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Schlaglicht

Uber geht an die Börse und die Versicherer verdienen Milliarden

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Fahrdienstvermittler strebt heute eine Bewertung von 90 Mrd.Dollar an - obwohl die Firma zuletzt eine Milliarde Verlust gemacht hat. Unter den vielen Ausgaben sind auch die Kosten für Versicherungsprämien. Experten schätzen diese auf vier Mrd. US-Dollar im Jahr.

Mit 90 Mrd. Dollar wäre Uber fast so viel Wert wie Siemens. Der Ausgabepreis pro Aktie soll Schätzungen zufolge zwischen 44 und 50 Dollar liegen, zunächst soll nur ein Teil der Anteilsscheine veräußert werden. Der Sprung aufs Parkett erfolgt nur wenige Wochen nach dem Börsengang des Rivalen Lyft. Es ist der lang erwartete Höhepunkt der gerade einmal neun Jahre währenden Erfolgsgeschichte von Uber. Zahlentechnisch ist es ein Misserfolg. Im vergangenen Jahr machte Uber 1,8 Mrd. Dollar Verlust, bei einem Umsatz von gut elf Mrd. Dollar. Im ersten Quartal 2019 hat Uber drei Mrd. US-Dollar eingenommen, aber vier Mrd. Dollar ausgegeben. Aus dem Börsenprospekt geht hervor, dass Uber ohne ausreichenden Versicherungsschutz sein Geschäft einstellen müsste. Allein im Geschäftsjahr 2017 wuchsen die Versicherungsausgaben um 1,3 Mrd. Dollar, heißt es dort. Eine absolute Zahl für die Gesamtausgaben verschweigt Uber jedoch, sie dürfte laut Experten bei über vier Mrd. Dollar pro Jahr liegen. Davon entfällt der größte Teil auf die Fahrzeugpolice, mit der die Passagiere abgesichert werden. Gleichzeitig hat Uber auch große Versicherungsprogramme für die Fahrer. "Wir könnten haftbar gemacht werden für erhebliche Summen aus Forderungen wegen Unfällen, Verletzungen und anderen Ereignissen, die von Fahrern verursacht sein sollen, die unsere Plattform nutzen", heißt es in dem Prospekt.

 

Uber ist seit 2013 in in Deutschland aktiv und aktuell in Berlin, München, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln verfügbar. Das Unternehmen arbeitet hierzulande nur mit professionellen Fahrern zusammen, die für staatlich geprüfte Mietwagenunternehmen arbeiten. Uber verlangt in Deutschland von seinen Partnern – wie andere Mietwagen- und Taxifirmen – eine gewerbliche Mietwagenversicherung. Die deckt Unfallschäden, Schmerzensgeld- und Schadenersatzforderungen von Fahrgästen ab.

 

Gewinne erst mit autonomen Autos

Uber hat insgesamt Schulden in Höhe von 6,9 Mrd. Dollar angehäuft. Vorbild ist nach wie vor Amazon. Auch der Online-Versandhändler aus Seattle hatte ebenfalls jahrelang nur Verluste geschrieben, auch nach seinem Börsengang 1997. Erst als man groß genug wurde, kam der Profit von alleine. Das will Uber wiederholen und dafür hat der Fahrdienstvermittler sein Angebot mit Uber Eats und Uber Freight ausgeweitet. "Autos sind für uns, was Bücher für Amazon waren", sagt Uber-Chef Dara Khosrowshahi. Die Gewinnzone würde Uber jedoch erst mit autonomen Fahrzeugen erreichen. Bei vielen Fahrten nämlich erhält der Fahrer mehr, als der Kunde zahlt. Selbstlenkende Fahrzeuge würden das auf einen Schlag ändern.

 

Uber-Fahrer sind forma Selbständige, Uber selbst sieht sich nur als Plattform, die den Kontakt zwischen Kunden und Fahrern herstellt. Damit die Kunden nicht lange warten, müssen viele Fahrer zur Verfügung stehen. Das ist allerdings nicht im Interesse der bestehenden Fahrer, denn ein größeres Angebot hat zur Folge, dass die Preise sinken. Deshalb kommt es auch vor dem Börsengang zu Streiks der Uber-Fahrer. Auch die Gegner, nämlich die Taxi-Fahrer gehen auf die Straße. Grund dafür ist eine geplante Gesetzesänderung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er will das Personenbeförderungsgesetz so reformieren, dass es Fahrdiensten wie Uber und Lyft das Geschäft erleichtern würde. Unter anderem soll beispielsweise die Rückkehrplicht wegfallen, die solche Dienste dazu zwingt, an ihren Betriebssitz zurückzukehren, wenn sie keinen direkten Folgeauftrag haben. In vielen Ländern liegt der Uber-Tarif weit unter den lokalen Taxitarifen. Gründe: Uber-Fahrer sind nicht fest angestellt (Sozialkosten entfallen), Uber bezahlt keine Taxilizenzen etc.

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