Quelle: Assekurata
Märkte & Vertrieb

Will fordert faire und angemessene Vergütung für Vermittler

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Diskussion um den Provisionsdeckel hat hysterische Züge. Die einen sehen darin Teufelswerk, die anderen das Allheilmittel, um alles Schlechte aus dem Bereich Versicherung zu entfernen. Zeit, etwas Sachlichkeit und Durchblick in die Diskussion zu bringen. Zeit für Reiner Will, Chef von Assekurata.

Mit dem "Entwurf eines Gesetzes zur Deckelung der Abschlussprovisionen von Lebensversicherungen und von Restschuldversicherungen" hat das SPD-geführte Bundesfinanzministerium (BMF) dem Provisionsdeckel ein Stück weit Realität verliehen, erklärt Will. Dabei sei wenig überraschend, dass sich das BMF stark an dem Vorschlag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) orientiert, wonach der Deckel bei 25 Promille der summierten Beiträge während der Vertragslaufzeit - maximal 35 Jahre - liegen soll.

 

Bei Nachweis qualitativer Kriterien (zu Beschwerden, Storno, Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, hochwertige und umfassende Beratung) kann er um 15 Promille bis auf 40 Promille erweitert werden, skizziert Will die Vorstellungen der Gesetzgeber. Wie die Umsetzung der Vorschläge in der Realität aussehen soll und wie der Nachweis zu führen ist, beispielsweise bei unabhängigen Maklern und Mehrfachvertretern, fragt sich nicht nur Will.

 

Weitere Regeln

 

Das BMF plant zudem, den Begriff Abschlussprovision in einem neuen § 7 Nr. 34c VAG auszudehnen, sodass hierunter künftig "sämtliche Vertriebsvergütungen", zählen sollen, "die an den Abschluss oder den Fortbestand eines Vertrages" anknüpfen, erklärt Will. Hierunter fielen dann nicht mehr nur die branchenüblich als Abschlussprovisionen bezeichneten Einmalprovisionen zum Vertragsbeginn, sondern auch die meist als laufende Provision, Bestandsprovision, Abschlussfolgeprovision oder ähnlich bezeichneten Vergütungen während der Laufzeit, die pauschal für das Fortbestehen eines Vertrags gezahlt werden. "Ganz offensichtlich haben hier die vielfältigen Hinweise auf mögliche Umgehungstatbestände gewollt oder ungewollt Früchte getragen", glaubt Will.

 

Dies werde auch dadurch bekräftigt, dass Vermittler künftig gegenüber Untervermittlern keine abweichenden Provisionsvereinbarungen treffen dürfen, was durch eine Änderung der Gewerbeordnung erreicht werden soll. Hierdurch plant das BMF auch Auslandsvermittler, die im Inland Lebensversicherungen vermitteln in den Deckel mit einzubeziehen.

 

Betroffen sind alle Kapitallebens- und Rentenversicherungen, klassisch wie modern, Deckungsstock- wie fondsbasiert, außerdem auch Termfix-/Ausbildungsversicherungen und lebenslange Todesfallversicherungen, bei denen Überschüsse zur Abkürzung der Laufzeit verwendet werden. Geförderte wie ungeförderte Verträge sollen gleichermaßen einbezogen sein.

 

Ein grundsätzlicher Konsens zeichnet sich laut Will im Bereich der Restschuldversicherung ab. Das Niveau der hier zum Teil gewährten Abschlussvergütungen wird parteienübergreifend als Missstand gewertet. Nach dem Plan des BMF sollen diese künftig auf 25 Promille der Darlehenssumme limitiert werden.

 

Wills Fazit

 

Laut dem Assekurata-Chef ist zu befürchten, dass wegen des Deckels der seit Jahren anhaltende Vermittlerschwund an Fahrt gewinnt. Hatte der DIHK Anfang 2011 insgesamt 263.452 eingetragene Vermittler und Berater gezählt, betrug die Anzahl im April 2019 nur noch 199.961.

 

Zugleich steige jedoch der Beratungsbedarf, da die Produkte für die Altersvorsorge im Zuge der niedrigen Kapitalmarktzinsen "immer komplexer und erklärungsbedürftiger" werden. Die Beratung wird damit aufwendiger und zugleich nimmt der regulatorische Rahmen für die Vermittlung, Stichwort IDD, immer mehr zu. Diese Leistung gelte es auch künftig "fair und angemessen" zu vergüten.

 

Wie der Deckel letztendlich aussehen wird, dessen ist sich Will nicht sicher: "Man darf gespannt sein, wie groß der Topf für den Deckel letztendlich ausfällt".
Reiner Will · Assekurata · Provisionsdeckel
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