Big Ben in London
Big Ben in LondonQuelle: Marcel Klinger / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Rückversicherung 2019 zwischen Ausnahmezustand und neuer Normalität

Von Prof. Stefan MaterneTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die gegenwärtigen Zeiten sind von Instabilität und Unsicherheit geprägt. Das politische und ökonomische Projekt Europa wird von einzelnen populistisch und nationalistisch geprägten Regierungen einem Stresstest unterzogen. Großbritannien möchte ausscheiden - scheint aber derzeit keinen Weg zu finden, dieses Vorhaben durchzuführen.  Was sind die politischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Auswirkungen dieser Situation, und wie kann sich die (Rück-) Versicherungsindustrie darauf einstellen? Ein Gastbeitrag von Stefan Materne zum heutigen 16. Kölner Rückversicherungs-Symposium.

Unsere Branche steht vor zusätzlichen Herausforderungen. Nach dem Rekord-Schadenjahr 2017 brachte auch 2018 substantielle finanzielle Belastungen, wenn auch deutlich geringer als das Vorjahr. Die Reaktion der Rückversicherer erscheint nicht durchweg konsistent: In der Erneuerung 2017/18 waren substantielle Preis- und Bedingungsverbesserungen gefordert worden, die dann im Wesentlichen jedoch verfehlt wurden. Dennoch zeigten sich die Risikoträger bereits im Vorfeld der Erneuerung 2018/19 mit einer Seitwärtsbewegung (‚risk adjusted flat‘) zufrieden, die sich dann auch prompt einstellte. Zeitgleich kündigte die BaFin für 2019 zudem eine Überprüfung des RV-Preisniveaus an. 

 

Gleichzeitig zog der Retrozessionsmarkt in der letzten Vertragsverlängerung stark an. Diejenigen Rückversicherer, die von dieser Ressource abhängig sind, finden sich in der problematischen Lage wieder, die erhöhten Zulieferkosten nicht an ihre Kunden weitergeben zu können. Die Hoffnungen der Branche richten sich nun auf die unterjährigen Erneuerungstermine. 

 

Werden sich diese Hoffnungen erfüllen? Können Wachstumsfelder wie Cyber profitabel erschlossen werden? Sollte das Geschäftsmodell Rückversicherung modifiziert werden? 
Und könnte der substantielle Preisanstieg im Retromarkt auf eine zunehmende Nervosität der ILS-Investoren zurückzuführen sein? Trotz der HIM-Schäden und den zusätzlichen Belastungen durch Trapped Collaterals zeigten sie sich in dem Renewal 2017/18 noch betont entspannt. Ist dies der Wendepunkt, oder setzt sich der massive Zufluss an finanziellen Mitteln in diesen Markt fort? Bereiten die ILS-Investoren ihren Ausstieg vor? Was wäre deren Reaktion auf ein etwaiges Ende des Quantitative Easings der Notenbanken oder auf ein Ende der Null-Zins-Politik?

Rückversicherung · Stefan Materne
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