Jörg-Tobias Hinterthür
Jörg-Tobias HinterthürQuelle: Zurich Deutschland
Märkte & Vertrieb

"Die große Angst der Disruption ist mittlerweile abgeschwächt"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Smart-Home-Lösungen gehören auch in der Versicherungsbranche zu Zukunftstrends. "Beim Megatrend Smart Home geht es insbesondere um drei Bereiche, nämlich der Sicherheit, Komfort und dem Energiesparen", konstatiert Jörg-Tobias Hinterthür, Head of Innovation Lab Smart Home der Zurich Gruppe Deutschland, im Exklusiv-Interview mit VWheute.

Beginnen wir mit einer Schnellrunde, nennen Sie drei innovative Produkte und Services, die die Zurich Innovation Labs geliefert haben.

Wir fokussieren uns in den Zurich Innovation Labs weniger auf die Entwicklung einzelner Produkte. Stattdessen wollen wir ganzheitliche Lösungen kreieren, die unseren Kunden in ihrem Lebensumfeld wirklich helfen. Als Beispiel wäre hier die Zurich Videotelefonie zu nennen, die den Sachverständigenbesuch beim Kfz-Schaden durch einen Videocall ablöst. Dadurch erhält der Kunde eine selbstbestimmte und schnelle Bearbeitung seines Schadens. Dann gibt es da noch unser Produkt "Protect Your Stuff", das jungen Menschen eine Hausratversicherung in einer "light Version" anbietet und vor allem über das Thema Versicherung und Hausrat aufklärt. Und natürlich unser Smart Home Paket, welches den Einstieg in das smarte Wohnen ermöglicht und zahlreiche Assistance-Services für den Notfall bereithält.

Sie erklärten auf der Global Insurtech Roadshow, dass neben den Nutzeranwendungen auch die Mitarbeitertools digitalisiert werden müssen. Können sie das erläutern, wie stark muss ein erfolgreicher Versicherer digitalisiert sein?

Zu einer Digitalisierungsstrategie gehören immer zwei Themenbereiche: Einerseits gibt es die Digitalisierung von Prozessen nach Extern, z.B. durch APIs oder Onlineservices. Andererseits müssen aber auch die Mitarbeiter eines Unternehmens und interne Prozesse mit der neuesten Technik ausgestattet sein, sodass eine Digitalisierung vollumfänglich durchgeführt und gelebt wird. Man muss dementsprechend die Mitarbeiter und ihre täglichen Tools ebenso gut aufstellen wie zum Beispiel Tools, die wir im Umgang mit den Kunden nutzen.

Sie schreiben in ihrem Blog, "eine wichtige Rolle spielt die Identifizierung zukünftiger Technologien, Trends der Digitalisierung und was die Insurtech-Unternehmen damit vorhaben." Was sind ihre momentanen Erkenntnisse?

In den letzten zwei Jahren hat sich hier sehr viel getan. Das vorsichtige Abtasten von new und old economy, also den neuen und traditionellen Playern am Markt, hat sich hin zu teilweise etablierten Partnerschaften entwickelt - was ich als sehr positiv bewerte. Die große Angst der Disruption ist mittlerweile abgeschwächt. Vielmehr geht der Trend eindeutig dazu hin, gegenseitige Potentiale miteinander zu kombinieren und Synergien zu nutzen. Für mich zeichnet sich indes ein weiterer Trend ab: Sprachsteuerung und die vollständige Integration von Sprachassistenten wird das Thema der Zukunft werden. Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sich die Kommunikation, z.B. vom Kunden zu Vermittlern und zum Unternehmen vollständig ändern wird.

Kommen wir zu einem Spezialgebiet der Zurich Innovations Labs, dem Smart Home. Erklären Sie das Prinzip und welche Vorteile es bietet - für Kunden und Unternehmen.

Die Zurich Innovation Labs spüren Trends auf und entwickeln auf Basis von Kundenbefragungen Lösungen für Fragestellungen verschiedener Kunden-Ökosysteme. Beim Megatrend Smart Home geht es insbesondere um drei Bereiche, nämlich der Sicherheit, Komfort und dem Energiesparen. Bei Verbrauchern gibt es noch eine große Unsicherheit, ob und in welches System investiert werden sollte. Daher haben wir zusammen mit dem Gerätehersteller devolo ein Starterpaket entwickelt, um einen möglichst einfachen Einstieg in die Smart Home Welt zu ermöglichen. Daneben beinhaltet unser Smart Home Paket auch eine Assistance-Komponente, die im Schadensfall schnell und unkompliziert entsprechende Hilfe organisiert. Da werden zum Beispiel festgelegte Notfallkontakte, Sanitär- oder Wachdienste alarmiert und bei Bedarf sogar Notheizungen oder psychologische Hilfe nach einem Einbruch bereitgestellt. Damit wollen wir unseren Kunden den Alltag erleichtern und Zurich gleichzeitig als verlässlichen und innovativen, kundenorientierten Partner zur Seite stellen. Wir wollen nicht mehr nur der Schadenzahler für den Notfall sein, sondern zum Lebensbegleiter unserer Kunden werden.

Ich weiß nicht, ob Sie den Komiker Bill Burr kennen, der kritisierte Alexa und Co. scharf und fragte, warum jemand sein eigenes Haus "bugen", also verwanzen, sollte. Dasselbe könnte bei Smart Homes gefragt werden, also?

Eindeutig, nein! Unsere Kundenbefragungen zeigen hier das entgegengesetzte Bild. Die zusätzlichen Annehmlichkeiten durch Smart Home Systeme überlagern deutlich die Furcht vor Cyberbedrohungen. Die durch uns angebotene Hardware ist nach den strengen AV-Tests zertifiziert. Unsere Kundenbefragungen haben bislang keine Erkenntnisse gezeigt, dass Kunden, die bereits Smart Home Geräte nutzen ihr Haus als "verwanzt" ansehen. Im Gegenteil: Alexa und Co sind genau die Hebel, die Smart Home für Kunden noch attraktiver machen. Schon heute und in Zukunft noch stärker wird die Bedienung der Smart Home-Komponenten immer mehr über die Sprache erfolgen. Das ermöglicht viele neue Funktionalitäten, z.B. um die Entertainment- und Komfortkomponenten von Smart Home bestmöglich zu nutzen. Lichtszenerien oder auch Heizung und Klima per Zuruf zu steuern, wird ein Treiber sein, die eigenen vier Wände smart zu gestalten.

Zusatz- und letzte Frage: Bei der Recherche stieß ich auf die Arbeitsmethode Scrum, die Sie anwenden. Was ist das und wo wurde sie erfolgreich eingesetzt?

Scrum ist ein Vorgehensmodell des Projekt- und Produktmanagements, insbesondere zur agilen Softwareentwicklung. Es wurde ursprünglich in der Softwaretechnik entwickelt, ist aber davon unabhängig. Daher wird Scrum inzwischen in vielen anderen Bereichen eingesetzt. Mit Scrum geben wir unseren Teams einen Rahmen, wie sie gut zusammenarbeiten können und flexibel auf sich ändernde Anforderung oder neue Erkenntnisse reagieren können. Es geht immer darum, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Bei uns im Innovation Lab nutzen wir das auch für nicht IT- Projekte. Es wurde und wird sehr erfolgreich in Projekten eingesetzt, in denen "IT-Menschen" mit unterschiedlichen Fachbereichsabteilungen zusammenarbeiten, z.B auch um externe Dienstleister strukturiert einzubinden.

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