Die Kölner Pensionskasse räumt mit Fehlern der Vergangenheit in einem Brief auf
Die Kölner Pensionskasse räumt mit Fehlern der Vergangenheit in einem Brief aufQuelle:  Gaby Stein / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

Sanierung der Kölner Pensionskasse: Unternehmen offenbart haarsträubende Fehler, punktet dafür mit Ehrlichkeit

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Kölner Pensionskasse hat massive finanzielle Probleme, aber auch Fehler begangen. Die Bafin hat das Neugeschäft untersagt und beaufsichtigt die Kasse, die sich jetzt per Schreiben an die Unternehmen wendet, mit denen sie geschäftlich verbunden ist.  Das Ziel des Briefes ist eine ehrlich klingende Entschuldigung und das Aufzeigen des künftigen Weges. Mit ihren Problemen ist das Haus nicht allein, andere Pensionskassen haben ebenfalls erhebliche Herausforderungen vor sich.

Die Kölner Pensionskasse vollzieht in dem Brief eine Aufzählung ihrer Fehler. Das Unternehmen spricht davon, die "Rahmenbedingungen und Risiken der Niedrigzinsphase nicht ausreichend berücksichtigt zu haben", woraus sich "Unzulänglichkeiten" bei der Kapitalanlage ergaben. Gleiches gelte für das "sogenannte Langlebigkeitsrisiko", was zu einer "geringen Risikovorsorge" führte. Hinzu kam, dass "Fehler in der Tarifkalkulation gemacht wurden". Diese "finanzielle Schieflage der Pensionskasse" und die "nunmehr notwendige Sanierung" seien die Folge.

 

Zusammengefasst bedeutet das Beschriebene, dass die Niedrigzinsphase falsch gehandhabt und das Geld der Kunden nicht gut angelegt wurde. Sogar das Brot- und Buttergeschäft Langlebigkeit ist falsch berechnet worden. Für eine Pensionskasse sind die aufgezählten Aufgaben wesentlich und keine Bonusleistungen. Wie eine solche Fehlentwicklung trotz Aufsichtsrat und Bilanzprüfung so lange unbemerkt bleiben konnte, ist nicht zu erklären.

 

Die Kunden zahlen die Zeche

 

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) als letzte Bastion der Kunden hat wohl Schlimmeres verhindert, dennoch sind die Auswirkungen niederschmetternd. Der Aktuar der Kasse habe in Verbindung mit dem Vorstand, dem Versicherungstreuhänder, dem Wirtschaftsprüfer und der Bafin festgestellt, dass als "einzig sinnvolle Maßnahme" die "Herabsetzung der Leistungen verbleibe".

Die Versicherungsleistungen für Rentner und Anwärter werden herabgesetzt, die Erhöhung der Beiträge und Verlängerung der Beitragszahlungsdauer betrifft die Anwärter. In anderen Worten, die Zeche zahlen die Kunden.

 

Offensichtlich sieht das Unternehmen einen Teil der Schuld des Missstandes beim ehemaligen Vorstand Christof Heinrich, der das Unternehmen Ende November des letzten Jahres verließ und Olaf Keese Platz machte – VWheute berichtete. Er soll das Unternehmen nun auf "stabile Beine" stellen. Der ehrliche Brief an die Unternehmen ist ein erster Schritt, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen.

 

Gestern tagte die Mitglieder-Vertreterversammlung, um den Eingriff in das Beitrags- und Leistungsgefüge zu besprechen. Bis Redaktionsschluss war auf der Unternehmensseite noch keine Meldung darüber zu finden, wie hart die Einschnitte ausfallen werden. In besagtem Brief an die Unternehmen schreibt die Kölner Pensionskasse von "Kürzungen der garantierten Leistungen wie der bereits zugeteilten Überschussanteile". Die Betroffenen werden per Schreiben informiert werden, wie bedeutend ihre Sanierung ausfallen wird.

 

Die Unternehmen haben ein Problem

 

Nicht nur die Kunden sind von der Entwicklung der Kölner Pensionskasse betroffen, sondern auch die Unternehmen. Die Mitarbeiter haben einen "Leistungsverschaffungsanspruch auf die volle von Ihnen zugesagte Versorgungsleistung gegen sie als Arbeitgeber", schreiben die Kölner. Die Kürzung der Versorgungszusage betrifft also auch die Unternehmen. "Durch die Leistungskürzung verringert sich die von Ihnen zugesagte Leistung. Für die Lücke zwischen der zugesagten und der nach der Kürzung festgesetzten Leistung haften sie als Arbeitgeber", heißt es in dem Brief trocken. Leider könne man "keinen Ausgleichstarif anbieten".

 

Zum Abschluss des Briefes entschuldigen sich der Vorstandsvorsitzende und Generalbevollmächtigte noch einmal für die "besonderen Herausforderungen" und bieten ihre Hilfe an. Das ist ebenso vorbildlich wie es unwahrscheinlich ist, dass viele der betroffenen Unternehmen darauf in der jetzigen Situation Wert legen.

BaFin · Kölner Pensionskasse · bAV
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