Umweltschutz tut Not. Sind die Versicherer ausreichend engagiert?
Umweltschutz tut Not. Sind die Versicherer ausreichend engagiert?Quelle: roja 48 / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Umweltschützer attackieren und loben Allianz und Talanx für Öko-Bewusstsein

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Problem mit Umweltschutz ist, dass es nie genug ist. Die Umweltorganisation Urgewald spricht in warmen Worten über die Schutzbemühungen der Allianz und Talanx. Gleichzeitig übt sie aber auch Kritik an Schlupflöchern, die die Versicherer nutzen.

Umweltschützer attackieren und loben Allianz und Talanx für Öko-Bewusstsein

Das Problem mit Umweltschutz ist, dass es nie genug ist. Die Umweltorganisation Urgewald spricht in warmen Worten über die Schutzbemühungen der Allianz und Talanx. Gleichzeitig übt sie aber auch Kritik an Schlupflöchern, die die Versicherer nutzen.

Sowohl Talanx wie auch Allianz haben aktuell Hauptversammlung. Genau die richtige Zeit, um den Kurs des Unternehmens zu besprechen und die Weichen für die Zukunft zu stellen, auch beim Thema Klima- und Umweltschutz. Kathrin Petz, Kohle- und Rüstungs-Campaignerin bei Urgewald lobt die Münchener für ihr Öko-Engagement, hat aber auch Kritikpunkte; einige sind fair, andere erscheinen überambitioniert.  

 

"Die Allianz hat vergangenes Jahr einen vorbildlichen Schritt für den Klimaschutz getan, indem sie ihren Ausstiegspfad aus der Kohle definiert hat. Gleichzeitig hat sie die direkte Versicherung von Kohleprojekten beendet und Kohle-Investitionen bei ihren Eigenanlagen stärker eingeschränkt als bisher." Ein Lob von Umweltschützern, dass sich die Allianz verdient hat. Doch es folgt ein "aber" – und das ist nicht klein.

 

Die genannten Einschränkungen für Kohle-Investitionen gelten nicht für Anlagen, "die sie für Dritte verwaltet". Kunden des Geschäftsbereichs Allianz Asset Management finden weiterhin "besonders rigorose Kohlefirmen" wie Coal India, NTPC, RWE, PGE, Peabody oder Arch Coal in den von Allianz angebotenen Fonds. "Die Allianz muss ihre Bemühungen um den Klimaschutz auf den ganzen Konzern ausweiten und auch Anlagekunden für die eigene Strategie gewinnen."

 

Ein weiterer interessanter Punkt ist das Ölgeschäft. Den Ausstieg aus diesem Bereich hat die Allianz im letzten Jahr besprochen, danach hörte man wenig. Das kritisiert auch Petz: "Die Allianz muss auch jenseits von Kohle den Ausstieg aus fossilen Geschäften beginnen. Noch immer investiert sie in extrem umwelt- und klimaschädliche Sektoren wie Tiefseebohrungen, Ölsande, Ölbohrungen in der Arktis und Flüssiggasexporte."

 

Investments in Atomwaffen?

 

Die Allianz ist (auch) ein Finanzkonzern, der Rendite erwirtschaften muss, für sich und vor allem Kunden. Ist das moralisch einwandfrei möglich? Petz wünscht es sich: "Die Allianz und ihre Fondsgesellschaft AGI investieren weiterhin in fast alle großen Rüstungskonzerne, wie zum Beispiel Rheinmetall, BAE Systems, Boeing, Airbus und Lockheed Martin. Dies sind Firmen, die mit ihren Rüstungsexporten zur Aufrüstung von Krisengebieten, zur Befeuerung von Kriegen wie im Jemen und zu Technologietransfers an Despoten beitragen, die zum Teil sogar Atomwaffen herstellen. Solche Investitionen sind gerade für einen Konzern, der sich den Schutz von Menschenrechten auf die Fahnen schreibt, ein Unding."

 

Ob es das ist, entscheidet am Ende nicht die Allianz, sondern der Kunde. Unberechtigt ist die Kritik von Urgewald allerdings nicht.

 

Auch die Talanx wird gelobt und kritisiert

 

Die Hannoveraner sind ein Liebling der Umweltorganisation. Zuletzt hatten sie den Firmensitz zu plakatiert, um auf das Kohlegeschäft des Versicherers aufmerksam zu machen. Und tatsächlich, wenige Tage später verkündete das Unternehmen den Ausstieg. Doch so ganz geht man nie, was Urgewald kritisiert.

 

Die vor Kurzem angekündigte Begrenzung von Kohlegeschäften bei Hannover Re sei ein lobenswerter Fortschritt für den Klimaschutz, lässt aber weiter in großem Umfang die Rückversicherung von Kohle zu, kritisieren die Umweltschützer. Auf der Hauptversammlung will Urgewald mehr Klarheit über die Auslegung der neuen Richtlinie einfordern.

 

Regine Richter, Energie-Campaignerin bei Urgewald: "Wir haben uns sehr gefreut, dass Hannover Re auf unsere Forderungen reagiert hat. Feiern lassen darf sich der Konzern hierfür aber nicht. Die Einschränkung gilt lediglich für die Rückversicherung einzelner neuer Kohlekraftwerke und –minen. An den deutlich größeren Geschäftsbereich Treaty Re-Insurance, in dem Pakete aus Erstversicherungen rückversichert werden, traut sich der Konzern noch nicht heran."

 

Positiv bewertet Urgewald die Ankündigung des Konzerns, bis 2038 sämtliche Kohle-Energieprojekte aus seinem Schaden-Rückversicherungsgeschäft auszuschließen. "Auch dieses Ziel ist richtig, reicht aber nicht aus. Da sich Hannover Re explizit auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens bezieht, muss der Konzern schneller aus der Kohle aussteigen und beginnen über die Kohle hinaus seinen Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu planen. Nicht nur die Kohle-, auch die Öl- und Gasindustrie treibt, mithilfe von Versicherern, den Klimawandel voran", erklärt Richter.

 

Im Wesentlichen ist das dieselbe Forderung wie gegenüber der Allianz, den Ausstieg aus dem fossilen Geschäft. Aber können zwei (große) Versicherer den Hunger der Menschheit auf fossile Brennstoffe damit aushebeln, dass sie das entsprechende Geschäft einfach nicht versichern?

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