erforderliche Sparvolumen für den Jahrgang 1960 mit 47.000 Euro noch vergleichsweise überschaubar. Der Jahrgang 1975 muss aber schon 137.000 Euro ansammeln. Und die 1990 geborenen müssten in ihrem Arbeitsleben 259.000 Euro sparen, wobei für jeden Jahrgang der Beginn des Altersvorsorgesparens ab dem 26. Lebensjahr unterstellt wurde.

 

GDV-Präsident Weiler sagte, die Prognos-Ergebnisse seien sicherlich nicht erfreulich, aber sie stellten ein ehrliches Fazit da. Einfach den Schluss zu ziehen, die Menschen müssten halt mehr sparen, sei nicht die Lösung, da viele Menschen schon heute Mühe hätten, das Geld für die private Altersvorsorge aufzubringen. Weiler forderte eine durchgreifende Reform der Riester-Rente, denn Ziel es ja gewesen sei, die entstehende Rentenlücke mit der geförderte Altersvorsorge zu schließen. "Das wäre auch ein Gebot der Fairness im Umgang des Staates mit seinen Bürgern", sagte Weiler. Die Riester-Rente habe massiv an Wirkung verloren, weil der förderfähige Höchstbetrag bei der Riester-Rente seit 2001 unverändert bei 2.100 Euro im Jahr festgeschrieben worden sei. Richtig wäre eine Dynamisierung bei vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Dies wären heute 3.216 Euro.

 

Weiler und auch Ehrentraut stellten die Altersgrenze von dauerhaft 67 Jahren in Frage. „Aus meiner Sicht darf diese Frage kein Tabu sein“, sagte Weiler. Zu keiner Zeit seien die Menschen in Deutschland älter geworden und hätten mehr Jahre im Ruhestand verbracht als heute. Weiler hofft, dass sich die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ auch mit der Frage Lebensarbeitszeit und Rentenbezugsdauer auseinandersetzt. 

GDV · Prognos · Riester-Rente
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