Wie gut reagieren Versicherer auf neue Risiken?
Wie gut reagieren Versicherer auf neue Risiken?Quelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

Versicherer reagieren nur unzureichend auf neue Risiken

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Neue Risiken, neues Versicherungsglück? Laut neuem World Insurance Report 2019 von Capgemini sind die Versicherer anscheinend weniger stark auf Veränderungen eingestellt als ihre Kunden, von denen sich die meisten eine umfassendere und personalisiertere Abdeckung wünschen. Zudem führe die behäbige Reaktion auf neue Risiken zu erheblichen Deckungslücken beim Kunden.

So identifiziert der neue Report vor allem fünf neue Makrotrends, die für Versicherungskunden und ihre Unternehmen neue Risiken mit sich bringen. Genannt werden dabei disruptive Umweltmuster, technologischer Fortschritt, sich entwickelnde soziale und demografische Trends, neue medizinische und gesundheitliche Bedenken sowie Veränderungen im Geschäftsumfeld. Allerdings seien international weniger als 25 Prozent der Geschäftskunden der Meinung, dass sie über eine ausreichende Deckung verfügen, um gegen ein von diesen Makrotrends ausgehendes Risiko abgesichert zu sein. In Deutschland sind es immerhin 30 Prozent dieser Ansicht. Unter den deutschen und internationalen Privatkunden verfügen weniger als 15 Prozent über eine ausreichende Absicherung.

 

Die eher behäbige Reaktion der Versicherer auf neue Risiken führt allerdings auch zu erheblichen Deckungsrisiken für die Kunden, heißt es im Bericht von Capgemini weiter. So schätzen die Experten die Gefahr von Cyberangriffen international für 83 Prozent der privaten Versicherungskunden als mittel bis hoch ein. Allerdings seien nur drei Prozent umfassend dagegen abgesichert. In Deutschland sieht es geringfügig besser aus: Hier sind 72 Prozent der Privatkunden mittel- bis hochgradig gefährdet und vier Prozent gegen Cyberangriffe abgesichert.

 

Nicht viel besser sieht es laut Report bei den Geschäftskunden aus: International sind  87 Prozent und  Deutschland 83 Prozent mittel- bis hochgradig durch Cyberangriffe gefährdet. Allerdings sind weniger als 18 bzw. 24 Prozent umfassend versichert. 81 Prozent der Geschäftskunden international sind mittel bis stark steigenden Gesundheitskosten für die Mitarbeiter ausgesetzt, aber nur 17 Prozent dahingehend abgesichert. Die deutschen Geschäftskunden sind auch hier mit 76 und 21 Prozent etwas besser aufgestellt. Von zunehmenden Naturkatastrophen sind international fast 75 Prozent bedroht, aber nur 22 Prozent effektiv dagegen abgesichert - gegenüber 65 Prozent Gefährdeten und 27 Prozent Versicherten in Deutschland.

 

Dabei scheinen die Kunden selbst durchaus offener für Veränderungen zu sein als die Versicherer selbst: Mehr als die Hälfte (58 Prozent international, 53 Prozent in Deutschland) der Kunden gaben an, dass sie bereit sind, neue Versicherungsmodelle auszuprobieren. Allerdings investiert international erst jeder Vierte (26 Prozent) Versicherer in weitere Modelle, in Deutschland mehr als jeder Dritte (39 Prozent). Im Gegenzug für bessere Services zur Risikokontrolle und -prävention würden international 37 Prozent der Kunden - in Deutschland nur 27 Prozent - mit großer Bereitschaft zusätzliche Daten austauschen. Allerdings haben nur 27 Prozent der Versicherer international, in Deutschland immerhin 35 Prozent die Möglichkeit, Echtzeitdaten für die Risikomodellierung zu nutzen.

Versicherungsanbieter müssen mit Partnern kooperieren, die über ein hohes Maß an technologischem Fachwissen verfügen - von KI bis hin zur fortgeschrittenen Analytik. Parallel sollten sie enger mit ihren Kunden zusammenarbeiten, um den reaktionsschnellen, bedarfsgerechten Service zu bieten, den viele suchen."
Vincent Bastid, Generalsekretär der Efma

Dabei scheinen Innovationen und neue Partnerschaften durchaus ein Schlüssel zum Erfolg zu sein, auch wenn sich dies noch nicht ganz in der Branche herumgesprochen hat. So nutzt eine Mehrheit der Versicherer (57 Prozent international und in Deutschland) bereits künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen und fortgeschrittene Analytik.Nur 29 Prozent international - in Deutschland immerhin 45 Prozent - haben aber bereits eine automatisierte Risikobewertung implementiert. Lediglich 20 Prozent (in Deutschland wie international) nutzen eine Insight-Generierung aus IoT-Geräten in Echtzeit.

 

"Die Versicherer haben sich lange Zeit auf die Transformation ihrer Kernsysteme konzentriert. Jetzt erwarten ihre Kunden Antworten auf neue Entwicklungen: Ihre Absicherungsbedürfnisse sind durch jüngst gewachsene Risiken gestiegen und sie wünschen sich individuellere Angebote. Dem können die Versicherer nur mit neuen Technologien nachkommen. Wer sich jetzt allerdings zügig technologisch weiterentwickelt und als Partner seiner Kunden auch präventiv handelt, wird von einer umso größeren Offenheit und Nachfrage profitieren", kommentiert Joachim Rawolle, Head of Business Technology Solutions für Versicherungen bei Capgemini, die Ergebnisse der aktuellen Analyse.

 

Der World Insurance Report (WIR) 2019 deckt alle drei großen Versicherungssegmente (Lebens-, Sach- und Krankenversicherung) ab sowie die Erkenntnisse aus 28 Märkten: Australien, Belgien, Brasilien, Kanada, China, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Italien, Japan, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Philippinen, Polen, Portugal, Singapur, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate. 

Capgemini · World Insurance Report 2019
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