Helmut Posch, Verwaltungsratspräsident der PrismaLife AG
Helmut Posch, Verwaltungsratspräsident der PrismaLife AGQuelle: PrismaLife
Schlaglicht

Posch: "Wir sind Pionier bei Nettotarifen"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Lebensversicherer Prisma Life hat im letzten Jahr gut verdient. Rund 5,3 Mio. betrug der Jahresüberschuss Ende 2018. Wachstumstreiber waren dabei vor allem die Nettotarife. VWheute hat exklusiv mit Verwaltungsratschef Helmut Posch über aktuelle strategische Ziele gesprochen.

PrismaLife konnte im Jahr 2018 ihren Jahresüberschuss auf 5,3 Mio. Euro steigern. Was sind die Gründe für den Anstieg?

2018 war ein weiteres gutes Jahr für die PrismaLife und das dritte Überschussjahr in Folge. Konsequentes Kostenmanagement, weitere Prozessverbesserungen und die Konzentration auf ertragsstarkes Geschäft führen zu stabilen Ergebnissen, die wir in neue attraktive Produkte investieren.

"Unangemessen hohe Abschlusshonorare", "Prisma such dringend Investor" - sind die Probleme der Vergangenheit restlos ausgeräumt und woran machen Sie das fest?

Ja, die Gesellschaft erwirtschaftet stabile Erträge und stärkt ihre Positionierung bei Nettotarifen weiter. Inzwischen stammen drei Viertel unseres Neugeschäfts aus Nettotarifen, und unsere Diversifikation in neue Märkte und Zielgruppen finanzieren wir aus eigener Kraft. Für den kleineren Anteil des Neugeschäfts mit Provisionsvergütung zahlen wir eine Abschlussprovision, die sich an der Höhe des derzeit in Diskussion befindlichen Provisionsdeckels orientiert. In unserer Strategie ist klar festgelegt, dass wir auf eine faire Balance zwischen allen Stakeholder achten. Auch das ist eine Grundlage für gelebte Nachhaltigkeit.

Sie wollen nachhaltige Vorsorge und Vermögensaufbau in den Vordergrund ihres Tuns stellen. Was kann sich der Leser darunter vorstellen?

Es ist unser Selbstverständnis, dass Vermögensvorsorge für den Menschen auf nachhaltiger Basis basiert. Wir setzen Nachhaltigkeit auf drei Ebenen um: Erstens haben wir die eigenen Kapitalanlagen im Deckungsstock unter ESG-Kriterien komplett neu ausgerichtet. Zum Ende des ersten Quartals 2019 lagen wir bereits bei einem ESG-Score von 75 Prozent. Weitere Maßnahmen zur schrittweisen Anhebung folgen. Zweitens haben wir auch das Angebot der Strategien und Fondslösungen für unsere Kunden überarbeitet. Derzeit bieten wir 11 explizite Nachhaltigkeitsfonds an. Diese Palette werden wir noch erweitern. Und drittens verfolgen wir auch firmenintern Nachhaltigkeitsziele: im ökologischen Bereich, mit Maßnahmen für die Mitarbeiter und mit unserem gesellschaftlichen Engagement am Standort Liechtenstein, unter anderem im Bildungsbereich. Das Thema Nachhaltigkeit hat in Liechtenstein einen sehr hohen Stellenwert. Im Rahmen unserer Strategieentwicklung war es nicht zuletzt ein Anliegen des gesamten Mitarbeiterteams, das Unternehmen nachhaltig auszurichten.

Was sind die Ziele von PrismaLife in der Altersvorsorge, wieviel Wachstum wollen Sie dieses Jahr erreichen?

Wir sind Pionier bei Nettotarifen und bieten zudem in ausgewählten Bereichen Biometrieprodukte an. 2019 läuft sehr gut an, wir liegen mit dem Neugeschäft deutlich über dem Vorjahr. Wir haben kein Volumenziel im Neugeschäft, vielmehr wollen wir mit ausgesuchten Vertriebspartnern, die unsere Philosophie teilen und den Kundennutzen darin sehen, kontinuierlich wachsen. Mit unserem Standortvorteil in Liechtenstein wollen wir die sich daraus ergebenden Chancen nutzen. Von hier aus können wir sowohl die EU-Länder als auch die Schweiz und die übrigen Staaten der EFTA bedienen. Dabei erschließen wir neue Zielgruppen, insbesondere bei international mobilen Arbeitnehmern. In Österreich starten wir aktuell mit einem neuen Produkt.  Die Schweiz wird noch in diesem Jahr folgen. Langfristig soll der Anteil des Neugeschäfts aus neuen Ländermärkten auf 50 Prozent steigen. Vor allem geht es uns um qualitativ hochwertiges, bestandsfestes Geschäft und nicht um Volumenziele.

Als besonderer Wachstumstreiber hätten sich 2018 die Nettotarifabschlüsse erwiesen. Ihr Anteil stieg auf 75 Prozent (2017: 66 Prozent, 2016: 50 Prozent). Wird sich dieser Trend fortsetzen und sind Nettotarife die Lösung im darbenden LV-Markt?

Nettotarife sind unser Kerngeschäft, und wir gehen davon aus, dass wir den Anteil noch weiter ausbauen. Wir bieten aber alle Tarife auch in einer Netto- und einer Bruttovariante an, wobei wir die Abschlussprovision deutlich reduziert haben. Wir sind aber keine Gegner von Provisionen. Letztlich kostet gute Beratung Geld. Der Kunde soll entscheiden, welches Vergütungsmodell ihm lieber ist.

Sie wollen Österreich und die Schweiz erobern. Wie schätzen sie das Wachstumspotenzial ein, wie die Konkurrenzsituation?

Wir gehen nicht breit in den Markt, sondern zielen auf spezifische Zielgruppen, beispielsweise international orientierte, mobile Arbeitnehmer. Dabei arbeiten wir mit ausgewählten Vertriebspartnern zusammen, die hierfür das passende Know-how mitbringen. Deshalb sind attraktive Produkte für den Kunden, schlanke Prozesse und hohe Automatisation aus unserer Sicht relevanter als starre Wachstumsziele oder Wettbewerbsfragen.

Herr Posch, Sie sind Verwaltungsratspräsident von Prisma Life und führen ihres eigenes Beratungsunternehmen. Wie bekommen Sie diese Aufgaben unter einen Hut?

Die Rolle des Verwaltungsrates einer Liechtensteiner Gesellschaft ist sicher stärker auch in die Gestaltung und strategische Ausrichtung des Unternehmens eingebunden als die eher kontrollierende Funktion eines deutschen Aufsichtsrates. Aber die Führung des Unternehmens liegt eindeutig bei der Geschäftsleitung, die im Übrigen einen sehr guten Job macht. Der Verwaltungsrat hat die strategische Entwicklung aktiv begleitet und ist Sparringspartner der Geschäftsleitung. Das verträgt sich gut mit den vielfältigen Erfahrungen, die der gesamte Verwaltungsrat einbringt.
Helmut Posch · PrismaLife
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