Hendrik C. Jahn (links) und Markus Heyen (rechts)
Hendrik C. Jahn (links) und Markus Heyen (rechts)Quelle: mvb
Märkte & Vertrieb

KPMG warnt vor Prämienabrieb bis 2030

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Große Internetkonzerne wie beispielsweise Google oder Amazon bauen ihre Dienstleistungsangebote weiter aus und drängen dabei zunehmend auch auf den lukrativen Versicherungsmarkt. Schon heute stellt diese Entwicklung die Branche im Bereich des privaten Kompositgeschäfts vor neue Herausforderungen. Das wird in Zukunft noch stärker der Fall sein. Das "klassische" Versicherungsgeschäft werde indes, so KPMG-Partner Hendrik C. Jahn, in den kommenden zehn Jahren von heute rund 35 Mrd. Euro an Prämieneinnahmen auf nur noch 31 bis 32 Mrd. Euro zurückgehen.

Der Anteil am Gesamtvolumen wird den Erwartungen nach dann erst rund fünf Mrd. von insgesamt 37 Mrd. Euro ausmachen. Aber entscheidend anwachsen wird die Profitabilität bei digitalen Ökosystemen und daher mit über 15 Prozent Zuwachs ein wesentlicher Wachstumstreiber werden. Das "klassische" Versicherungsgeschäft werde indes, so KPMG-Partner Hendrik C. Jahn, in den kommenden zehn Jahren von heute rund 35 Mrd. Euro an Prämieneinnahmen auf nur noch 31 bis 32 Mrd. Euro zurückgehen.

 

Neben dem Blick in die Zukunft wurde eine aktuelle Studie Jahns und seines Mitpartners Markus Heyen zur Geschäftsentwicklung von 58 Versicherungsunternehmen im Bereich Kompositversicherungen vorgestellt. Ihr liegt ein Fünfjahreszeitraum von 2012 bis 2017 zugrunde: Erfasst wurden dabei die Versicherungsarten Kfz, Gebäude, Hausrat, Unfall und Cyber. Die Branche erzielte hier einen Wertbeitrag von durchschnittlich fünf Prozent. Aber nur drei der ganz großen Versicherungskonzerne konnten sich in ihrer Performance vom Markt absetzen. "Dennoch haben auch sie es nicht geschafft, den Markt entscheidend zu dominieren", so Jahn. Dabei sei eine zunehmende Zweiteilung bei der Entwicklung der festzustellen Wertbeiträge festzustellen. Erfolgreich seien die ganz großen Marktteilnehmer einerseits sowie kleine Versicherer unter 250 Mio. Euro gewesen, die sich als Spezialanbieter in ganz bestimmten Segmenten einen Namen gemacht hätten.

 

Als Trend der Zukunft rechnen die Experten mit einer wachsenden Bedeutung der digitalen Ökosysteme und einem Rückgang der bisherigen Vertriebssysteme über die persönliche Beratung oder die Online-Schiene der konventionellen Versicherungsunternehmen. Warum das so ist, erläuterte Jahn wie folgt: Zum einen wissen Kunden heute mehr denn je über die Materie Bescheid, gehen weniger Kompromisse bei Preis und Leistung ein und sind in der Lage, im Internet selbst Vergleiche anzustellen. Zum anderen lassen sich heute mithilfe moderner Technologien wesentlich zielgenauer Kundenwünsche herausfiltern - Vorteile digitaler Ökosysteme. Schließlich locken diese die hohen Volumina des Versicherungsmarktes an und bringen sie dazu, dort mit all ihrer Finanzkraft mit neuen Produkten einzusteigen.

 

Wie schnell die Trendwende hin zu den digitalen Ökosystemen über die Bühne gehen wird, darüber kann letztendlich nur spekuliert werden. Klar dürfte aber nicht nur aus Sicht der KPMG sein, wohin sich der Markt entwickelt und dass dies den Wettbewerb der Versicherer im Bereich des Privatkundengeschäfts bei Kompositversicherungen verschärfen wird. Besonders die Branchenriesen werden sich die Frage stellen müssen, ob sie selbst als "Orchestrator" ein eigenes digitales Ökosystem aufbauen oder nur langfristig den Absatz ihrer Produkte als "Lieferant" für große Ökosysteme steigern wollen. Ein neues eigenes System dürfte schwer sein. Ein solcher Schritt bedarf einer Größenordnung "loyaler" Kunden in Höhe von wenigstens zehn Prozent, schätzte Jahn. Jedes Versicherungsunternehmen sollte sich selbstkritisches fragen, was man in einem Ökosystem erreichen kann und will und was man lieber anderen Marktteilnehmern überlässt.

KPMG · Kompositgeschäft · Kompositversicherung
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