Ullrich Wallin, ehemaliger Vorstandschef der Hannover Rück
Ullrich Wallin, ehemaliger Vorstandschef der Hannover RückQuelle: Hannover Rück
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Hannover Rück: Großes Lob zum Abschied von Vorstandschef Wallin

Von Claudia Schmidt-WehrmannTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nicht nur Aufsichtsratschef  Herbert K. Haas auch die vielen Aktionäre, die zur Hauptversammlung der Hannover Rückversicherung SE gekommen sind, waren voll des Lobes für die "ungewöhnlich hohen Leistungen" des nach zehn Jahren scheidenden Vorstandschefs Ulrich Wallin. Er bleibt dem Unternehmen aber mit seinem Know-how im Speciality-Geschäft erhalten 

Ein Aktionärssprecher hätte ihn gern noch länger im Amt gesehen. An eine Aufhebung der 65er-Regelung ist aber nicht gedacht. Neue Ideen sollen frischen Wind bringen, meinte Haas. Der Nachfolger von Wallin, Jean-Jaques Henchoz, der von seinem CEO-Posten bei der Swiss Re zur Hannover Rück wechselt - die er wie er sagt von Zürich aus neidisch beobachtet hat -, muss sich aber was die Erfolgszahlen angeht an seinem Vorgänger messen lassen, stellte Haas unmissverständlich klar.

 

Henchoz muss sich auch in den engen Kostenrahmen der Hannover Rück einfügen. Auf Aktionärsfragen zu den im Vergleich zu Swiss Re niedrigeren Gehältern bei Hannover Rück und dem Hinweis auf die Vorbildfunktion des Vorstands mit Blick auf die Kostenführerschaft des Rückversicherers, gab Haas Entwarnung. Sein Gehalt liege nur um 11 Prozent höher als bei Wallin, seine Vorruhestandsansprüche lägen aber prozentual nur halb so hoch wie die bei seinem Vorgänger. Allerdings habe Hannover Rück an Henchoz eine Art Ablöse für seinen Verlust an Aktienoptionen und Tantiemen bei der Swiss Re gezahlt. Diese "goldenen Handschellen" seien auch bei Hannover Rück üblich. Im ersten Jahr erhält Henchozz eine Million Euro und nach Ablauf der Vertragslaufzeit von drei Jahren eine weitere Million als Ausgleich.

 

Beifall erhielt Wallin für den Ausstieg des weltweit drittgrößten Rückversicherers aus Kohlerisiken. Allerdings gilt dies nur für die Übernahme neuer Risiken nicht für Altverträge. Vielleicht mit Blick auf die angekündigte Wortmeldung eines jungen Umweltschützers skizzierte Wallin die Erfolgsaussichten eines solchen Schritts. Er verwies auf die Angebotsverknappungen der Versicherungen nach dem Untergang einer Ölplattform im Golf von Mexiko infolge eines Hurrikans. Die Prämienpreise hatten sich daraufhin mehr als verdreifacht. Dies führte jedoch keineswegs zu einem Rückgang der Ölförderung im Golf, weil die Unternehmen die Risiken in die eigene Bilanz nahmen, der Verkanppungseffekt der Versicherer also verpuffte.

 

Ähnliches geschah nach dem Terroranschlag  auf das New Yorker World Trade Center 2001, als die Versicherer ihre Haftpflichtübernahmen drastisch reduzierten. Eigentlich hätten die  Luftfahrtunternehmen gar nicht mehr fliegen dürfen. Doch an die Stelle der Versicherungen traten Staatsgarantien. Effekt also ebenso gleich null. Ähnliches könnte auch beim Ausstieg aus Kohlerisiken passieren,  denn die Kohleförderung zur Energieerzeugung ist laut Wallin eine wirtschaftliche Frage. Und dafür ist die Regierung zuständig. Ein geballter Ausstieg der Versicherer könnte jedoch - so hofft Wallin - mittelfristig in der Politik Wirkung zeigen. "Die Botschaft wird stärker." Dass der junge Klimaaktivist sich damit nicht zufriedengeben wollte, war zu erwarten. Er forderte die Versicherungen ebenso wie die Regierung zu einem sofortigen Ausstieg aus der Kohle auf.

 

Die Hauptversammlung (Präsenz 81,4 Prozent) stimmte allen Tagesordnungspunkten mit großer Mehrheit zu,  auch wenn Aktionärsvertreter die Vertragsverlängerung von Haas - zu lange in diesem Amt - und von Aufsichtsrat Erhard Schipporeit - zuviele Aufsichtsratsmandate - kritisierten
Hannover Rück · Ulrich Wallin
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