Politik & Regulierung

Provisionsdeckel in Leben? Kaum Vermittlerbeschwerden beim Ombudsmann

Von Manfred BrüssTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der inzwischen durch Wilhelm Schluckebier abgelöste langjährige Versicherungsombudsmann Professor Günter Hirsch hat gestern vor der Presse in Berlin den noch von ihm zu verantwortenden Jahresbericht 2018 vorgelegt. Die vom Bundesfinanzministerium gesehene Notwendigkeit eines Provisionsdeckels beim Vertrieb von Lebensversicherungen lässt sich jedenfalls aus dem Zahlenwerk des Ombudsmanns nicht ableiten. Die zulässigen Beschwerdezahlen sind verschwindend gering.

Nach den von Ombudsmann Hirsch für 2018 vorgelegten Zahlen gingen die Beschwerdeeingaben sowohl gegen Versicherungsvermittler als auch gegen Versicherungsunternehmen um jeweils knapp fünf Prozent zurück. Und von den 283 (2017: 297) Eingaben gegen Vermittler wurden nur 36,4 Prozent oder 103 als zulässig eingestuft. Und davon betrafen ganze 45 Beschwerden den Bereich der Lebensversicherung. Prozentual betrachtet machen die zulässigen Beschwerden gegenüber Versicherungsvermittlern zwar mit 43,7 Prozent den mit Abstand größten Anteil aus. 2017 hatte dieser Wert aber noch bei 58,6 Prozent gelegen Wenn man diese Zahlen in Relation zu den allein 2018 vermittelten Lebensversicherungen im Umfang von 4,7 Millionen - um vom Bestand 82,3 Millionen Ende 2018 erst gar nicht zu sprechen - , dann lässt sich aus diesem Beschwerdeaufkommen keine Notwendigkeit für einen Provisionsdeckel erkennen. Die Erfolgsquote der zulässigen Vermittlerbeschwerden lag im vergangenen Jahr mit 31,4 (2017: 19,8) Prozent deutlich höher. Hier wurde jedoch nicht nach Sparten tiefer aufgeschlüsselt. In seinem Jahresbericht hält der Ombudsmann fest, dass die Anzahl der Beschwerden gegen Versicherungsvermittler für eine detaillierte statistische Auswertung zu gering ist. Nach den Daten des Deutschen Industrie- und Handelskammertag gab es Ende vergangenen Jahres noch gut 200.000 Versicherungsvermittler. Auch dies macht das verschwindend geringe Beschwerdeaufkommen gegen Vermittler deutlich.

Rückläufiges Beschwerdeaufkommen setzt sich auch 2019 fort

Nach den vom Versicherungsombudsmann veröffentlichen Daten setzt sich der Trend zu einem geringeren Beschwerdeaufkommen fort. Im ersten Quartal 2019 gingen noch 4.893 Beschweren beim Ombudsmann ein. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es noch 5.178 Eingaben gewesen. Insgesamt waren die Eingaben in 2018 um vier Prozent auf noch 18.956 (19.754) gesunken. Davon wurden vom Ombudsmann wiederum nur 14.147 (minus 5,1 Prozent) als zulässig eingestuft. Auch hier fällt bei Betrachtung der Gesamtzahlen auf, dass die Zahl der zulässigen Beschwerden im Bereich der Lebensversicherung um 19,7 Prozent oder 762 Eingaben auf noch 3.115 deutlich zurückging. Wie schon im Vorjahr waren Versicherungskunden vor allem mit den Leistungen der Rechtsschutzversicherung im Unreinen, obwohl auch hier die Beschwerdezahl um 6,0 Prozent auf 3.773 (4.015) ank. Bei den zulässigen Beschwerden gegen Versicherungsunternehmen waren im vergangenen Jahr im Bereich der Lebensversicherung 26,2 (2017: 23,6) Prozent erfolgreich In den übrigen Sparten lag die Erfolgsquote der Beschwerdeführer mit 44,1 (43,0) Prozent deutlich höher.

Verbraucherschützer würdigen die Arbeit des Ombudsmanns

In einem Grußwort zum Jahresbericht 2018 schreibt der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes Klaus Müller, entscheidend für Verbraucher sei ein schnelles Ergebnis in der Schlichtung. "Dass der Versicherungsombudsmann die gesetzlich vorgesehene 90-Tagefrist im Schnitt sogar dann einhält, wenn man die Frist ab Beschwerdeeingang rechnet, beweist Professionalität." Dem Jahresbericht zufolge konnten die zulässigen Beschwerden im vergangenen Jahr im Durchschnitt in 2,6 (Vorjahr 2,8) Monaten abgearbeitet werden. Für Müller ist noch wichtig, dass Verbraucher auch gegenüber Vermittlern eine hochwertige Streitschlichtung wie bei den Versicherungsunternehmen nutzen können. Der Gesetzgeber hat die Teilnahme von Vermittlern am Schlichtungsverfahren gesetzlich festgelegt. Den jetzt aus dem Amt geschiedenen Professor Hirsch bescheinigte Müller eine überragende juristische Fachkompetenz und hohe Empathie gegenüber den Beschwerdeführern. Mit Herrn Schluckebier werde an der "Tradition der Fachkompetenz" festgehalten.

Versicherungsombudsmann · Provisionsdeckel
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