Getreidefeld nach der Ernte
Getreidefeld nach der ErnteQuelle: angieconscious / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Bayern fordert staatlich subventionierte Dürreversicherung für Landwirte

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kaum gab es über die Ostertage die ersten sommerlichen Sonnenstrahlen, macht sich wieder die Furcht vor einem weiteren Dürresommer breit. So warnten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) unlängst vor einem weiteren extrem trockenen Sommer. Angesichts dessen fordert der Freistaat Bayern nun eine staatlich subventionierte Dürreversicherung für Landwirte.

Die bayerische Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) drückt daher nun aufs Gaspedal und hat im Bundesrat einen Vorschlag nach österreichischem Vorbild eingebracht. Ihre Idee: Eine Mehrgefahrenversicherung, die einen Schutz gegen alle Naturrisiken einschließlich Dürre umfasst. Die Hälfte der Kosten soll dabei vom Bund und den Ländern übernommen werden. "Ich bin der Auffassung, dass wir die Risikoabsicherung unserer Landwirte durch faire und ausgewogene Rahmenbedingungen verbessern müssen. Eine staatlich unterstützte Mehrgefahrenversicherung in der Landwirtschaft ist dafür am besten geeignet. Denn die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass eine breite Absicherung von Risiken wie etwa Dürre nur dann zu erreichen ist, wenn die Prämien für die Bauern bezahlbar bleiben", begründet die Staatsministerin ihren Vorstoß.

 

Unterstützung erhält der Freistaat bereits von Niedersachsen. "Ich stimme Bayern zu", sagte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) auf Nachfrage von NDR 1 Niedersachsen. So müsse man weg von Soforthilfen hin zu einer externen Risikovorsorge bei extremen Wetter-Ereignissen. Auch Sachsen zeigte sich bislang offen für die Idee. Diese sei durchaus sinnvoll, "damit die Landwirte nicht jedes Mal als Bittsteller auftreten müssten", sagte der sächsische Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) am Rande der Landwirtschaftsausstellung Agra 2019 in Leipzig. Auch die Bundesregierung zeigte sich für eine entsprechende Dürreversicherung offen. "Wir prüfen den Vorschlag aus Bayern sorgfältig", sagte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

 

Zustimmung gab es auch aus der Branche selbst: "Der von der Bayerischen Landesregierung vorgeschlagene Zuschuss zu den Prämien einer Mehrgefahrenversicherung  ist aus unserer Sicht die beste Lösung, um Landwirte gegen Dürre und weitere Wettergefahren zu schützen. Das Ausland macht es uns ja bereits vor. In den meisten EU-Staaten existiert bereits eine Förderung dieses Systems. Die Folge ist, dass die Absicherung gegen Gefahren über den Hagel hinaus (Sturm, Starkregen, Frost, Trockenheit) weit verbreitet ist und ad hoc-Hilfen in schweren Schadenjahren gar nicht diskutiert werden müssen", erläuterte die Vereinigte Hagel auf Anfrage von VWheute.

 

"Eine privatwirtschaftlich organisierte und staatlich unterstützte Mehrgefahrenversicherung belässt dem einzelnen Landwirt darüber hinaus auch seine unternehmerische Freiheit, ob er die Police abschließen möchte oder nicht. Die Landwirte müssen darüber hinaus natürlich weitere eigenverantwortliche Risikovorsorge betreiben: Die gute fachliche Praxis sowie standortgerechte Sortenwahl und Produktionsverfahren werden auch bei einer unterstützten Mehrgefahrenversicherung wichtige Säulen bleiben. Wir als Versicherer wären auf jeden Fall in der Lage, die dann vermutlich ansteigende Nachfrage nach Versicherungsleistungen zu bedienen", heißt es in einer Stellungnahme. 

 

Allerdings würde eine neuerliche Dürre auch aviele Industriefirmen empfindlich treffen. "Was in der Öffentlichkeit bislang wenig beachtet wird, ist das Schadenpotenzial des am Rhein. Wir haben dort sehr viel Industrie, die über Güterschiffe Rohstoffe bezieht und ihre Produkte ausliefert", wird Ernst Rauch, Chef der Klimaforschung des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, in der Online-Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit zitiert.

Naturgefahren kommen die Versicherer teuer zu stehen

Naturgefahren in Deutschland 2018
Naturgefahren in Deutschland 2018Quelle: GDV
"2018 gehört zu den vier schwersten Sturmjahren der letzten 20 Jahre."
Wolfgang Weiler, Präsident des GDV

Derweil haben die Unwetter des vergangenen Jahres zu Schäden in Milliardenhöhe gesorgt. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Montag mitteilte, belaufen sich die versicherten Schäden aus Unwettern deutschlandweit auf rund 2,6 Mrd. Euro. Allein 786 Mio. Euro der Versicherungsleistungen entfielen dabei auf Sturm- und Hagelschäden. Weitere 124 Mio. Euro leisteten die Versicherer für weitere Naturgefahren wie Starkregen.

 

Besonders stark traf es dabei Nordrhein-Westfalen mit 910 Mio. Euro. Mit deutlichem Abstand dahinter liegen Baden-Württemberg (260 Mio. Euro) und Bayern (252 Mio. Euro). Allein durch Starkregen und weitere Naturgefahren entstanden in Nordrhein-Westfalen 124 Mio. Euro Schaden, in Baden-Württemberg 104 Mio. Euro und in Bayern 50 Mio. Euro, teilte der GDV in seiner ersten regionalen Naturgefahrenbilanz mit. Trotz des trockenen Frühjahrs und Sommers hatte es Ende Mai Überflutungen nach schweren Niederschlägen gegeben, zum Beispiel in Wuppertal, so der Verband.

Dürreversicherung · GDV · Naturgefahren · Landwirtschaft
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