Rententopf
RententopfQuelle: Bernd Kasper / PIXELIO (www.pixelio.de)
Schlaglicht

Verbraucherschützer überraschen mit aktienbasiertem Extrarenten-Modell

Von Manfred BrüssTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat gestern ein eigenes kostengünstiges Altersvorsorgemodell vorgelegt, das als öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt vertriebskostenfrei über den Arbeitgeber verbreitet werden soll. Bemerkenswert ist dabei, dass Verbraucherschützer mit der "Extrarente" die angesparten Gelder vor allem in Aktien anlegen wollen.

Eine Reform der privaten Altersvorsorge sei dringend nötig, sagte VZBV-Vorstand Klaus Müller gestern in Berlin. Verbrauchern würden heute nur meist teure, kaum rentable und unflexible Rentenversicherungen angeboten, "von denen vor allem die Versicherungswirtschaft und deren Vertriebe profitieren". Damit die Menschen mehr Geld im Alter hätten, sei eine kostengünstige und gewinnbringende Anlage entscheidend. "Die Extrarente gewährleistet dies", erklärte Müller weiter. Jetzt sei die Bundesregierung gefragt. Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und SPD vereinbart, ein attraktives standardisiertes Riester-Produkt entwickeln zu wollen.

 

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärte in einer ersten Reaktion, der Vorschlag des VZBV löse keine der Herausforderungen für die Altersvorsorge. "Die Verbraucherschützer setzen voll auf den Aktienmarkt, das Risiko müssten allein die Sparer tragen." Das wollten aber die meisten Menschen eben nicht. Nicht nachvollziehbar sei auch, warum der Vorschlag der Extrarente kostengünstiger sein sollte als bestehende Angebote. Vertriebsaufwand und Verwaltungskosten müssten Arbeitgeber und Steuerzahler tragen, erklärte der GDV weiter.

So soll die Extrarente funktionieren

Nach den Vorstellungen des VZBV werden Verbraucher über ihren Arbeitgeber automatisch in die Extrarente einbezogen. Sie können der erstmaligen Einbeziehung aber sechs Monate lang widersprechen und erhalten dann alle Beiträge zurück (Opt-Out). Selbstständige sollen proaktiv in die Extrarente einzahlen können (Opt-In). Die Extrarente soll über die öffentliche Hand durch Ausschreibungen statt über gewinnorientierte Unternehmen organisiert werden.  So würden die Kosten für die Verwaltung massiv sinken: "Kosten für den Vertrieb entfallen ganz." Der öffentlich-rechtliche Träger beauftragt dem Modell zufolge über zeitlich befristete Ausschreibungsverfahren private Fondsmanager, die Einzahlungen der Verbraucher am Kapitalmarkt anzulegen.

 

"Die Extrarente legt vor allem in Aktien an und erzielt damit langfristig eine höhere Rendite, als viele private Vorsorgeverträge", glaubt der VZBV. So ganz will man einem dauerhaften Aufschwung am Aktienmarkt aber doch nicht trauen. So sollen Aktien ab dem 49. Lebensjahr schrittweise in Anleihen umgeschichtet werden. Der VZBV schlägt mit der Extrarente100 zudem eine Basisvariante vor, die alle Einstellungen so festlegen soll, dass sie für viele Verbraucher möglichst gut passen. Am Ende des Erwerbslebens sieht danach die Extrarente100 einen Entnahmeplan vor, bei dem die verbleibenden Beiträge weiter am Kapitalmarkt investiert bleiben. "So wird die Auszahlungsphase genutzt, um an der langfristigen Entwicklung der Wirtschaft zu partizipieren." Wenn die Bundesregierung noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen würde, dann könnten Verbraucher ab dem Jahr 2022 mit der Extrarente vorsorgen, glaubt Müller.

vzbv · Rente · Extrarente
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