Darf Check 24 Tarife der Huk auf ihrer Vergleichsseite gegen den Willen des Versicherers verwenden? 
Darf Check 24 Tarife der Huk auf ihrer Vergleichsseite gegen den Willen des Versicherers verwenden? Quelle: huk coburg
Schlaglicht

Huk gewinnt vor Gericht gegen Check24, die sich als Sieger sieht

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Vergleichsportal Check24 streitet des Öfteren gerichtlich mit der Versicherungsbranche. Diesmal ist aber nicht der Lieblingsgegner BVK der Opponent, sondern die Huk-Coburg. Und anstatt der Einhaltung von Beratungsrichtlinien ist diesmal die (unerlaubte) Nutzung der Tarife des Versicherers der Streitgrund.

Aus Kostengründen hatte der deutsche Kfz-Primus die Zusammenarbeit mit dem Vergleichsportal eingestellt, die Kosten bei einem Abschluss seien zu hoch, erklärte die Huk. Den genau wie jeder menschliche Vermittler hält auch der Mechanische bei einem Abschluss die Hand auf. Mehr dazu können Sie heute in unserer Geschichte "Vergleichsportal, Vermittler, Versicherer – alles eine Frage der Kosten". Der Versicherer kam zu dem Schluss, dass es "Huk-Preise künftig auf keinem Vergleichsportal mehr gebe", wie Kfz-Vorstand Jörg Rheinländer erklärte.

 

Dieser Einwand muss Check 24 entgangen sein, denn das Portal nutzte weiterhin Logo und Tarife des Versicherers, um dem Kunden eine "möglichst vollständige Marktabdeckung" zu ermöglichen. Zudem wies das Portal darauf hin, dass ein Abschluss des Huk-Tarifes über das eigene Portal nicht möglich sei.  Mit dieser Taktik hatte die Vergleichsseite in der ersten gerichtlichen Instanz noch Erfolg, allerdings nicht mehr vor dem Oberlandesgericht Köln.

 

"Wir freuen uns, dass das OLG in Köln unsere Rechtsauffassung teilt und es Check24 untersagt, Kfz-Versicherungen der Huk-Coburg Versicherungsgruppe in seine Online-Preisvergleiche aufzunehmen, wenn für diese Versicherungsprodukte kein Preis angegeben wird", schreibt der Kfz-Versicherer. Als Unternehmen scheue man keine Vergleiche. "Am liebsten würden wir uns dauernd vergleichen lassen. Allerdings nicht zu dem Preis, den Vergleichsportale verlangen". Diese verfolgen finanzielle Interessen und nehmen Provisionen ein, das "müsse dem Verbraucher bewusst sein".

 

Zum Thema Kosten schreibt die Huk. "Unsere Autoversicherungen zählen preislich zu den günstigsten im Markt. Um diese Preisposition nicht zu gefährden, haben wir uns 2017 entschieden, auf die relativ teuren Vergleichsportale zu verzichten."

 

Check 24 widerspricht

 

Den Vorwurf der zu hohen Kosten will das Portal nicht auf sich und der eigenen Branche sitzen lassen. Vergleichsportale seien vielmehr der "effizienteste Vertriebsweg". Versicherer müssten für einen Neukundenabschluss über Google ein Vielfaches von dem aufwenden, "was sie Vergleichsportalen im Erfolgsfall an Provisionen zahlen". Zudem würde bei der Suchmaschinenwerbung "bei jedem Klick Gebühren fällig", während bei Vergleichsportalen "nur bei erfolgreichem Abschluss eine marktübliche Provision" gezahlt werde.

 

Die Nutzung der Huk Tarife und Logos sieht Check24 trotz des Urteils bestätigt. "Beim OLG-Urteil handele es sich nicht um ein "pauschales Urteil gegen die Auflistung der Huk-Coburg in unseren Vergleichen", schreibt das Unternehmen.

 

Check24 dürfe die Tarife der Huk "weiterhin in unseren Vergleichen auflisten, auch inkl. Logo, wenn der Preis gegeben ist". Untersagt wurde lediglich, die Kfz-Versicherungen der Huk "in der bisherigen Darstellungsform in den Vergleich aufzunehmen". Weiterhin sei es nicht mehr gestattet, die Marken und Logos der Huk-Coburg in der aktuellen Darstellungsform zu verwenden."

 

Dieser gerichtlichen Anordnung wird sich gebeugt: "Wir werden in den kommenden Tagen unsere Darstellung im Kfz-Vergleich überarbeiten und das OLG-Urteil adressieren. Dabei werden wir eine Lösung anstreben, bei der wir weiterhin auch die Huk-Tarife anzeigen können."

 

Der letzte Satz klingt ein wenig patzig, insbesondere in Verbindung mit folgendem Statement: "Verbraucherschützer fordern von Vergleichsportalen eine möglichst vollständige Marktabdeckung. Mit seinem Urteil wirft das OLG Köln die Umsetzung dieser Forderung weit zurück – und das geht am Ende zulasten der Verbraucher."

 

Mit den eigenen Vergleichen bringe das Unternehmen Transparenz in "weitgehend intransparente Märkte". Das Ziel sei es, möglichst alle am Markt verfügbaren Angebote zu vergleichen, was natürlich auch die Huk miteinschließt." Wenn Versicherer, wie die Huk, uns Preise nicht geben, versuchen wir, Verbrauchern zumindest einen Leistungsvergleich zu ermöglichen."

 

Es wird interessant sei zu sehen, wie Check24 das Urteil umsetzten wird, wenn uns die Erfahrung des nicht endend wollenden Streites zwischen BVK und dem Portal eines gezeigt hat, dann das weitere Klagen sehr wahrscheinlich sind.

Check24 · HUK Coburg · Oberlandesgericht · Urteil · Vergleichsportale · Kfz-Markt
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