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Politik & Regulierung

Bundesrat gibt grünes Licht für E-Scooter - aber mit Änderungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Bundesrat hat am Freitag grünes Licht für die Zulassung von E-Scootern auf deutschen Straßen gegeben. Damit hat die Länderkammer einer Verordnung des Bundesverkehrsministeriums zugestimmt. Allerdings verlangen die Bundesländer noch einige Änderungen. Die Versicherer stehen jedenfalls schon in den Startlöchern.

Demnach sollen die neuen Gefährte nach dem Willen des Bundesrates generell erst für Jugendliche ab 14 Jahren erlaubt werden und nicht bei langsameren Modellen schon ab 12 Jahren wie zunächst vorgesehen. Zudem sollen nur E-Trettroller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde zugelassen werden. Eine Helmpflicht soll es nicht geben, auch einen Moped-Führerschein brauchen Fahrer nicht. Dafür sind diese Gefährte - im Unterschied zu anderen Fahrrädern - versicherungspflichtig. Entgegen der ursprünglichen Pläne sollen die E-Trettroller grundsätzlich nur noch auf Radwegen zugelassen werden und nicht auf den Gehwegen. Für eine solche Regelung hatte sich jüngst auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stark gemacht. "Besonders ältere Personen sind schon allein durch einen Sturz potenziell von langwierigen Verletzungsfolgen betroffen. Insofern ist Zulassung der Nutzung auf Fußverkehrsflächen abzulehnen", begründete der GDV seine Forderung.

Versicherer springen auf E-Scooter auf

Mittlerweile sind auch einige Versicherungskonzerne dennoch auf den neuen Trend angesprungen und sehen darin ein neues Umsatzpotenzial. So sieht die Bayerische im Markt ein "großes Potenzial" und sich selbst gut aufgestellt. Die Ergo will in diesem Bereich "auch etwas machen werden". Und auch Wertgarantie möchte in das Geschäft einsteigen, es scheint ein interessanter Wettbewerb zu werden. Nahezu zeitgleich zur Bundesratsentscheidung kündigte die Provinzial Nordwest die Einführung eines entsprechenden Haftpflichtversicherungsschutzes an. Die Württembergische will dabei mit einer taggenauen Abrechnung punkten und die Zurich stellt seit Anfang April 2019 "exklusiv den Versicherungsschutz für die zwei ersten offiziell zugelassenen E-Scooter Modelle zur Verfügung". Auch die Signal Iduna will in den Markt einsteigen und hat sich dafür beim E-Scooter-Start-Up Flash eingekauft.

Vor allem junge Leute sind offen für E-Trettroller

Laut einer aktuellen Yougov-Umfrage im Auftrag der DEVK sind vor allem junge Leute offen für die neuen Fahrzeuge. So können sich 18 Prozent der Deutschen vorstellen, einen E-Scooter zu kaufen. Bei jungen Leuten ist das Interesse größer. Fast ein Viertel der 25- bis 34-Jährigen erwägt demnach einen E-Scooter zu kaufen. Bei Bedarf einen zu mieten, kommt für 13 Prozent der Deutschen infrage - immerhin für 16 Prozent der Männer. 21 Prozent aller 18- bis 24-Jährigen erwägen, sich einen zu leihen. Allerdings können sich 46 Prozent nicht vorstellen, einen E-Scooter zu nutzen. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es nur 32 Prozent. Dass E-Scooter für den Straßenverkehr zugelassen werden, akzeptieren jedoch die meisten der rund 2.000 befragten Bundesbürger. Nur 16 Prozent der Befragten sind dagegen. Angst vor Unfällen mit den neuen Gefährten haben lediglich 15 Prozent. Besonders um die Fußgänger machen sich die Deutschen Sorgen (24 Prozent). Radfahrer (13 Prozent) und Autofahrer (14 Prozent) stehen weniger im Fokus.
Was halten die Deutschen vom E-Scooter?
Was halten die Deutschen vom E-Scooter?Quelle: DEVK

E-Scooter haben dennoch Potenzial

Jedenfalls scheint es in Deutschland jüngsten Umfragen zufolge durchaus Potenzial für die neuen Gefährte zu geben. Laut einer Umfrage von Swiss Life Select können sich 36 Prozent der volljährigen Bundesbürger vorstellen, innerhalb der nächsten drei Jahre einen eigenen E-Scooter zu erwerben. Damit liege das Potenzial bei mindestens 24,1 Millionen Geräten. Knapp die Hälfte der Befragten könnte sich vorstellen, mit den Fahrzeugen vor allem kleinere Einkäufe zu erledigen (48 Prozent), die Wege zur Arbeit, Schule bzw. Universität zurückzulegen (36 Prozent), kleinere Ausflüge in der näheren Umgebung zu unternehmen (35 Prozent) sowie Strecken zwischen Haustür und Haltestellen von öffentlichen Verkehrsmittel zu überwinden (34 Prozent).
Marktgröße für E-Scooter
Marktgröße für E-ScooterQuelle: Swiss Life
Dabei scheint der E-Scooter vor allem in Sachen Klimafreundlichkeit bei den Deutschen zu punkten. 43 Prozent der 16- bis 64-Jährigen würden laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom auf private Autofahrten in der Stadt verzichten, wenn es ausreichend E-Scooter gäbe. Bei den Älteren ab 65 sind es immerhin noch 15 Prozent. Quer durch alle Altersgruppen ist jeder zweite Bundesbürger (50 Prozent) überzeugt, dass E-Scooter ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz wären. Aber: Während die Senioren ab 65 Jahre vor allem Gefahren sehen und mehrheitlich für ein Roller-Verbot plädieren, betonen die Jüngeren die Vorteile und fordern eine rasche Zulassung von E-Rollern. 
"An E-Scootern scheiden sich in Deutschland die Geister. Selten hat eine neue Technologie gleichzeitig so starken Zuspruch und so starke Ablehnung erfahren wie Elektro-Roller."
Achim Berg, Bitkom-Präsident
Was denken die Bundesbürger über den E-Scooter
Was denken die Bundesbürger über den E-ScooterQuelle: Bitkom
"Wir brauchen alternative Formen der Mobilität in unseren Städten. E-Scooter können eine ideale Ergänzung zu Bus und Bahn für die letzten Kilometer zum Ziel sein und damit den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen. Die Bundesregierung hat die Weichen für den Einsatz von E-Rollern geschaffen. Die Zulassung muss jetzt rasch kommen. Dabei muss die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewahrt bleiben – andere Länder haben gezeigt, dass das geht und wie es geht", kommentiert Bitkom-Präsident Achim Berg die Umfrage.

E-Scooter soll im Sommer kommen

Nach den Plänen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) soll der E-Tretroller noch im Sommer zugelassen werden und damit neue Mobilitätsangebote vor allem in Städten schaffen - zum Beispiel von einer Bushaltestelle weiter nach Hause oder ins Büro. In mehreren deutschen Städten machen sich Leihanbieter bereits für einen Start bereit. So rechnet man allein in der bayerischen Landeshauptstadt München mit etwa 10.000 E-Scootern. Auch in der Finanzmetropole Frankfurt am Main könnten es Schätzungen zufolge zwischen 5.000 und 10.000 werden.
E-Scooter · Bundesrat
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