LKW - unabdingbar aber mitunter tödlich
LKW - unabdingbar aber mitunter tödlichQuelle: Andreas Hermsdorf / www.pixelio.de / PIXELIO
Märkte & Vertrieb

Baloise will mit Notbremsassistenten Menschen retten

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
 "Lkw fährt auf Stauende: Fahrer stirbt", "Lkw fährt auf Stauende – ein Schwerverletzter", "Lastwagen fährt in Stauende: Mann tödlich verletzt" – diese und ähnliche Berichte erscheinen regelmäßig in Zeitungen – die Baloise will das ändern.

Die Zahl der Todesopfer in Unfällen unter Beteiligung von Sachtransportfahrzeugen ist gemäß Unfallstatistiken in der Schweiz auf hohem Niveau stagnierend. Dasselbe gilt auch für Deutschland, wie diese Statistik zeigt, die die Anzahl der Verunglückten bei Unfällen in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2018 nach Art der Straßenverkehrsbeteiligung zeigt.

Anzahl der Verunglückten bei Unfällen in Deutschland in den Jahren 1980 bis 2018 nach Art der Straßenverkehrsbeteiligung (Auszug)
Anzahl der Verunglückten bei Unfällen in Deutschland in den Jahren 1980 bis 2018 nach Art der Straßenverkehrsbeteiligung (Auszug)Quelle: Statista

Diverse Maßnahmen zeigen laut Baloise zwar Erfolge, trotzdem gibt es jedes Jahr noch immer zu viele Todesopfer. Ein Weg, solche Unfälle zu reduzieren, ist die Notbremssystem-Technologie. Die Baloise führte in Kooperation mit dem Dynamic Test Center, Mercedes-Benz Trucks Schweiz AG, Routiers Suisses und der ASTAG unter verschiedenen Voraussetzungen Lastwagen-Crashtests durch, um das Potential der Notbremssysteme zu analysieren.

 

 "Wir werden heute gleich mehrere Szenarien durchspielen: Als erstes werden wir die Ist-Situation gemäß geltender gesetzlicher Vorgaben analysieren. Weiter werden wir aufzeigen, welche Bremsleistung nach heutigem Stand der Technik möglich wäre und zum Schluss werden wir uns ansehen, was bei einem Unfall ohne Einsatz des Bremsassistenten geschieht", erklärt Daniel Junker, Leiter Fahrzeugexperten bei der Baloise, das Tagesprogramm. Die Baloise führt zu Präventions- und Sensibilisierungszwecken seit über zehn Jahren in Partnerschaft mit dem DTC Fahrzeugcrashtests durch.

 

Laut Unfallstatistiken des ASTRA wurden allein in der Schweiz über die letzten fünf Jahre 147 Personen Todesopfer von Unfällen im Zusammenhang mit Lastwagen. "Umso wichtiger ist es, neben zahlreichen bereits ergriffenen Maßnahmen, weitere Möglichkeiten zur ständigen Verbesserung der Verkehrssicherheit zu nutzen – so wie es auch der Bund mit dem Handlungsprogramm 'Via Sicura' anstrebt", so Gallus Bürgisser, Vizedirektor der ASTAG.

 

 Die Gesetzeslage bezüglich Notbremsassistenzsysteme für Nutzfahrzeuge ist europaweit klar definiert: Bei neuimmatrikulierten schweren Nutzfahrzeugen ist ein Notbremsassistent Pflicht. Seit 2018 heißt das, dass das Fahrzeug in der Notbremsverzögerung die Fahrgeschwindigkeit vor einer Kollision um mindestens 20 km/h reduzieren muss. Die Notbremsassistenten dürfen per Gesetz so ausgelegt sein, dass der Fahrer sie ausschalten kann.

 

Tatsächlich geschieht dies in der Praxis auch nicht selten, da die Notbremsassistenten nicht ohne ihre Tücken sind: "Am Schlimmsten, ist es, wenn ein Personenwagen kurz vor der Ausfahrt meinen Lastwagen überholt. Dieses Verhalten ist rücksichtslos, denn es bringt mich als Lastwagenfahrer in eine schwierige Lage: Der Notbremsassistent signalisiert 'Gefahr!' und bremst abrupt ab. Dass das vordere Fahrzeug dann schnell noch die Ausfahrt erwischt, kann er ja nicht voraussehen. Das unvermittelte Abbremsen hat natürlich für die hinteren Fahrzeuge Folgen und bedarf schneller Reaktionen. Wir appellieren im Straßenverkehr auch auf das rücksichtsvolle Fahren der übrigen Verkehrsteilnehmer. Mit einem bis zu 40t schweren Fahrzeug bist Du einfach mit einer anderen Dynamik unterwegs. Wenn Notbremssysteme in Situationen eingreifen können, wo blitzartiges, richtiges Reagieren unabdingbar ist - wie beispielsweise bei Stauenden - ist das für uns eine deutliche Unterstützung, die wir gerne annehmen", so einer der befragten Lastwagenfahrer.

 

Doch neben den negativen Folgen kann die Technik auch viel leisten. Der Test mit Notbremsung vor einer stehenden Personenwagen-Kolonne zeigt es schließlich: Mit Einsatz des Notbremsassistenten und Reduzierung der Geschwindigkeit um 20 km/h wird die Aufprallenergie praktisch halbiert. "Das beweist, dass der Gesetzgeber grundsätzlich auf gutem Weg ist", kommentiert Junker den Test. Das bestätigt auch der Vergleich zum simulierten Unfall ohne Bremsung durch das Assistenzsystem: Der Lastwagen rast ungehindert in die stehende Autokolonne – die vorderen fünf Personenwagen werden zusammengedrückt. "Dieser Unfall hätte in der Realität einige Todesopfer und Schwerverletzte verursacht", analysiert Raphael Murri vom DTC die Unfallstelle. Umso wichtiger scheint es, dass Notbremsassistenten per Gesetz nicht manuell ausgeschaltet werden können.

 

Dass der aktuelle Stand der Technik zu weitaus mehr imstande ist, als dies vom Gesetzgeber als Maßstab betrachtet wird, zeigt schließlich die Demonstrationsfahrt mit dem Mercedes-Benz Truck. Der Active Brake Assistant leitet von sich aus von 80 km/h die Notbremsung ein und kommt vor dem Hindernis zum kompletten Stillstand. "Der Stand der Technik hat die Gesetzgebung schon seit längerem überholt. Grundsätzlich könnten mit den Notbremsassistenzsystemen der neusten Generation die meisten Auffahr-Kollisionen verhindert werden, indem Fahrzeuge vor dem Hindernis zum Stehen kommen", erklärt Jürg Lüthi, CEO Mercedes-Benz Trucks Schweiz AG. "Es bleibt zu hoffen, dass die Gesetzeslage so rasch wie möglich auf europäischer Ebene verschärft wird und die Fahrzeughersteller mit der Technik aufrüsten müssen. Damit könnten dramatische Unfallfolgen auf ein Minimum reduziert werden und damit die Verkehrssicherheit nochmals entscheidend verbessert wird", fasst Daniel Junker von der Baloise zusammen.

Baloise
Auch interessant
Zurück
03.09.2018VWheute
Versi­cherer CNP soll fran­zö­si­sche Staats­post retten Die Französische Post will mit dem Ausbau ihrer Finanzgeschäfte ihr Überleben sichern. Der …
Versi­cherer CNP soll fran­zö­si­sche Staats­post retten
Die Französische Post will mit dem Ausbau ihrer Finanzgeschäfte ihr Überleben sichern. Der Staatskonzern übernimmt nun den Versicherer CNP Assurances. Die Gruppe ist in Frankreich der größte Versicherer gegen Personenschäde…
13.07.2017VWheute
Baye­ri­sche und Allianz retten ‘60er "Wir waren nahe an der Insolvenz", sagte 1860 München Geschäftsführer Markus Fauser zu Beginn der vom Verein …
Baye­ri­sche und Allianz retten ‘60er
"Wir waren nahe an der Insolvenz", sagte 1860 München Geschäftsführer Markus Fauser zu Beginn der vom Verein einberufenen Pressekonferenz. Möglich wurde die Rettung des in die Bayernliga abgestiegenen Vereins, da sowohl die Bayerische wie …
06.06.2017VWheute
Wie Versi­cherer in Pilot­pro­jekten das Klima retten Von Thomas Loster, Geschäftsführer der Munich Re Foundation. Seit nun gut zehn Jahren entwickeln…
Wie Versi­cherer in Pilot­pro­jekten das Klima retten
Von Thomas Loster, Geschäftsführer der Munich Re Foundation. Seit nun gut zehn Jahren entwickeln Akteure wie die Weltbank, das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und Entwicklungsbanken in Zusammenarbeit mit …
17.05.2017VWheute
Versi­che­rungs­ve­teran Duper­re­ault soll AIG retten Der Nachfolger von Peter D. Hancock wird Brian Duperreault, Chef des Bermuda-Versicherers …
Versi­che­rungs­ve­teran Duper­re­ault soll AIG retten
Der Nachfolger von Peter D. Hancock wird Brian Duperreault, Chef des Bermuda-Versicherers Hamilton. Er erhält eine Einmalzahlung in Höhe von zwölf Mio. Dollar und ein Jahresgehalt von 1,6 Mio. Dollar. Zusatzlich zahlt AIG 40 …
Weiter