Eine Glatze kann auch Frauen betreffen - oder Mode sein.
Eine Glatze kann auch Frauen betreffen - oder Mode sein.Quelle: Clarissa Schwarz  / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Partieller Haarverlust ist bei Frauen eine Behinderung: Versicherer muss Echthaarteil zahlen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Haarausfall wiegt für Frauen ungleich schwerer als für Männer. Das ist einleuchtend, weswegen das Urteil des Landessozialgerichtes Niedersachsen-Bremen nicht überrascht, welches besagt, dass die Versorgung mit einem maßgefertigten Echthaarteil aus medizinischen Gründen erforderlich sein kann.

Geklagt hatte eine Frau, die wegen einer Schuppenflechte kreisrunden Haarausfall zu beklagen hatte. Um die Blöße zu bedecken, beantragte sie bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse ein handgeknüpftes Echthaarteil im Wert von 1.290 Euro. Die Kasse lehnte ab und argumentierte laut kostenlose-urteile.de, dass die Frau auch eine Perücke tragen könne, da sie sich "nicht überwiegend in der Öffentlichkeit", sondern erhebliche Zeit "im privaten Umfeld bewege".

 

Eine Kunsthaarperücke sei daher zur Wiederherstellung eines unauffälligen Erscheinungsbildes ausreichend, eine teure Versorgung über den Regelsatz von 511 Euro hinaus sei "unwirtschaftlich".

 

Richter pro Haarersatz

 

Das Gericht urteilte zu Gunsten der Klägerin. Die Krankenkasse müsse die kompletten Kosten übernehmen. Der partielle Haarverlust sei bei einer Frau "als Behinderung zu bewerten".

Grundsätzlich schulde die Kasse als Behinderungsausgleich nur eine Lösung, die den Haarverlust nicht "sogleich erkennbar werden lässt". Eine umfassende Rekonstruktion des ursprünglichen Aussehens sei daher nicht von der Leistungspflicht umfasst.

 

Allerdings, im Einzelfall könne auch ein maßgefertigtes Echthaarteil aus medizinischen Gründen erforderlich sein. Ein solcher Fall liege an dieser Stelle vor. Eine Kunsthaarperücke wäre bei der Klägerin keine "zweckmäßige Versorgung".