Unternehmen & Management

VGH will jetzt Spielraum für neue Wachstumsoffensive nutzen

Von Claudia Schmidt-WehrmannTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Versicherungsgruppe Hannover (VGH), führender Regionalversicherer in Niedersachsen, will nach Jahren, in denen die Devise "Ertrag vor Wachstum" galt, auf eine "kontrollierte Wachstumsoffensive" umschalten. Allerdings hatte dies Vorstandschef Hermann Kasten bereits für 2018 anvisiert, dann aber offensichtlich das Vorhaben auf 2019 verschoben.

Bei der Vorlage der Bilanz 2018 erklärte er, dass die Unternehmenspolitik der vergangenen Jahre Früchte getragen und die VGH vor dem Hintergrund des anhaltenden Zinstiefs am Kapitalmarkt Nehmerqualitäten entwickelt habe. Die Bilanzstruktur sei durch die Verbesserung des versicherungstechnischen Ergebnisses aufgrund von Sanierungsmaßnahmen in der Kfz- und Wohngebäudeversicherung so weit  gehärtet worden, dass der öffentlich-rechtliche Versicherer trotz hoher Investitionen in die Digitalisierung des Geschäftsmodells wieder den Wachstumsmotor anlassen könne. Dies zeigt sich laut Kasten jetzt an der erfreulichen Entwicklung der VGH in den ersten vier Monaten. Alle Bereiche wiesen gute Zuwachsraten auf, insbesondere die Lebensversicherung mit einem Plus von gut zehn Prozent. Aber auch die Kompositsparte liege im Plus. Die Schadenentwicklung sei zudem erfreulich. Von großen Sturmschäden sei die VGH bislang weitgehend verschont geblieben.

 

Kasten setzt auf die Entwicklung attraktiv kalkulierter Neuprodukte mit zusätzlichen Leistungen. Dadurch wolle man sich ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen, wie dies mit der neuen Pflanzenversicherung, die Hagel- und Starkregen umfasse, gelungen sei. Wie Thomas Vorholt, Vorstand für den Bereich Schadenversicherung erklärte, sind bereits 40 Prozent der Verträge von der Hagel- auf die Pflanzenversicherung umgestellt worden. Eine Mehrgefahrenversicherung, die auch Dürre einschließe, hat die VGH der Bundesregierung vorgeschlagen, denn ohne Beteiligung des Bundes ist laut Vorholt eine derartige Versicherung von der Branche nicht zu stemmen. Der Bund habe sich dieser Idee aber bislang verschlossen.

 

Die Betragseinnahmen der Versicherungsgruppe, zu der die Brandkasse, die Provinzial Leben sowie die Krankenversicherungen Alte Oldenburger und Provinzial gehören, sind im vergangenen Jahr entgegen den Erwartungen noch einmal geschrumpft, und zwar um 1,3 Prozent auf 2,20 Mrd. Euro. Dazu steuerte die Landschaftliche Brandkasse 1,17 Mrd. Euro (+0,8 Prozent, die Provinzial Leben 611 Millionen Euro (-7,8 Prozent) und die Krankenkassen 309 Mio. Euro (+3,1 Prozent) bei.

 

Die Muttergesellschaft Brandkasse musste entgegen den Erwartungen nach dem Sturm „Friederike" am Jahresanfang mit 788 Mio. Euro genau so viel für Schäden aufwenden wie im schadenarmen Vorjahr. Durch die im sechsten Jahr in Folge gesenkte Verwaltungskostenquote verringerte sich die Schaden-/Kostenquote mit 85,7 (Vorjahr: 88,3) Prozent auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren und weist laut Vorholt einen signifikanten Vorsprung zum Branchenschnitt (95 Prozent) auf. Die leicht aufgestockten Kapitalanlagen warfen lediglich 42 (126) Mio. Euro ab. Als Bruttoüberschuss werden "gute" 67 (103) Mio. Euro ausgewiesen. Im Vorjahr hatten Sondererträge, Steuerrückerstattungen sowie eine gute Versicherungstechnik den Überschuss positiv beeinflusst.

 

Bei der Provinzial Leben haben vor allem die um fast ein Viertel geschrumpften Einmalbeiträge  sowie das die hohen regulären Abläufe nicht mehr ausgleichende  Neugeschäft zur Beitrags- und Bestandserosion beigetragen. Ein Abwanderungsproblem hat die Provinzial, wie der zuständige Vorstand Jörg Sinner betonte nicht, denn die Stornoquote liege mit 3,3 Prozent auf historisch niedrigem Stand. Das Anlageergebnis der Kapitalanlagen lag mit 288 (393) Mio. Euro im erwarteten Bereich, wozu auch erneut Wertpapierverkäufe beitrugen. Diese fielen allerdings wegen der nur noch 57 (142) Mio. Euro ausmachenden Zuführung zur Zinszusatzreserve nicht mehr so hoch aus wie in den Vorjahren. Für das laufende Jahr bleibt die durchschnittliche Gesamtverzinsung  bei weiter "attraktiven" vier Prozent. Die Solvenzquote von 442 Prozent ohne Nutzung von Übergangsmaßnahmen erlauben laut Sinner ein höheres Neugeschäft. Eine private Rentenversicherung bleibt für die Altersvorsorge wichtig, ist sich Sinner sicher.

 

Zunehmend Freude bereiten der VGH die Krankenversicherungen, an denen sie mit 60 Prozent beteiligt ist. Sie weisen einen Bruttoüberschuss von 52 (49) Mio. Euro aus. Beide Krankenversicherungen hätten ihre Stärken ausgespielt, die Provinzial im Bereich Zusatzversicherung, insbesondere Pflegezusatzversicherung und die Alte Oldenburger mit einem kräftigen Plus in der Vollversicherung.

VGH Versicherungen · Hermann Kasten
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