Venedig
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Politik & Regulierung

Todd Williamsons Sponsoren investieren 200.000 Euro in Präsenz bei der 58. Biennale

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kunstschaffende gehen meist nur verschämt mit den kommerziellen Aspekten ihres Schaffens um. Weniger zimperlich hingegen sind solche aus Kalifornien. Durch Vermittlung von Roz Joseph, die während vieler Jahre den Medienauftritt von Axa Art betreute, konnten wir vom in Los Angeles lebenden abstrakten Künstler Todd Williamson einige Details zu den Kosten und den logistischen Herausforderungen einer exklusiven Präsenz auf der diesjährigen Biennale zu Venedig erfahren. Die Biennale Arte 2019 läuft vom 11. Mai bis 24. November dieses Jahres.

Der 1964 geborene Williamsson war auf Veranlassung des Biennale Kurators Ralph Rugoff, hauptberuflich Leiter der Londoner Hayward Gallery, durch die PR-Zuständige Carlotta Scarpa angesprochen worden. Die Frage lautete, ob er Interesse habe, während der Dauer der Biennale in der Chiesa di Santa Maria della Pietà, eine 30 Meter lange und 4 Meter schmale Kapelle mit seinen Werken zu bestücken. Das Gebäude wurde in den Jahren 1745-1760 durch Giorgio Massari im barocken Stil erbaut.

 

Was sich zunächst wie eine ehrenvoll-großzügige Einladung präsentierte, erwies sich dann aber als ein Danaer-Pachtvertrag. Zu bezahlen sind während sieben Monaten 10.000 Euro monatlich an Pacht, den erforderlichen Aufpasser muss der Künstler selbst bezahlen, für diverse städtische Genehmigungen in Sachen Beleuchtung und Werbeschild werden zusätzlich Tausende fällig.

 

Transport und Logistik

 

Erstaunlich günstig dagegen sind Transport und Versicherung der sieben Werke. Dies geht auf die sparsam-erfinderische Art des Künstlers zurück. Er verschiffte lediglich die vom Rahmen abgenommenen in Plastikrohre gesteckten Leinwände, wofür bei 100.000 US-Dollar an Versicherungssumme lediglich 1.600 US-Dollar an Transportkosten und 500 Euro an Versicherungsprämie fällig wurde. Angemerkt werden muss, dass nur der Nettowert nach Abzug der fünfzigprozentigen Galleristenmarge gedeckt ist. Und selbst davon nur die Hälfte, also eine bewusste Unterversicherung.

 

Die Besorgung neuer italienischer Rahmen schlägt mit 1500 Euro plus weiteren 300 Euro für deren Transport zu Buche. Für erneutes Aufspannen sorgt der Künstler selbst. Bei den von ihm verwendeten Ölfarben sollte dies im Gegensatz zu den von anderen verwendeten spröderen Acrylfarben problemlos möglich sein.

 

Späte Überraschung

 

Erst seit dem 30 Dezember 2018 wusste Williamson von seinem Biennale Auftritt, seither sammelt er bei Mäzenen und Sammlern die budgetierten 200.000 US-Dollar ein. Zwei Drittel davon sind bereits gesichert, allein 50.000 US-Dollar stammen von der seit 1985 existierenden Pollock-Krasner Foundation. Krasner war die Ehefrau des allzu früh durch einen Autounfall 1956 ums Leben gekommenen Action-Painters Jackson Pollock, welche Williamson ihren Prize of Creativity verliehen hat. Mancher Sammler sieht seinen Obolus als ein Investment in den Wert der eigenen von Williamson stammenden Gemälde, deren Wert post Biennale beträchtlich steigen dürfte.

 

Williamson bezeichnet seine eigentlich abstrakten Gemälde als abstrakte Portraits zeitgeistlich mitbestimmender Personen bzw. Trendsettern wie etwa dem Tesla-CEO Elon Musk und der eine Milliarden schweren TV-Show-Veranstalterin und möglichen US-Präsidentschaftskandidatin Oprah Winfrey. Im Sinne eines Gesamtkunstwerks ließ Williamsson vom US Komponisten Greg J Water eigens eine zu seinen abstrakten Werken passende Musik schreiben. Im Mai wird Williamson in Singen im eigentlich auf Oldtimer-fokussierten Mac Museum eine Einzelausstellung haben, später eine weitere in Wiesbaden. Die hierfür vorgesehenen Werke befinden sich bereits bei seinem europäischen Agenten.

 

Die diesjährige Biennale steht unter der einem Chinesen zugesprochenen Verwünschung "may you live in interesting times". Dies gilt nicht zuletzt für die Künstler, welche sich nicht in einen weltentrückten Elfenbeinturm flüchten können, sondern sich den irdischen Herausforderungen von Kommerz und Logistik stellen müssen.

Kunstversicherung · Logistik · ART
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