Konzernzentrale von Lloyd's of London
Konzernzentrale von Lloyd's of LondonQuelle: Lloyd's
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Lloyd's-Chef über interne Probleme und Wandel: "Wir lassen keinen mehr in angetrunkenem Zustand in das Gebäude"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Versicherungsmarkt Lloyd's of London hat in den vergangenen Wochen für reichlich Schlagzeilen gesorgt - nicht nur im positiven Sinne. Im Fokus stehen dabei vor allem Sexismus-Vorwürfe. Der neue Lloyd's-Chef Bruce Carnegie-Brown setzt nun auf eine Nulltoleranzpolitik.

"Wir haben eine Nulltoleranzpolitik gegenüber jeglicher sexuellen Belästigung. Wir haben sofort gehandelt, um gegen dieses Verhalten vorzugehen", betont der Lloyd's-Chef im Interview mit dem Handelsblatt. Ob Lloyd's ein Alkoholproblem habe, wollte Carnegie-Brown zwar explizit nicht beantworten.

 

Aber: "Es gibt Hinweise auf eine gewisse Trinkkultur in der Versicherungsbranche, besonders in London. Da besteht ein Zusammenhang zu den Berichten über unangemessenes Verhalten. Für Lloyd’s-Mitarbeiter haben wir den Alkoholkonsum während des Arbeitstags vor zwei Jahren verboten. Und wir lassen jetzt niemanden mehr in angetrunkenem Zustand in das Gebäude. In so einem Fall wird die Zugangskarte konfisziert."

 

Bislang wurde zwar eine entsprechende Karte einbehalten: "Aber es werden im Zuge unserer Untersuchung sicher noch mehr werden", betont der Nachfolger der früheren Lloyd's-Chefin Inga Beale.

 

Gleichzeitig setzt Carnegie-Brown für die Zukunft auf mehr Effizienz und Kostensenkungen. "Wir arbeiten mit dem Markt daran, unprofitable Geschäfte aufzugeben und so Kapazitäten für Neugeschäfte frei zu machen und neue Produkte und Innovationen anzunehmen. Außerdem wollen wir in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern die hohen Kosten in unserem Markt senken", betont Carnegie-Brown.

 

Dafür trenne an "das komplexere Versicherungsgeschäft vom Standardgeschäft. Im Moment haben wir nur ein Modell, mit dem wir sämtliche Geschäfte abwickeln. Aber ein Drittel davon ist ziemlich standardisiert. Das werden wir künftig über unsere neue Lloyd’s Risk Exchange abwickeln, komplett digital mithilfe von Algorithmen", ergänzt der Lloyd's-Chef. 

 

Konkrete Zahlen nennen wollte er indes nicht: "Es ist keine substanzielle Summe im Vergleich zu den erwarteten Einsparungen. Und Technologie ist auch nicht der Knackpunkt hier. Es geht vor allem um die Art und Weise, wie wir arbeiten."

Lloyd's of London · Bruce Carnegie-Brown